Sentix-Konjunkturindex Deutschland auf höchstem Stand seit Juni
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Investoren in Deutschland sind Anfang Dezember deutlich optimistischer als zuvor hinsichtlich der aktuellen Lage der deutschen und der Euroraum-Wirtschaft und ihren Perspektiven. Der von dem Beratungsunternehmen Sentix erhobene Konjunkturindex für Deutschland stieg ebenso wie der des Euroraums auf den höchsten Stand seit Juni. Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner sprach in einer Mitteilung von einer Überraschung und konstatierte: "Die Anleger hoffen auf eine konjunkturelle Wende."
Der Sentix-Konjunkturindex für Deutschland erhöhte sich auf minus 20,3 (November: minus 30,0), den höchsten Stand seit Juni dieses Jahres. Der Index der aktuellen Lage stieg auf minus 18,3 (minus 28,0) und der Index der Erwartungen auf minus 22,3 (minus 32,0) Punkte. Das war das höchste Niveau seit März. "In Deutschland keimt die Hoffnung auf, dass eine schwere Rezession verhindert werden kann", schreibt Hübner. Mit Blick auf Gasfüllstände und Gasverbrauch von Haushalten und Industrie verstärke sich die Hoffnung, dass eine katastrophale Gasmangellage verhindert werden könne.
Nach Hübners Meinung ist es aber noch zu früh, um Entwarnung zu geben. "Zum einen wird es meist erst ab dem Jahreswechsel so richtig kalt. Zum anderen spüren die Verbraucher vor allem ab Januar die volle Härte der hohen Energiepreise", argumentiert er. Die Frage einer Rezession ist seiner Ansicht nach noch nicht entschieden.
Der Euroraum-Konjunkturindex kletterte auf minus 21,0 (minus 30,9) Punkte, wobei der Lageindex auf minus 20,0 (minus 29,5) anzog und der Erwartungsindex auf minus 22,0 (minus 32,3) Punkte. "Liegt also ein wichtiger konjunktureller Wendepunkt vor, der die Rezessionsgefahr nachhaltig verbannt?", fragt Hübner. Zumindest sei ein gleichzeitiger Anstieg von Lage- und Erwartungswerten ungewöhnlich und deute darauf hin, dass die Anleger in ihren Einschätzungen emotional übertrieben hätten und nun diese kurzfristig überzogene Haltung korrigierten.
"Die überraschend hohen Gasfüllstände und die weiter stabilen Arbeitsmärkte passen nicht zu einer Rezession", räumt Hübner ein. Diese Korrektur in den Einschätzungen sollte jedoch nicht als generelle Trendwende fehlinterpretiert werden. "Die Rezessionsgefahren sind nämlich keineswegs gebannt."