RWI erhöht deutsche BIP-Prognose 2023 von minus 0,1 auf plus 0,2 Prozent


Von Andreas Kißler

BERLIN (Dow Jones)--Das RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung erhöht seine Prognose für die deutsche Konjunkturentwicklung im Jahr 2023 und erwartet nun ein Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent. Bisher hatten die Essener Ökonomen mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 0,1 Prozent gerechnet. Für 2024 erwartet das RWI jetzt 1,8 statt 1,9 Prozent. Zwar werde sich die deutsche Wirtschaft wohl in diesem Jahr von den Folgen des Energiepreisschocks erholen. Die Erholung dürfte durch die hohen Energiepreise und den damit verbundenen Kaufkraftentzug aber schwach bleiben, erklärte das Institut.

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"Die konjunkturelle Erholung hängt davon ab, dass sich Unternehmen und Haushalte auf höhere Energiekosten einstellen", erklärte RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt. "Dazu ist es notwendig, dass der Gasverbrauch weiter reduziert wird. Damit das nicht mit einer weiteren Verlagerung von Produktion ins Ausland einhergeht, müssen innovative Lösungen stärker gefördert werden." Die anhaltend hohe Inflation belaste zusammen mit noch steigenden Zinsen vor allem die Binnennachfrage. Erst im nächsten Jahr sei im Zuge steigender Realeinkommen zu erwarten, dass insbesondere der private Konsum wieder stärker anziehe. Dann sei zu erwarten, dass die Energiepreise für die Verbraucher deutlicher sinken.

Die Inflation dürfte in diesem Jahr 5,5 Prozent betragen und im nächsten auf 2,2 Prozent zurückgehen. Zwar seien die Preise im Februar dieses Jahres noch um 8,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen, allerdings dürfte insbesondere die Gas- und Strompreisbremse der Bundesregierung dafür sorgen, dass die Inflationsrate in den kommenden Monaten allmählich sinke.

Der Arbeitsmarkt erweise sich weiterhin als robust, für die weitere Entwicklung deuteten die Arbeitsmarktindikatoren allerdings auf eine Stagnation und damit auf ein Ende des deutlichen Beschäftigungsanstiegs hin. Die Arbeitslosenquote dürfte 5,4 Prozent in diesem und 5,2 Prozent im nächsten Jahr betragen, die Zahl der Arbeitslosen 2023 bei 2,505 Millionen und 2024 bei 2,413 Millionen liegen.

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Das RWI erwartet für das laufende Jahr zudem ein staatliches Budgetdefizit von 70 Milliarden Euro und für 2024 ein Defizit von knapp 58 Milliarden Euro. Durch Steuersenkungen, etwa durch das Inflationsausgleichsgesetz, stiegen die Steuereinnahmen dieses Jahr zwar weniger stark als das nominale BIP. Die Staatsausgaben stiegen jedoch auch weniger stark an, weil im Jahr 2022 erfolgte Zahlungen wegfielen, die Unternehmen und Privathaushalte im Zuge der hohen Energiepreise erhalten hätten. Im Jahr 2024 werden die Staatsausgaben nach den Berechnungen des RWI nur moderat zulegen, weil Sondereffekte wie die Gas- und Strompreisbremsen entfallen.

Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com

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March 16, 2023 06:43 ET (10:43 GMT)