Starkes Dupixent-Geschäft reicht nicht: Sanofi-Aktie leidet unter Gewinneinbruch in der Bilanz
Sanofi hat dank der anhaltend starken Nachfrage nach Dupixent und neuen Medikamenten im zweiten Quartal die Erwartungen übertroffen.
Der Pharmakonzern Sanofi wird nach einem überraschend starken zweiten Quartal optimistischer. Wachstumstreiber war erneut der Kassenschlager Dupixent. Die neue Konzernchefin Belen Garijo hob bei der Vorlage der Quartalszahlen am Donnerstag die Ambitionen für das Medikament gegen Asthma und Neurodermitis weiter an. An der Börse sorgte dies jedoch nicht für Auftrieb. Im Gegenteil: Das hohe Dupixent-Wachstum zeige die Abhängigkeit von der Entwicklung des Kassenschlagers, hieß es am Markt.
Investoren sorgen sich schon seit Längerem über die Produktpipeline des französischen Pharmaunternehmens, das zuletzt immer wieder Rückschläge bei der Entwicklung neuer Medikamente einstecken musste. Die Halbjahreszahlen hätten den Finger in die Wunde gelegt, analysierten die Experten der Nachrichtenagentur Bloomberg. Trotz angehobener Umsatzprognose belasteten ein Forschungsfehlschlag und der Einbruch beim Nettogewinn die Stimmung: Die Sanofi-Aktie verlor im Pariser Handel am Donnerstag zeitweise 5,39 Prozent auf 75,61 Euro.
Der laufende Bodenbildungsversuch bleibt vorerst aber intakt. Zum Vergleich: Im März 2025 hatte das Papier ein Rekordhoch von knapp 111 Euro erklommen, bevor es wieder bergab ging. In den vergangenen zwei Jahren sackte der Kurs gegen den Trend des freundlichen Branchenindex STOXX EU600 Health Care um rund ein Fünftel ab. Mit einem Börsenwert von etwas mehr als 90 Milliarden Euro gehört Sanofi aber immer noch zu den wertvollsten Unternehmen der Branche.
Im abgelaufenen zweiten Quartal steigerten die Franzosen den Umsatz um 16 Prozent auf 11,6 Milliarden Euro. Zu konstanten Wechselkursen lag das Plus bei knapp 18 Prozent. Für 2026 erwartet der Konzern nun ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von rund zehn Prozent, bisher war das Ziel ein hoher einstelliger Prozentsatz.
Das bereinigte Ergebnis je Aktie stieg um gut 31 Prozent auf 2,09 Euro und übertraf ebenso wie der Umsatz die Erwartungen der Analysten. Für das Gesamtjahr rechnet Sanofi weiterhin mit einem etwas stärkeren Wachstum des bereinigten Ergebnisses als beim Erlös.
JPMorgan-Analyst Richard Vosser sprach von "starken Zahlen" und einem überraschend hohen Umsatz, vor allem dank des Blockbusters Dupixent. Nach der Prognoseanhebung dürfte der Markt seine Erwartungen für 2026 und die Mittelfristziele bis 2030 leicht nach oben anpassen, schrieb er.
Dupixent, das unter anderem gegen Asthma und Neurodermitis eingesetzt wird, erzielte im Berichtszeitraum erstmals mehr als fünf Milliarden Euro Quartalsumsatz. Mit 5,2 Milliarden Euro lag der Erlös über ein Drittel über dem Vorjahreswert.
Sanofi erhöhte deshalb das Umsatzziel für den Blockbuster bis 2030 von zuvor 22 auf nun 25 Milliarden Euro. Das Ziel für das Impfstoffgeschäft wurde dagegen von zehn auf neun Milliarden Euro gesenkt. Unverändert sollen neue Medikamente bis dahin rund zehn Milliarden Euro Umsatz beitragen.
Auch andere jüngere Arzneien wie die Krebsmedikamente Ayvakit und Sarclisa sowie Altuviiio gegen die Bluterkrankheit sorgten im vergangenen Quartal für Wachstum. Das Impfstoffgeschäft war hingegen leicht rückläufig.
Für die frühere Merck-Chefin Belen Garijo war es die erste Quartalsbilanz an der Spitze von Sanofi. Sie übernahm die Führung Anfang Mai und soll neue Wachstumsquellen erschließen, um die starke Abhängigkeit des französischen Arzneimittelherstellers von Dupixent zu verringern. Diese Herausforderung verschärft sich durch auslaufende Patente nach 2030 und den erwarteten Wettbewerb durch Nachahmerprodukte.
Garijo kündigte an, Forschung und Entwicklung zu stärken und die Produktpipeline durch Übernahmen auszubauen. Bereits im vergangenen Quartal stellte Sanofi mehr als acht Entwicklungsprojekte ein. Zuletzt beendete der die Forschung am Wirkstoff Amlitelimab gegen Neurodermitis, da dieser keinen bedeutenden zusätzlichen Nutzen biete. Das Mittel galt ausgerechnet als möglicher Dupixent-Nachfolger.
Die Einstellung führte im zweiten Quartal zu einer milliardenschweren Wertminderung. Dadurch sowie wegen höherer Gewinnabführungen an den Forschungspartner Regeneron Pharmaceuticals brach der Konzerngewinn unter dem Strich um gut 90 Prozent auf 343 Millionen Euro ein. .
PARIS (dpa-AFX)
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