Rekordumsatz und Gewinnsprung: Warum fällt die Robinhood-Aktie trotz starker Zahlen?
Robinhood hat im zweiten Quartal einen Rekordumsatz und einen kräftigen Gewinnanstieg erzielt. Dennoch belastete die Schwäche im Kryptogeschäft.
- Robinhood steigert Umsatz im zweiten Quartal auf Rekordwert von 1,31 Milliarden US-Dollar
- Kryptowährungserlöse brechen im Jahresvergleich um 38 Prozent ein
- Einmaleffekt aus Beteiligungsveränderung trägt spürbar zum Gewinnsprung bei
Robinhood hat starke Zahlen präsentiert. Der Neobroker meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatzsprung von 32 Prozent auf 1,31 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die von FactSet erhobene Analystenschätzung von 1,26 Milliarden US-Dollar deutlich. Das war zudem der höchste Quartalsumsatz der Unternehmensgeschichte. Das Ergebnis je Aktie kletterte um 48 Prozent auf 0,62 US-Dollar und lag damit ebenfalls über der FactSet-Konsensschätzung von 0,41 US-Dollar. Dennoch reagierten Anleger verhalten.
Kryptogeschäft bremst die sonst starke Bilanz
Der Dämpfer kommt aus dem Kryptogeschäft: Die entsprechenden Erlöse fielen im Jahresvergleich um 38 Prozent auf 100 Millionen US-Dollar, nach 160 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal. Das Transaktionsgeschäft insgesamt wuchs zwar um 44 Prozent auf 776 Millionen US-Dollar, getragen von Optionen mit einem Plus von 29 Prozent auf 342 Millionen US-Dollar und Prognosemarkt-Kontrakten, deren Erlöse sich mehr als verzehnfachten. Die schwache Kryptosparte reicht jedoch aus, um Zweifel an der Breite des Wachstums zu säen.
Gewinnsprung mit Fragezeichen
Auch der Gewinn wirft Fragen auf. Der Nettogewinn stieg um 48 Prozent auf 573 Millionen US-Dollar, davon entfielen laut Unternehmensangaben 129 Millionen US-Dollar auf einen Einmaleffekt im Zusammenhang mit der Entkonsolidierung des Robinhood Ventures Fund I. Beim Ergebnis je Aktie machte dieser Effekt 0,14 US-Dollar aus, gut ein Fünftel des ausgewiesenen Gewinnsprungs. Anleger dürften den bereinigten Kern des Ergebnisses deshalb kritischer beäugen als die Schlagzeile.
Kosten steigen, Ausblick bleibt vorsichtig
Belastend wirken zudem die Kosten: Die operativen Aufwendungen legten um 33 Prozent auf 734 Millionen US-Dollar zu, getrieben von Marketingausgaben, einmaligen Restrukturierungskosten aus dem im Juni 2026 angekündigten Stellenabbau sowie Ausgaben für die neuen Geschäftsfelder Trump Accounts und Rothera. Für das Gesamtjahr senkte Robinhood die Kostenprognose für die bereinigten operativen Aufwendungen leicht auf eine Spanne von 2,675 bis 2,775 Milliarden US-Dollar, verzichtete aber erneut auf eine konkrete Umsatzprognose, was am Markt als Vorsicht gedeutet wurde.
Aktie gibt nach
Bereits im regulären Handel am Mittwoch hatte die Robinhood-Aktie rund 3,15 Prozent auf 89,84 US-Dollar verloren, ehe sie am Donnerstag um weitere 2,13 Prozent auf 87,95 US-Dollar nachgibt. Die verhaltene Reaktion trotz der auf den ersten Blick starken Zahlen zeigt, wie genau der Markt inzwischen zwischen operativem Kern und Einmaleffekten unterscheidet.
Im Blick behalten dürften Anleger vor allem, ob sich das Kryptogeschäft in den kommenden Quartalen stabilisiert und wie sich die neuen Geschäftsfelder Trump Accounts und Rothera auf die Kostenseite auswirken.
Claudia Stephan, Thomas Zoller, Martina Köhler, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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