Alphabet-Aktie im KI-Rausch: Wird die Milliardenoffensive zum Risiko?
Alphabet investiert Milliarden in KI-Infrastruktur. Doch während Google Cloud das Wachstum antreibt, könnten steigende Abschreibungen ab 2027 die Gewinne belasten.
- Alphabet erhöht die Investitionen 2026 auf bis zu 205 Milliarden US-Dollar
- Ab 2027 belasten erste hohe Abschreibungen auf neue Server das Ergebnis
- Google Cloud wächst schneller als die Kosten und stützt bislang die Marge
Bei Alphabet steht aktuell die erneut angehobene Investitionsplanung für 2026 im Fokus: Der Konzern kalkuliert nun mit 195 bis 205 Milliarden US-Dollar Investitionsausgaben, nachdem zuletzt noch 180 bis 190 Milliarden US-Dollar veranschlagt waren. Allein im zweiten Quartal 2026 flossen 44,9 Milliarden US-Dollar in Sachinvestitionen, der freie Cashflow rutschte auf minus 5,9 Milliarden US-Dollar. Wie The Motley Fool berichtet, richtet sich die Aufmerksamkeit der Anleger vor allem auf diese Cash-Frage. Übersehen wird dabei die zweite Seite der Rechnung: Die Abschreibungen auf die milliardenschweren Käufe schlagen erst mit Verzögerung auf das Ergebnis durch, der stärkste Schub folgt laut Konzern erst ab 2027.
Warum die Rechnung für die Alphabet-Aktie erst 2027 kommen könnte
Ein Server wird bilanziell nicht sofort als Kosten verbucht, sondern über die Nutzungsdauer verteilt. Alphabet setzt diese Nutzungsdauer seit 2023 auf sechs Jahre an, weil der Konzern festgestellt hat, dass seine Maschinen länger halten als ursprünglich angenommen. Finanzchefin Anat Ashkenazi bezifferte im Earnings Call am 22. Juli den Serveranteil an den Infrastrukturausgaben des zweiten Quartals auf rund 60 Prozent, den Rest teilen sich Rechenzentren und Netzwerktechnik. Übertragen auf die Jahresmitte der aktuellen Prognose von rund 200 Milliarden US-Dollar ergeben sich laut The Motley Fool rechnerisch etwa 120 Milliarden US-Dollar an Serverkäufen, die über sechs Jahre abgeschrieben werden. Das entspreche rund 20 Milliarden US-Dollar Abschreibung pro Jahr allein aus den Käufen dieses Jahres, wiederkehrend bis in die frühen 2030er Jahre, heißt es weiter.
Die Belastung ist schon jetzt sichtbar
Sichtbar ist die Belastung schon jetzt. Die sonstigen Umsatzkosten stiegen im zweiten Quartal um 22 Prozent auf 29,8 Milliarden US-Dollar, die Forschungs- und Entwicklungskosten um 32 Prozent, in beiden Fällen nennt der Konzern Abschreibungen als Treiber. Die Wellen stapeln sich: 2025 gekaufte Ausrüstung läuft schon in der Abschreibung, die diesjährige Welle kommt hinzu, sobald die Systeme in Betrieb gehen. Ashkenazi kündigte für 2027 einen deutlichen Anstieg der Investitionen an und erklärte laut The Motley Fool, der Ausgabenschub werde "in Form höherer Abschreibungen und damit verbundener Rechenzentrumskosten wie Energie" auf die Bilanz drücken. Das operative Ergebnis lag im zweiten Quartal bei 40,8 Milliarden US-Dollar. Allein die in diesem Jahr angeschafften Server dürften laut The Motley Fool den ausgewiesenen Gewinn über sechs Jahre hinweg jährlich um etwa den Betrag eines halben Quartalsgewinns schmälern - noch bevor die Ausgaben aus 2025 und 2027 berücksichtigt werden.
Wachstum überholt die Kosten noch
Noch hält das Wachstum mit der Kostenwelle Schritt. Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden US-Dollar, das zwölfte Quartal in Folge mit zweistelligem Zuwachs. Google Cloud legte um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden US-Dollar zu, das operative Ergebnis der Sparte verdreifachte sich auf 8,8 Milliarden US-Dollar. Der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft wuchs binnen eines Quartals um mehr als 50 Milliarden US-Dollar auf 514 Milliarden US-Dollar. Konzernweit stieg das operative Ergebnis um 30 Prozent und damit schneller als der Umsatz. Die beiden Linien folgen aber laut The Motley Fool unterschiedlicher Logik: Abschreibungen laufen nach einem festen Plan, Umsatzwachstum nicht. Die Abschreibung dürften also kommen - unabhängig davon, ob die Cloud-Nachfrage mithält. Und auch der freie Cashflow dürfte angespannt bleiben.
Die Investitionsplanung für 2027 steht jedoch noch nicht endgültig fest, Ashkenazi sprach lediglich von einem erwarteten weiteren Anstieg. Sollte das Cloud-Wachstum nachlassen, während die Abschreibungen wie geplant zulegen, würde der beschriebene Belastungseffekt auf die Marge deutlicher ausfallen als hier skizziert.
Am Donnerstag verliert die Alphabet-Aktie im NASDAQ-Handel zeitweise 0,71 Prozent auf 334,31 US-Dollar.
Bettina Schneider, Thomas Zoller, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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