Amazon-Aktie vor den Zahlen: Warum CEO Andy Jassy lieber zu viel als zu wenig in KI investiert
Amazon nimmt binnen weniger Monate rund 89 Milliarden US-Dollar an neuen Schulden auf, mehr als jeder Wettbewerber in der Branche.
- Amazon nahm im Juli über eine Anleihe weitere 25 Milliarden US-Dollar auf
- Die Kapitalausgaben für das laufende Jahr sollen auf rund 200 Milliarden US-Dollar steigen
- Auch Meta und Alphabet erhöhten ihre KI-Budgets zuletzt deutlich
Amazon hat seit Jahresbeginn rund 89 Milliarden US-Dollar an frischem Fremdkapital aufgenommen. Allein Anfang Juli platzierte der Konzern über eine achtteilige Anleihe weitere 25 Milliarden US-Dollar. Das Geld soll vor allem den Ausbau der KI-Rechenzentren finanzieren. Für das laufende Jahr plant Amazon Kapitalausgaben von rund 200 Milliarden US-Dollar, rund 53 Prozent mehr als die 131 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Nach Unternehmensangaben sind für den Rest des Jahres keine weiteren Anleiheemissionen vorgesehen.
Rekordfinanzierung für den KI-Ausbau
Es handelt sich bereits um die dritte größere Anleiheplatzierung des Konzerns im laufenden Jahr. Nach Emissionen über rund 54 Milliarden US-Dollar in US-Dollar- und Euro-Anleihen im ersten Halbjahr sowie rund 10 Milliarden US-Dollar in kanadischen Dollar im Juni folgte nun die Juli-Emission mit acht Laufzeiten zwischen drei und 40 Jahren.
Im Gegensatz zur stark überzeichneten Emission im März fiel die Nachfrage diesmal etwas geringer aus. Sie lag zunächst bei rund 62 Milliarden US-Dollar und reduzierte sich nach der Preisfestsetzung auf etwa 41 Milliarden US-Dollar. Damit war die Emission aber immer noch rund 1,6-fach überzeichnet.
Der Wettlauf um Milliardeninvestitionen in KI
Mit seinen Investitionen steht Amazon nicht allein. Alphabet erhöhte seine Prognose für die Kapitalausgaben zuletzt auf 195 bis 205 Milliarden US-Dollar, nachdem zuvor 180 bis 190 Milliarden US-Dollar geplant waren. Meta Platforms hob seine Investitionsplanung bereits Ende April auf 125 bis 145 Milliarden US-Dollar an, nachdem zuvor 115 bis 135 Milliarden US-Dollar vorgesehen waren.
Nach Berechnungen von Reuters summieren sich die geplanten KI-Investitionen von Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta im Jahr 2026 inzwischen auf mehr als 700 Milliarden US-Dollar.
Andy Jassy setzt auf langfristiges KI-Wachstum
Amazon-Chef Andy Jassy hatte die Investitionsoffensive bereits Anfang April in seinem Aktionärsbrief begründet. Die geplanten Ausgaben von rund 200 Milliarden US-Dollar seien keine kurzfristige Entscheidung, sondern würden durch die stark wachsende Nachfrage nach KI-Infrastruktur getragen. Als wichtigen Baustein nannte er unter anderem eine Zusage von OpenAI über mehr als 100 Milliarden US-Dollar, die einen erheblichen Teil der geplanten Investitionen absichern solle.
Am Markt wächst dennoch die Sorge, dass sich die milliardenschweren Investitionen erst nach Jahren auszahlen könnten oder sich bei einem nachlassenden KI-Boom als Belastung für die Profitabilität erweisen. Als Beispiel für die Risiken technologischer Fehleinschätzungen wird häufig die frühere Videothekenkette Blockbuster genannt, die im Jahr 2000 ein Übernahmeangebot von Netflix über 50 Millionen US-Dollar ablehnte und zehn Jahre später Insolvenz anmeldete.
Quartalszahlen rücken in den Fokus
Ob sich Amazons milliardenschwere Investitionen bereits auszahlen, dürfte sich mit den Quartalszahlen am Donnerstag genauer zeigen. Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere die Entwicklung der Cloud-Sparte Amazon Web Services. Sollte sich das Wachstum dort spürbar abschwächen, könnten die hohen Investitionen stärker auf die Margen drücken als bislang erwartet.
Amazon-Aktie vor Zahlen
Im NASDAQ-Handel zeigt sich die Amazon-Aktie am Mittwoch 1,3 Prozent schwächer bei 227,87 US-Dollar. Viele Anleger dürften vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen zunächst abwarten.
Benedict Kurschat, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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