Nebius im KI-Rausch: Milliardenauftrag vor den Quartalszahlen treibt die Aktie an
Ein Milliardenvertrag mit einem KI-Startup und ein neuer Rechencluster in Finnland heizen die Erwartungen vor den Zahlen an.
- KI-Startup sichert sich Rechenkapazität für mehrere Jahre im Voraus
- Neuer Rechencluster in Finnland soll die Kapazität weiter ausbauen
- Blick richtet sich nun auf die Telefonkonferenz vor Börsenbeginn
Nebius wird heute vor US-Börsenstart seine Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vorlegen. Bereits vor der Berichtsvorlage feiern Anleger und schieben die Aktie vorbörslich an der NASDAQ zeitweise um 10,34 Prozent auf 213,00 US-Dollar hoch. Hintergrund des Optimismus ist ein mehrjähriger Cloud-Vertrag mit dem KI-Startup Reflection AI.
Milliardenvertrag mit Reflection AI
Der Cloudinfrastruktur-Anbieter Nebius liefert im Rahmen der neuen Vereinbarung GPU-basierte Cloud-Dienste an Reflection AI bis ins Jahr 2029. Einem Reuters-Bericht zufolge sichert sich das KI-Unternehmen damit Rechenkapazität, darunter Zugang zu den neuesten NVIDIA-Chips. Der Vertrag reiht sich in ein wachsendes Portfolio mehrjähriger Abnahmeverträge ein, zu dem bereits ein Fünfjahresvertrag mit Meta Platforms über 27 Milliarden US-Dollar sowie eine Vereinbarung mit Microsoft über 17 Milliarden US-Dollar zählen.
Parallel zum neuen Vertrag nahm Nebius einen sogenannten Vera-Rubin-Rechencluster in seinem Rechenzentrum in Finnland in Betrieb, um die eigene Kapazitätsbasis zu erweitern. Bereits Mitte Juli 2026 hatte das Unternehmen ein Asset-Light-Modell eingeführt, über das externe Rechenzentrumsbetreiber die eigene KI-Cloud-Plattform hosten können. Zur Finanzierung des Ausbaus soll Nebius laut Berichten zudem eine besicherte Kreditfazilität über rund 775 Millionen US-Dollar abgeschlossen haben, die durch GPU-Anlagen und vertraglich gebundene Zahlungsströme abgesichert ist und im Oktober 2030 fällig wird.
Zahlen zum zweiten Quartal und Investitionsdruck dürften Nebius-Aktie bewegen
Am Mittwoch steht ein weiterer potenziell kursbewegender Termin für Nebius an: Das Unternehmen öffnet seine Bücher für das zweite Jahresviertel. Im ersten Quartal hatte das Unternehmen einen Umsatz von 399 Millionen US-Dollar gemeldet, ein Plus von 684 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während das bereinigte EBITDA von einem Verlust von 53,7 Millionen US-Dollar auf einen Gewinn von 129,5 Millionen US-Dollar drehte. Der ausgewiesene Nettogewinn von 621 Millionen US-Dollar war dabei maßgeblich durch einen nicht zahlungswirksamen Bewertungsgewinn auf Aktienbeteiligungen geprägt, während der bereinigte Nettoverlust bei rund 100 Millionen US-Dollar lag.
Nebius hat sein Kapazitätsziel für 2026 auf mehr als 4 Gigawatt angehoben und den Investitionsplan auf bis zu 25 Milliarden US-Dollar erhöht, nach zuvor 16 bis 20 Milliarden US-Dollar. Kernstück ist eine neue KI-Fabrik in Pennsylvania mit bis zu 1,2 Gigawatt Leistung. Der bekannte Investor Michael Burry hat jedoch eine Short-Position gegen Nebius offengelegt und dabei die Verschuldung sowie den hohen Investitionsbedarf als Begründung angeführt.
Der Wettbewerber CoreWeave, ebenfalls im sogenannten Neocloud-Segment aktiv, hatte am Vortag mit starken Zahlen vorgelegt und für das zweite Quartal einen Umsatzanstieg von 112 Prozent auf 2,58 Milliarden US-Dollar vermeldet. Zeitgleich hob das Unternehmen die Jahresprognose für den Umsatz auf 12,4 bis 13,2 Milliarden US-Dollar an. Beobachter werten die CoreWeave-Zahlen häufig als Stimmungsindikator für das Neocloud-Segment, zu dem auch Nebius zählt.
Nun muss auch Nebius liefern. Die Telefonkonferenz, die auf die Bilanzvorlage folgt, dürfte zusätzliche Hinweise zur Umsetzung des erweiterten Vertragsportfolios liefern.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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