Buffetts Nachfolger baut um: Doch die Aktien von Chevron, Occidental & Co. lässt Greg Abel unangetastet
Beim Umbau des Portfolios von Berkshire Hathaway bleibt ein Sektor komplett unangetastet, und ausgerechnet der neue Chef kennt ihn besser als jeden anderen.
- Abel reduziert die Position in Apple und baut jene in Alphabet aus
- Energiewerte wie Chevron und Occidental Petroleum bleiben unangetastet
- Zudem übernahm Berkshire die Chemiesparte OxyChem von Occidental
Seit der Amtsübernahme als Vorstandschef von Berkshire Hathaway hat Greg Abel das Aktienportfolio des Konzerns in kurzer Zeit deutlich umgebaut: Er kappte die lange dominante Position in Apple, baute eine neue, große Beteiligung an Alphabet auf und trennte sich von mehr als einem Dutzend kleineren Positionen. Ausgerechnet die Energiewerte blieben von dieser Anpassungswelle jedoch komplett verschont, wie The Motley Fool berichtet.
Berkshire Hathaway-Aktie: Ein Portfolio im Umbau
Der Umbau reicht deutlich über eine einzelne Position hinaus. Apple war über Jahre die größte Einzelposition im Aktienportfolio von Berkshire, wurde unter Abel aber zurückgefahren. Parallel baute er innerhalb kurzer Zeit eine der größten Neupositionen der jüngeren Firmengeschichte auf, eine Beteiligung an Alphabet. Dazu kommt die Trennung von mehr als einem Dutzend kleineren Werten, die im Portfolio offenbar keine strategische Priorität mehr hatten. In der Summe verschiebt sich das Gewicht des Portfolios damit spürbar weg von der bisherigen Konzentration auf Apple und stärker in Richtung einer breiteren, von Abel selbst kuratierten Auswahl.
Chevron und Occidental Petroleum bleiben im Depot unverändert
Auffällig ist die Beständigkeit ausgerechnet dort, wo Abel selbst am tiefsten in der Materie steckt. Chevron gehört mit rund 7 Prozent des Aktienportfolios weiterhin zu den fünf größten Positionen von Berkshire, und von Occidental Petroleum hat die Investmentholding keinen einzigen Anteilsschein verkauft. Stattdessen hat der Konzern die Bindung zu Occidental im laufenden Jahr sogar vertieft und die Übernahme der Chemiesparte OxyChem im Volumen von knapp 10 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Während Apple und Alphabet neu gewichtet wurden, blieb der Energiebereich damit der einzige Teil des Portfolios, der von der großen Umschichtung ausgenommen war. Daneben rückt auch die Versorgungssparte Berkshire Hathaway Energy mehr in den Fokus, die Abel selbst über Jahre zu einem der größten Energieversorger der USA ausgebaut hat.
Künstliche Intelligenz im Blick: Wachsender Strombedarf als möglicher Treiber
Den Hintergrund liefert die steigende Stromnachfrage durch künstliche Intelligenz. Nach Abels eigenen Angaben deckt Berkshire Hathaway Energy inzwischen mit rund der Hälfte ihrer Geschäftsbereiche den Energiebedarf von KI-Anwendungen, in einigen Märkten wachsen Rechenzentren bereits zu einem der größten Lastfaktoren im Netz. Aus dieser Perspektive wirken sowohl die Ölbeteiligungen als auch die Versorgungssparte weniger wie Relikte aus der Ära von Warren Buffett, sondern eher wie eine bewusste Wette auf eine Welt, die deutlich mehr Energie braucht als heute. Wer den Strommarkt der kommenden Jahre so liest, sieht in Chevron und Occidental nicht nur Ölwerte, sondern auch einen wichtigen Baustein für die Energieversorgung der KI-Infrastruktur.
Warum Stillhalten kein Beweis ist
Untätigkeit ist allerdings kein Beweis für eine Strategie. Die Positionen in Chevron und Occidental Petroleum wurden ursprünglich von Warren Buffett aufgebaut, und Abel könnte sie ebenso gut aus Respekt vor dessen Werk oder schlicht aus Vorsicht unangetastet gelassen haben. Ölwerte reagieren zudem stark auf Konjunktur und Geopolitik, und Positionen dieser Größenordnung lassen sich ohnehin nicht kurzfristig verschieben, selbst wenn Abel es wollte. Wer aus dem Verzicht auf Verkäufe bereits eine klare Botschaft herausliest, läuft Gefahr, mehr in die Lücke zu interpretieren, als tatsächlich belegt ist.
Wie belastbar die These ist, dürfte sich an der Kapitalallokation der kommenden Quartale zeigen. Baut Berkshire seine Energiepositionen bei frischem Kapitalzufluss tatsächlich weiter aus, statt sie nur zu halten, wäre das ein deutlich stärkeres Signal als das bloße Stillhalten der vergangenen Monate.
Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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