Rüstungsaktien gesucht: TKMS springt Richtung Rekordhoch - Rheinmetall, HENSOLDT und RENK im Blick
Ein Analystenhaus traut TKMS ein Kursziel von 125 Euro zu, mit Rheinmetall, HENSOLDT & Co. zeigt sich der Rüstungssektor jedoch gespalten.
- Rheinmetall führte vorübergehend den DAX an einem starken Tag für Rüstungswerte an
- Analystenhaus hebt TKMS auf Outperform und traut der Aktie deutlich mehr zu
- TKMS nähert sich der Rekordmarke vom Börsengang
Getragen von einem insgesamt freundlichen Umfeld für deutsche Rüstungsaktien ist Rheinmetall heute vorübergehend zum Spitzenreiter im DAX aufgestiegen, fiel letztlich aber zurück. Treiber der Sektor-Rally war erneut TKMS, das nach einer Hochstufung durch Bernstein Research einen weiteren Kurssprung verzeichnete und sich damit seinem Rekordhoch vom ersten Handelstag im Oktober 2025 bei 107,00 Euro näherte.
Rheinmetall führt die Rüstungsrally an
Rheinmetall, europäischer Rüstungs- und Technologiekonzern und einer der größten Profiteure der europäischen Aufrüstung seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022, profitierte zeitweise von der insgesamt guten Stimmung im Rüstungssektor. Das Unternehmen hatte Anfang August zwar seine Umsatzprognose für 2026 auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro gesenkt, nachdem die Bundesregierung das Fregattenprogramm F126 gestrichen hatte, zuvor waren 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden. Am Marineziel von 5 Milliarden Euro Jahresumsatz bis 2030 hielt der Konzern jedoch fest. Einen Tag später bekräftigte Vorstandschef Armin Papperger die Erwartung eines milliardenschweren Boxer-Vertrags mit der Bundeswehr bis Jahresende, dessen Rheinmetall-Anteil bei 12,4 Milliarden Euro liegen soll, sowie erste Umsätze aus der gemeinsamen ATACMS-Produktion mit Lockheed Martin ab 2028.
Am Kapitalmarkt bleibt die Einschätzung zu Rheinmetall überwiegend positiv. Von 15 erfassten Analysten votieren 14 für Buy und einer für Hold, das mittlere Kursziel liegt bei 1.717,29 Euro. Die Deutsche Bank stufte die Aktie am 7. August mit Buy und einem Kursziel von 1.800 Euro ein, während J.P. Morgan am 6. August bei Hold und einem Ziel von 1.350 Euro blieb. RBC Capital sah die Aktie am 11. August bei Buy mit einem Kursziel von 1.600 Euro, Warburg Research folgte einen Tag zuvor mit ebenfalls Buy und einem Ziel von 1.500 Euro.
TKMS nach Bernstein-Hochstufung im Höhenflug
Die TKMS-Aktie, der Marineschiffbau- und U-Boot-Spezialist des thyssenkrupp-Konzerns, setzte ihre Vortagsrally mit einem weiteren Kurssprung fort. Auslöser war die heute bekanntgegebene Hochstufung durch Bernstein Research von zuvor Market-Perform auf Outperform, verbunden mit einer deutlichen Anhebung des Kursziels von 76 auf 125 Euro. Analyst Adrien Rabier begründete den Schritt mit der Erwartung kräftig steigender Markterwartungen, sobald sich die jüngste Auftragswelle im Analystenkonsens niederschlage, und rechnet im kommenden Quartal zudem mit einem Update der TKMS-Mittelfristziele. Bereits am Vortag hatte MWB Research mit 140 Euro ein noch höheres Kursziel gesetzt.
Fundamentalen Rückenwind lieferte der Quartalsbericht vom Vortag: In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 stieg der Umsatz um 19 Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro, das bereinigte Ebit legte von 98 auf 110 Millionen Euro zu. TKMS hob daraufhin die Jahresprognose an, der Umsatz soll nun um 10 bis 12 statt zuvor 2 bis 5 Prozent wachsen, die bereinigte Ebit-Marge soll bis zu 6,5 Prozent statt zuvor über 6 Prozent erreichen. Der Auftragsbestand lag Ende Juni 2026 bei rund 20 Milliarden Euro, hinzu kommt der nach Quartalsende unterzeichnete Vertrag über vier plus Option auf vier weitere Fregatten für die Deutsche Marine, der größte Überwasser-Auftrag der Unternehmensgeschichte. Zudem gilt TKMS als bevorzugter Bieter für bis zu zwölf U-Boote im kanadischen U-Boot-Programm mit einem Bootvolumen von über 15 Milliarden Euro, einen finalen Vertrag erhoffe sich Konzernchef Burkhardt bis Jahresende.
Rüstungs-Aktien im Blick
Letztlich gewann das TKMS-Papier im XETRA-Handel 10,19 Prozent auf 103,80 Euro, das Tageshoch lag bei 105,40 Euro. Rheinmetall fielen derweil um 0,31 Prozent auf 1.164,60 Euro.
HENSOLDT und RENK, als weitere börsennotierte deutsche Rüstungswerte regelmäßig Teil solcher Sektor-Sympathiebewegungen, verzeichneten unterschiedle Bewegungen. Für HENSOLDT ging es um 0,33 Prozent auf 92,42 Euro nach oben bzw. um 0,44 Prozent auf 50,02 Euro abwärts.
Ob sich die Dynamik im Rüstungssektor fortsetzt, dürfte auch davon abhängen, wie sich die von Rabier erwartete Aktualisierung der TKMS-Mittelfristziele konkretisiert und ob der angekündigte Boxer-Vertrag zwischen Rheinmetall und der Bundeswehr tatsächlich zustande kommt.
Thomas Zoller, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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