Regierung plant neue Raumfahrtstrategie


Von Andreas Kißler

BERLIN (Dow Jones)--Die Bundesregierung plant für kommendes Jahr eine neue nationale Raumfahrtstrategie, die sich auch verstärkt an Akteure aus der Privatwirtschaft in dem bisher vornehmlich staatlich geprägten Sektor richten soll. "Gerade in diesen schwierigen Zeiten ist es ganz essentiell, dass wir jetzt auch die Weichen stellen für die Zukunftsthemen, die mitentscheidend dafür sein werden, wie wir aus dieser Krise herauskommen", sagte die Koordinatorin der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, Anna Christmann (Grüne), bei einem Pressegespräch anlässlich der Auftaktveranstaltung zu der neuen Strategie. Raumfahrt sei ein entscheidendes Thema. "Nach zehn Jahren ist es an der Zeit, eine neue Raumfahrtstrategie aufzulegen", betonte sie.

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Nachdem die alte Weltraumstrategie in einer Zeit entstanden sei, in der Raumfahrt beinahe ausschließlich staatlich getrieben gewesen sei, sei man jetzt in einer vollkommen anderen Situation. "Wir haben immer mehr Nationen, die Raumfahrt betreiben, wir haben aber auch immer mehr private Akteure, die als eigenständige Raumfahrtakteure auftreten", betonte Christmann. Es sei Aufgabe der neuen Strategie, "diese Trends jetzt auch in Politik zu übersetzen". Es gelte, einerseits weiterhin eine starke Rolle des Staates zu sichern, andererseits aber auch die Potenziale des privaten Sektors zu heben. "Nur, wenn uns beides zusammen gelingt, können wir auch eine aktive Rolle spielen, und das muss das Ziel einer neuen Raumfahrtstrategie sein."

Das Bundeswirtschaftsministerium stellte in einem Impulspapier für die Konferenz sechs Handlungsfelder ins Zentrum: Begrenzung der Klimakrise, Raumfahrt als Wachstumsmarkt, Internationale Weltraumforschung, Nachhaltigkeit im All, Sicherheit und Zukunftstechnologien. "Deutschland muss sich in seiner neuen Raumfahrtstrategie ambitionierte Ziele setzen, für die jetzt die Weichen richtig gestellt werden müssen", heißt es darin. Kurzfristig müsse man dafür sorgen, dass die Raumfahrt bestmöglich zur Bewältigung der Klimakrise und anderer gesamtgesellschaftlicher Herausforderungen beitrage.

Gleichzeitig müsse aber die Voraussetzung dafür geschaffen werden, "dass sich die deutsche Industrie im New-Space-Markt platzieren kann". Stichworte seien Kleinsatelliten, Mikrolauncher und die öffentliche Hand als Ankerkunde für Datenservices. Mittelfristig müssten die europäischen Raumfahrtstrukturen noch effizienter werden, unter anderem müssten die Rollen von Europäischer Weltraumorganisation (ESA) und EU in der Raumfahrt eindeutig geklärt werden. "Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen wir heute festlegen, welche Rolle Deutschland in der Exploration des Weltalls spielen kann und will: Was geschieht nach dem Ende der Internationalen Raumstation ISS, wie beteiligen wir uns am US-amerikanischen Artemis-Programm?", so das Papier weiter.