Milliardendeal

ABB zündet den Turbo - Rekordaufträge und Milliarden-Deal - Warum die Aktie dennoch deutlich abgibt


ABB zündet den Turbo - Rekordaufträge und Milliarden-Deal - Warum die Aktie dennoch deutlich abgibt

ABB verstärkt sein Automationsgeschäft mit einer milliardenschweren Übernahme und kauft den britischen Spezialisten Rotork für rund 5,5 Milliarden US-Dollar.

ABB verstärkt sich mit einem milliardenschweren Zukauf. Wie der Schweizer Technologiekonzern mitteilte, hat er sich mit der britischen Rotork plc auf eine Übernahme geeinigt. Der Transaktion liege ein Unternehmenswert von 5,5 Milliarden US-Dollar zugrunde.

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ABB zahlt 503 Pence in bar je Rotork-Aktie, was einer Prämie von 60 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate entspricht. Rotork ist laut ABB ein Anbieter von intelligenten Durchflusssteuerungen und Messtechnik sowie ein führender Hersteller von elektrischen Stellantrieben.

Rotork soll nach Abschluss der Transaktion, der für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen ist, eine eigenständige Division im ABB-Geschäftsbereich Automation werden. Der Verwaltungsrat von Rotork hat der Transaktion einstimmig zugestimmt, nun müssen die Aktionäre den Deal noch absegnen.

Das britische Unternehmen erzielte 2025 einen Umsatz von rund 1 Milliarde US-Dollar und eine bereinigte operative Gewinnmarge von 24,6 Prozent. Damit würde Rotork rund 3 Prozent zum Umsatz von ABB beisteuern und unmittelbar zur Steigerung der operativen EBITA-Marge beitragen.

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ABB will den Deal über bestehende Barmittel und zugesagte Bankkreditlinien finanzieren.

ABB steigert Auftragseingang im zweiten Quartal zweistellig

ABB hat im zweiten Quartal 2026 sowohl Umsatz als auch Auftragseingang markant gesteigert. Wie schon im Startquartal legten beide Kennziffern zweistellig zu. Auch die operative Gewinnmarge verbesserte sich auf hohem Niveau noch einmal.

Der Umsatz stieg in den drei Monaten bis Ende Juni im Jahresvergleich um 14 Prozent auf 9,48 Milliarden US-Dollar, wie das auf Elektrifizierung, Automation und Antriebstechnik spezialisierte Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Auf vergleichbarer Basis lag das Plus bei 12 Prozent.

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Wichtigster Wachstumstreiber waren höhere Volumen, hieß es weiter. Zusätzlich hätten die positive Preisentwicklung annähernd 2 Prozent und günstige Wechselkursänderungen 2 Prozent beigetragen.

Der Auftragseingang, also die Basis des künftigen Umsatzes, zog auf vergleichbarer Basis um 28 Prozent auf 12,04 Milliarden Dollar an. Deutlich angezogen haben insbesondere die Bestellungen in den Bereichen Elektrifizierung und Antriebstechnik.

Der operative Gewinn nahm im Vergleich zum Umsatz leicht überproportional zu, entsprechend verbesserte sich auch die Profitabilität. Die operative Marge (EBITA) stieg um 0,9 Prozentpunkte auf 20,2 Prozent und war damit innerhalb der im November erhöhten Zielspanne von 18 bis 22 Prozent. Den Anstieg führt ABB auf Verbesserungen in zwei der drei Geschäftsbereichen und auf geringere Verluste im E-Mobility-Geschäft zurück.

Der auf die Aktionäre anfallende Gewinn lag bei 1,23 Millionen Dollar und damit um 7 Prozent über dem Vorjahreswert. Wesentlicher Treiber sei hier die verbesserte Geschäftsentwicklung gewesen, welche verschiedene gestiegene nicht operative Positionen mehr als kompensieren konnte.

Die bisherigen Prognosen für das Gesamtjahr 2026 wurden leicht erhöht. Der Konzern peilt demnach ein Umsatzwachstum im niedrigen zweistelligen bis unteren "Teens"-Bereich an (bisher: im hohen einstelligen bis tiefen zweistelligen Bereich). Die operative EBITA-Marge soll sich weiterhin erhöhen im Vergleich zum Vorjahr (19,0 Prozent).

Für das laufende dritte Quartal wird ein Wachstum des vergleichbaren Umsatzes im unteren bis mittleren "Teens"-Bereich und eine EBITA-Marge über derjenigen des zweiten Quartals 2026 in Aussicht gestellt.

Analysten sehen Rotork-Übernahme kritisch

Die gleichzeitig angekündigte Übernahme von Rotork belastete jedoch die Reaktion der Anleger. Einige Analysten bezeichneten den Kaufpreis als hoch. Der Industriekonzern bietet rund 5,5 Milliarden US-Dollar (4,8 Milliarden Euro) für den britischen Automatisierungsspezialisten.

Die Experten der ZKB bezeichneten den Preis als "stolz". Die starken operativen Margen von Rotork würden die hohe Bewertung aber rechtfertigen. Weiter hob der zuständige Analyst angesichts des Quartalsberichts das starke Wachstum der Aufträge hervor, das von Rechenzentren getrieben war. Dies zeige, dass der wichtigste Treiber für ABB "auf Hochtouren" laufe. Auch die Bank Vontobel erachtet den Preis für die angestrebte Akquisition als hoch. Aus strategischer Sicht sei der Zukauf aber durchaus sinnvoll.

Die Experten von Bernstein Research führten die Kursverluste ebenfalls auf die "teure" Übernahme zurück. Allerdings hoben sie das dreistellige Auftragswachstum von ABB bei den Rechenzentren sowie die leicht erhöhte Jahresprognose als positiv hervor. "Die Ergebnisse sollten eine weitere Aufwärtskorrektur der Konsensprognosen im tiefen einstelligen Prozentbereich zur Folge haben", so das Fazit.

ABB-Aktie unter Druck - Siemens Energy ebenfalls belastet

Die ABB-Aktie zeigt sich an der SIX in der Schweiz zeitweise 4,47 Prozent tiefer bei 79,46 Franken. Damit bewegten sich die Papiere wieder auf dem Niveau des Juni-Tiefs.

Die am Morgen vorgelegten Zahlen zum zweiten Quartal hatten zwar insbesondere beim Auftragseingang und bei der Marge die Erwartungen übertroffen. Auch der Umsatz legte deutlich zu und ABB wurde für das Gesamtjahr optimistischer. Die positiven Nachrichten konnten die Sorgen über den hohen Kaufpreis für Rotork jedoch zunächst nicht ausgleichen.

Rotork soll insbesondere das Geschäft rund um die Elektrifizierung von Rechenzentren stärken. Hier macht auch Siemens Energy gute Geschäfte. Aktien mit Bezug zu Künstlicher Intelligenz (KI) gerieten nach dem starken Lauf zuletzt jedoch erneut unter Druck. Hierzulande gaben vor allem Chipwerte nach.

Im Rahmen der laufenden Berichtssaison richtet sich der Fokus der Anleger vor allem auf die Investitionspläne im Bereich KI. Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta Platforms hatten ihre Ausgaben für Rechenzentren zuletzt immer wieder ausgeweitet. Sollten die Tech-Konzerne ihre Budgets künftig nur noch stagnieren lassen, könnte dies der KI-Kursrally den Treibstoff entziehen.

ZÜRICH (dpa-AFX)

Bildquellen: ABB, Bocman1973 / Shutterstock.com

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