Lagarde: EZB entscheidet von Meeting zu Meeting und datenbasiert


Von Hans Bentzien

FRANKFURT/WASHINGTON (Dow Jones)--Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bei der Kalibrierung ihrer Geldpolitik nach den Worten von EZB-Präsidentin Christine Lagarde weiterhin mit der großen Unsicherheit des Ausblicks zu kämpfen. In einem Interview bei der Jahrestagung des Internationalen Bankenverbands IIF sagte Lagarde, dass der EZB-Rat deshalb von Sitzung zu Sitzung entscheide. Lagarde verwies aber auch auf positive wirtschaftliche Aspekte und erwähnte sogar die Möglichkeit einer Verkleinerung der EZB-Bilanz.

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"Wir müssen, wie wir neulich erklärt haben, von Meeting zu Meeting entscheiden und uns dabei so gut möglich auf Daten stützen und uns zugleich auf unser Urteil verlassen, das auf den verschiedenen Daten basiert", sagte Lagarde. Die EZB müsse "so dicht wie möglich an solide Projektionen herankommen". Das sei unter den aktuellen Umständen der effizienteste Weg. Lagarde verwies darauf, dass geldpolitische Maßnahmen nicht sofort wirkten. "Geldpolitik hat diese Verzögerung zwischen dem Tag, an dem wir eine Entscheidung treffen - ob diese die Zinsen betrifft oder eine Anpassung der Bilanz -... und der Wirkung", sagte sie.

Im Protokoll der Ratssitzung vom 7./8. September hatte sich angedeutet, dass der EZB-Rat bereit zu einer Diskussion über einen Abbau der Wertpapierbestände ist. Darin hieß es, "dass die umfangreiche Bilanz des Eurosystems nach wie vor für eine erhebliche geldpolitische Akkommodation sorgt, indem sie die Laufzeitprämien senkt. Es wurde als angemessen erachtet, zu bekräftigen, dass der EZB-Rat bereit ist, alle seine Instrumente im Rahmen seines Mandats anzupassen, um sicherzustellen, dass die Inflation zu ihrem mittelfristigen Ziel von 2 Prozent zurückkehrt."

Auf die Frage, ob Amerika eine zu negative Sicht auf Europa habe, verwies Lagarde auf positive Aspekte. "Europa befindet sich nicht in einer Rezession", sagte sie und fügte hinzu: "In den vergangenen beiden Quartalen hat Europa positive Zahlen geliefert - im Gegensatz zu den USA, soweit ich weiß." Die August-Zahlen für das verarbeitende Gewerbe hätten die Finanzmärkte überrascht. Zudem liege die Arbeitslosenquote auf einem Rekordtief und trotzdem gebe es bisher kaum Anzeichen für Zweitrundeneffekte der Inflation über die Löhne.

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Die EZB-Präsidentin sprach zudem von der Notwendigkeit einer "Kooperation" von Geld- und Fiskalpolitik. "Wir arbeiten derzeit nicht parallel, aber wir müssen kooperieren, denn wenn wir das nicht tun, dann muss die Geldpolitik in ihrem Kampf gegen die Inflation noch entschlossener und noch entschiedener vorgehen", sagte sie.

Der EZB-Rat berät am 26./27. Oktober über den weiteren Gang der Geldpolitik. Viele Beobachter erwarten, dass das Gremium die Zinsen erneut um 75 Basispunkte anheben wird.