HSBC: KI-Boom bleibt intakt - Sektorrotation nur "Gewinnmitnahme", kein Vertrauensverlust
Trotz jüngster Marktturbulenzen rund um KI-Aktien sieht HSBC in ihrem August-Investment-Monthly keinen Bruch im KI-Narrativ.
• HSBC bewertet die Rotation aus Halbleiter- in Hyperscaler- und Software-Aktien als Repositionierung
• Die Bank erwartet für 2026 ein US-Gewinnwachstum von 24 Prozent im Jahresvergleich
• Neben dem KI-Thema beleuchtet der Bericht auch geopolitische Risiken sowie die wirtschaftspolitische Agenda des neuen britischen Premierministers Andy Burnham
Rotation als Gewinnmitnahme, nicht als Warnsignal
Laut HSBC haben Sorgen vor einer möglichen Überinvestition der Hyperscaler in KI-Infrastruktur zu einer spürbaren Umschichtung geführt: Kapital sei aus Halbleiterwerten abgezogen und in Hyperscaler- sowie Softwareaktien investiert worden. Die Bank betont jedoch, dass sie diese Bewegung als Gewinnmitnahme und Neupositionierung interpretiere, nicht als Vertrauensverlust in das grundlegende KI-Thema. Man erwarte, dass Volatilität und Rotation an den Märkten weiter anhalten würden, während Anleger die Chancen und Auswirkungen der KI-Entwicklung fortlaufend neu bewerteten.
Als Beleg für die anhaltende Dynamik führt HSBC das exponentielle Wachstum der globalen KI-Inferenz-Nachfrage an, gemessen in Billionen verarbeiteter Tokens pro Tag. Dieser Wert habe sich von nahe null Mitte 2024 auf über 400 Billionen Tokens im Frühjahr 2026 erhöht.
Breit angelegtes Gewinnwachstum erwartet
Die Bank rechnet für das laufende Jahr mit einem US-Gewinnwachstum von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wobei sich die KI-getriebene Ertragsdynamik zunehmend über den Technologiesektor hinaus ausdehne. Erste Ergebnisse für das zweite Quartal seien ermutigend ausgefallen, insbesondere in den Sektoren Energie, IT und Materials. Bewertungen seien inzwischen ausgeglichener als noch zu Jahresbeginn.
HSBC hält an einer Übergewichtung im IT-Sektor fest, begründet dies aber ausdrücklich mit dem langfristigen KI-Trend, nicht mit kurzfristigem Momentum. Um nicht von plötzlichen Verschiebungen in der Marktstimmung überrascht zu werden, empfiehlt die Bank, Engagements über das gesamte KI-Ökosystem hinweg zu streuen, statt sich auf einzelne Teilbereiche wie Halbleiter oder Hyperscaler zu konzentrieren.
Geopolitik und Zinspolitik als zusätzliche Belastungsfaktoren
Neben dem KI-Thema verweist HSBC auf anhaltende geopolitische Spannungen im Nahen Osten, die zuletzt zu höheren Ölpreisen geführt hätten, auch wenn sich die Lage nach einer Pause der US-Angriffe auf den Iran etwas beruhigt habe. Die Bank geht nicht davon aus, dass dies zu breit angelegten Abwärtskorrekturen bei den globalen Gewinnerwartungen führen wird, da das makroökonomische Umfeld weiterhin unterstützend wirke.
An den Anleihemärkten verweist HSBC auf ein Zusammenspiel aus der fragilen Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran, den stark steigenden KI-Investitionen sowie einer restriktiveren Fed unter dem neuen Vorsitzenden Warsh. Die Bank bevorzugt weiterhin Investment-Grade-Anleihen gegenüber Staatsanleihen und verweist auf ein Rekordvolumen neuer US-Investment-Grade-Emissionen von 1,2 Billionen US-Dollar im ersten Halbjahr - ein gutes Stück davon laut HSBC zur Finanzierung von KI-Kapitalausgaben durch Technologieunternehmen.
Neuer britischer Premierminister sorgt für Unsicherheit
Ein weiterer Schwerpunkt des Berichts betrifft die politische Neuausrichtung in Großbritannien. Der neue Premierminister Andy Burnham verfolge ein "neues Wirtschaftsmodell", das niedrigere Lebenshaltungskosten, eine Dezentralisierung politischer Entscheidungen sowie höhere öffentliche Investitionen vorsehe. HSBC zufolge signalisieren Burnhams Aussagen zu mehr Flexibilität bei Staatsverschuldung und -ausgaben eine potenziell expansivere Fiskalpolitik, was die Renditen britischer Staatsanleihen (Gilts) über die gesamte Laufzeitkurve steigen lasse. Auch das Pfund habe an Wert verloren, da Anleger eine höhere Risikoprämie für das Halten britischer Anleihen verlangten.
Markus Maier, Redaktion finanzen.net
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