Pfandbriefbanken: Nachlassendes Immobilienfinanzierungsgeschäft
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Das Pfandbriefgeschäft ist aus Sicht des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken (VDP) ganzjährig positiv verlaufen, das Immobilienfinanzierungsgeschäft verzeichnete im zweiten Halbjahr im Zuge einer allgemeinen Trendumkehr am Markt aber Rückgänge. "Der Pfandbrief und seine Emittenten haben die zahlreichen aktuellen Belastungsfaktoren einschließlich der jüngsten Verwerfungen an den Finanzmärkten bislang gut gemeistert. Unsere Mitgliedsinstitute zeigen sich damit erneut krisenresistent und agieren weiterhin risikobewusst", stellte VDP-Präsident Georg Reutter fest. Der Pfandbriefmarkt bleibe auch in turbulenten Zeiten liquide.
Mit Blick auf den Immobilienmarkt und die Immobilienfinanzierung in Deutschland betonte Reutter laut dem Verband bei dessen Jahrespressekonferenz in Frankfurt, dass sich diese den vielen gleichzeitig auftretenden Belastungsfaktoren nicht entziehen könnten. Dazu gehörten vor allem der deutliche Zinsanstieg, die spürbar gestiegenen Energie- und Materialkosten, der Fachkräftemangel, schwierige Förderbedingungen für Bauinteressenten und der allgemeine Anstieg der Lebenshaltungskosten. "Die Kombination aus gleich mehreren Belastungsfaktoren hat nun die schon lange erwartete Korrektur der Immobilienpreise eingeleitet und führt zu einer deutlich verhalteneren Kreditnachfrage."
Effekte aus den Bankenturbulenzen im März auf die europäischen Kreditinstitute oder den deutschen Immobilienmarkt seien dagegen kaum auszumachen. "Die Notenbanken und Regierungen in den USA und in der Schweiz haben zügig und entschlossen reagiert und die Lage beruhigt", betonte Reutter. Vergleichbare Szenarien seien für die von der Europäischen Zentralbank beaufsichtigten Institute derzeit nicht vorstellbar. "Der erstrangige Hypothekarkredit und der Pfandbrief hatten nichts mit den jüngsten Turbulenzen zu tun und werden mutmaßlich auch nicht Auslöser etwaiger nächster Krisen sein", meinte der Verbandspräsident.
Mit einem Emissionsvolumen von 82,3 Milliarden Euro nach 64,7 Milliarden Euro im Vorjahr habe der Pfandbriefmarkt im vergangenen Jahr den höchsten Absatz seit 2011 verzeichnet. Als Wachstumstreiber erwies sich laut VDP der Hypothekenpfandbrief, dessen Emissionsvolumen sich um 46,8 Prozent auf 68,1 Milliarden Euro ausgeweitet habe. Der Anteil des Hypothekenpfandbriefs am Absatz 2022 habe sich auf 82,7 Prozent belaufen. Auch im laufenden Jahr seien steigende Absatztätigkeiten zu verzeichnen: Bis Mitte April wurden laut dem Verband bereits großvolumige Pfandbriefe im Volumen von 17,5 Milliarden Euro emittiert, das höchste Absatzvolumen in diesem Zeitraum seit zehn Jahren.
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April 24, 2023 05:46 ET (09:46 GMT)