Hertz-Aktie bricht heftig ein: Ackmans Pershing Square steigt komplett aus
Ein vollständiger Ausstieg von Bill Ackmans Hedgefonds Pershing Square Capital Management hat die Aufwärtsrally der Hertz-Aktie abrupt beendet.
- Pershing Square hat Vertrauen in Hertz verloren
- Kapitalmaßnahme aus Juni gilt als Auslöser des Bruchs
- Hertz-Aktie mit Kehrtwende nach Rally
Die Aktie von Hertz Global, einem der weltweit führenden Anbieter von Autovermietung und Mobilitätslösungen, ist am Donnerstag im NASDAQ-Handel um 16,25 Prozent auf 2,345 US-Dollar eingebrochen und hat damit eine Aufwärtsbewegung beendet, die das Papier zuvor innerhalb weniger Tage um rund 85 Prozent, von 1,51 auf 2,80 US-Dollar, nach oben getrieben hatte. Auch vorbörslich verliert die Hertz-Aktie zeitweise weitere 0,66 Prozent auf 2,35 US-Dollar. Auslöser war die Nachricht, dass der Investmentfonds Pershing Square von Bill Ackman seine gesamte Hertz-Position verkauft hat.
Ackmans Investmentchef erklärt den Ausstieg
Pershing Square-Investmentchef Ryan Israel äußerte sich laut Barron's öffentlich zu dem Schritt und erklärte, der Hedgefonds habe das Vertrauen in das Hertz-Management verloren. Grund sei ein Finanzierungsplan gewesen, den man für nicht notwendig gehalten habe. Pershing habe die aus seiner Sicht relativ kleine Position geschlossen, nachdem Hertz im Juni eine Kapitalmaßnahme über rund 37 Millionen Aktien zu je 2,70 US-Dollar durchgeführt hatte, so Israel. Er bezeichnete diese als verpfuscht und unnötig. Pershing Square erklärte zudem, Hertz habe kurz zuvor solide Zahlen für das erste und zweite Quartal bei starker Liquidität vorgelegt, was den Aktienverkauf zu schlechten Konditionen aus Sicht des Fonds unerklärlich mache. Der Vertrauensverlust betreffe jedoch vor allem die Kapitalallokations-Fähigkeiten des Managements, das operative Team schätze man weiterhin.
Pershing Square hielt zum 31. März noch einen Anteil von 4,3 Prozent an Hertz, nachdem der Fonds zuvor bis zu 19,8 Prozent gehalten hatte. Nun teilte Pershing Square mit, man habe die Hertz-Position vollständig verkauft.
Durch Quartalszahlen und Short-Squeeze ausgelöste Rally bei Hertz-Aktie beendet
Der Kursrutsch der Hertz-Aktie vom Donnerstag beendete eine kräftige Erholungsphase: Seit dem Zwischentief bei 1,51 US-Dollar am 4. August hatte die Hertz-Aktie bis zum Schlusskurs vom 12. August über sechs Handelstage rund 85 Prozent zugelegt. Den Großteil dieser Bewegung löste die Vorlage der Zweitquartalszahlen am 6. August aus, die einen geringeren Verlust als erwartet zeigten. Der Umsatz stieg um 10 Prozent auf 2,40 Milliarden US-Dollar, das bereinigte Konzern-EBITDA erreichte 81 Millionen US-Dollar und übertraf damit die obere Spanne der eigenen Prognose. Die Liquidität lag zum Quartalsende bei rund 984 Millionen US-Dollar. Der bereinigte Verlust je Aktie fiel mit minus 0,11 US-Dollar deutlich geringer aus als der Konsens von minus 0,24 US-Dollar. Hinzu kam jedoch auch ein struktureller Faktor: So lag der Anteil der leerverkauften Hertz-Aktien am Streubesitz zeitweise bei rund 60 Prozent, bei einer Eindeckungsdauer von gut einem Handelstag. Durch den starken Kursanstieg dürften Leerverkäufer unter Druck geraten zu sein, ihre Positionen durch Rückkäufe zu schließen, was den Anstieg zusätzlich beschleunigt haben dürfte.
Belastungsfaktoren für die Hertz-Aktie bleiben
Parallel zur umstrittenen Aktienplatzierung generierte die operative Tochtergesellschaft von Hertz 350 Millionen US-Dollar über besicherte Exchangeable Notes mit einem Zins von 6,75 Prozent und Fälligkeit im Jahr 2030. Die Erlöse sollen der Rückführung der revolvierenden Kreditlinie sowie allgemeinen Unternehmenszwecken dienen. Aus der Aktienplatzierung selbst erhielt Hertz keine direkten Erlöse abgesehen von einer geringen Leihgebühr.
Zusätzlichen Druck erzeugt zudem eine Wertpapier-Sammelklage: Klägeranwälte werfen Hertz vor, Liquiditätsprobleme und die Schwäche des Gebrauchtwagenmarkts verschwiegen zu haben. Nach der verwässernden Kapitalerhöhung war die Aktie bereits am 24. Juni um mehr als 40 Prozent auf 3 US-Dollar gefallen. Die Frist für einen Antrag als Hauptkläger läuft bis zum 22. September.
Wie das Management auf den öffentlich geäußerten Vertrauensverlust reagiert und wie sich die Liquiditätslage in den kommenden Quartalen entwickelt, bleibt ein Beobachtungspunkt. Die laufende Sammelklage bleibt ein weiterer Beobachtungspunkt für Anleger.
Carolin Ludwig, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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