Rentokil-Aktie kräftig unter Druck: Das US-Geschäft wird zum Problemfall
Rentokil liefert im ersten Halbjahr 2026 solide Zahlen, doch eine Warnung zum wichtigen Nordamerika-Geschäft belastet die Aktie massiv.
- Rentokil-Aktie bricht nach Vorlage der Halbjahreszahlen 2026 zweistellig ein
- Konzernchef warnt vor Nachfrageschwäche im US-Privatkundengeschäft der Schädlingsbekämpfung
- Margenziel für Nordamerika wird aufgegeben, zusätzliche Rückstellung für Termitenschäden belastet
Die Rentokil-Aktie bricht am Donnerstag im Londoner Handel massiv ein: Das Papier rutscht zeitweise um rund 18 Prozent auf 364 Pence. Auslöser sind die Halbjahreszahlen 2026, die auf den ersten Blick solide ausfallen: Der Umsatz stieg um 6,7 Prozent auf 3.589 Millionen US-Dollar, das bereinigte Betriebsergebnis um 8,8 Prozent auf 556 Millionen US-Dollar. Der eigentliche Schock steckt jedoch im Ausblick auf das für Rentokil wichtigste Geschäft: die Schädlingsbekämpfung in Nordamerika.
Warnung vor schwächerer US-Nachfrage
Konzernchef Mike Duffy räumte in der Mitteilung ein, dass sich die Nachfrage im US-Privatkundengeschäft zuletzt abgeschwächt habe. Das Unternehmen stellte fest, dass gegen Ende des zweiten Quartals und im Juli eine gewisse Schwäche beim Auftragseingang im nordamerikanischen Residential-Geschäft zu beobachten war. Das organische Umsatzwachstum in der nordamerikanischen Schädlingsbekämpfung verlangsamte sich im zweiten Quartal bereits auf 2,4 Prozent, nach 2,8 Prozent im ersten Quartal.
Margenziel gekippt, Rückstellung erhöht
Zusätzlich strich Rentokil ein zuvor gesetztes Ziel: Die Marge im Nordamerika-Geschäft sollte bis 2027 auf über 20 Prozent steigen. Dieses Ziel gab der Konzern nun auf, um stattdessen stärker in Wachstum zu investieren.
Auch eine zusätzliche Rückstellung von 47 Millionen US-Dollar für Termitenschäden-Ansprüche, die den Gesamtbestand auf 392 Millionen US-Dollar erhöhte, belastete die Stimmung.
Zahlen nahe an den Erwartungen
Die Kennzahlen selbst lagen nahe an den Schätzungen, die die Deutsche Bank laut Proactive Investors im Vorfeld veröffentlicht hatte: Die Analysten hatten einen Halbjahresumsatz von 3,53 Milliarden US-Dollar und ein operatives Ergebnis von 562 Millionen US-Dollar prognostiziert. Beim Umsatz übertraf Rentokil diese Schätzung leicht, beim bereinigten Betriebsergebnis blieb der Konzern mit 556 Millionen US-Dollar knapp darunter.
Rentokil-Aktie: Bilanz verbessert sich weiter
Positiv fiel dagegen die Bilanzentwicklung aus: Der freie Cashflow stieg um 12,8 Prozent auf 318 Millionen US-Dollar. Die Netto-Verschuldung sank auf das 2,4-fache des bereinigten EBITDA und liegt damit erstmals seit der Übernahme von Terminix wieder innerhalb der selbst gesteckten Zielspanne von 2,0 bis 2,5.
Im Blick behalten dürften Anleger, ob sich die Nachfrageschwäche im US-Privatkundengeschäft in den kommenden Monaten fortsetzt oder ob es sich um einen vorübergehenden Dämpfer handelt, wie ihn Rentokil selbst in Aussicht stellt.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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