VW-Aktie stabil: CEO-Blume plant erhebliche Streichung von Produktionskapazitäten - Expansion im Globalen Süden geplant


VW-Aktie stabil: CEO-Blume plant erhebliche Streichung von Produktionskapazitäten - Expansion im Globalen Süden geplant
"Aktuell beschäftigen wir uns mit bis zu einer weiteren Million Kapazität, um die globale Marktsituation abzubilden", sagte Konzernchef Oliver Blume dem "Manager-Magazin" (Dienstag). "Dann kommen wir von insgesamt über zwölf Millionen investierten Kapazitäten auf nachhaltig neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr." Das betreffe die Standorte des Unternehmens weltweit. In China hatte a href="/aktien/volkswagen_vz-aktie">Volkswagen wie in Europa - hier vor allem bei der Kernmarke VW Pkw und der Tochter Audi - die Produktionsmöglichkeiten um jeweils eine Million Fahrzeuge eingedampft.

"Überkapazitäten sind für unser Unternehmen langfristig nicht tragfähig", sagte Blume. "Und in der heutigen Markt- und Wettbewerbssituation ist die Volumenplanung der Vergangenheit unrealistisch." Eine Entscheidung, ob dafür Werke geschlossen werden müssen, ist laut Blume noch nicht getroffen. "Es gibt intelligentere Methoden, als gleich ein Werk zu schließen. In Osnabrück zum Beispiel werden wir die Produktion von VW-Fahrzeugen im nächsten Jahr beenden - das hatten wir 2024 entschieden." In dem Fall rede VW mit Rüstungsunternehmen, um dort eventuell Produktion anzusiedeln und Mitarbeiter zu übernehmen. Auch dabei ist aber noch nichts in trockenen Tüchern.

"Wir haben einen klaren Plan, wie wir unsere Kapazitäten sozialverträglich verringern", sagte Blume zu den bereits laufenden Stellenstreichungen. Derzeit baut Volkswagen bei der Kernmarke und vor allem den Töchtern Audi und Porsche in Deutschland zusammengenommen 50.000 Jobs ab, um die Kosten zu senken. Blume zufolge reicht das derzeitige Gewinnniveau nicht aus, um die Investitionen in Modelle und Technik dauerhaft zu stemmen. Einen weiteren Arbeitsplatzabbau schließt der Manager gleichwohl nicht aus. "Unsere Pflicht ist es, alles genau zu prüfen", sagte Blume. "Wir schauen uns alle Kostenpositionen an. Das ist elementarer Teil unserer Verantwortung für dieses Unternehmen."

2019 seien die Werke des VW-Konzerns auf zwölf Millionen Fahrzeuge pro Jahr ausgelegt gewesen. "Aber seit Corona liegt der Durchschnitt bei neun Millionen Fahrzeugen in komplett veränderten Märkten", sagte Blume.

In den USA denkt VW darüber nach, ob Audi die neu entstehende Fabrik der Elektromarke Scout mitnutzen kann - eine Entscheidung steht aber laut Blume weiter aus.

Volkswagen visiert mit China-Modellen Globalen Süden an

Nach Jahren seiner chinafokussierten Strategie peilt VW mit seinen in der Volksrepublik entwickelten Modellen nun Märkte im Globalen Süden an. Volkswagen wolle von den Skaleneffekten und den "einzigartigen Kostenpositionen" in China profitieren, sagte China-CEO Ralf Brandstätter in Peking, wo am Freitag die wichtige Messe Auto China beginnt. VW untersuche Märkte in Südostasien, Mexiko, Nordafrika und Südamerika, sagte er. Europa oder Nordamerika kämen nicht infrage, hieß es weiter.

Helfen könnte laut Brandstätter die technische Basis und das Wissen aus den Jahren der Strategie "in China für China". Diese Kompetenzen unterstützten die Gruppe in diesen Märkten, "wo wir ohnehin mit chinesischen OEMs konkurrieren müssen", sagte er.

Neue Strategie im Jahr der Produktoffensive

Volkswagen will dem Manager zufolge jene Märkte erschließen, in denen der Konzern noch nicht besonders stark vertreten sei, wie in Südostasien, und solche Märkte, die für chinesische Elektro- und Hybridautos sowie chinesische Vorschriften günstig seien. Infrage kämen alle Modelle, doch nicht alle würden am Ende auch exportiert, sagte Brandstätter. Jeder Markt werde für sich untersucht.

Die Strategieerweiterung kommt im Jahr der größten Produktoffensive der Wolfsburger in China mit mehr als 20 Elektro- und Hybrid-Modellen sowie neuen und überarbeiteten Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. "Wir verfügen nun über China-Geschwindigkeit und wettbewerbsfähige Kostenstrukturen", betonte Brandstätter.

China bleibt herausfordernd

Volkswagen hatte lange betont, Modelle nur in China für den chinesischen Markt zu entwickeln und zu produzieren. Der Markt bleibe aber herausfordernd, sagte Brandstätter. "Wir setzen nicht auf höhere Preise in der Zukunft." Eine Erholung der Margen könnte deshalb nur über Kosteneffizienz gelingen.

In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt machen den Autoherstellern harter Wettbewerb, ein Überangebot gepaart mit einer schwachen Nachfrage und ein damit einhergehender Preisdruck zu schaffen. Auch immer mehr chinesische Hersteller drängen mit ihren E-Autos deshalb auf aussichtsreiche Märkte wie Europa. Im vergangenen Jahr seien 6 Millionen Autos aus China exportiert worden, was mit den 24 Millionen in China verkauften Autos insgesamt rund 30 Millionen in der Volksrepublik hergestellte Fahrzeuge ergebe, rechnete Brandstätter vor.

Die VW-Aktie notiert im XETRA-Handel zeitweise 0,07 Prozent tiefer bei 90,42 Euro.

dpa-AFX