SpaceX-Aktie: Mondeinschlag als Sinnbild für Kurseinbruch - Analysten bleiben optimistisch
Ein vier Tonnen schweres Raketenteil schlägt auf dem Mond ein, tags zuvor bricht die SpaceX-Aktie deutlich ein.
- SpaceX-Umsatz stieg im zweiten Quartal 2026 um 92 Prozent auf 7,8 Milliarden US-Dollar
- Investitionsausgaben erreichten 18,37 Milliarden US-Dollar, davon 15,83 Milliarden für KI
- Goldman Sachs hob Kursziel auf 220 US-Dollar an, RBC Capital 225 US-Dollar bestätigt
Ein rund vier Tonnen schweres Teil einer SpaceX-Falcon-9-Rakete ist am Mittwoch auf dem Mond eingeschlagen, kurz nachdem SpaceX seine erste Quartalsbilanz als börsennotiertes Unternehmen vorgelegt hatte. Analysten sehen in dem Timing ein Sinnbild für die Kursentwicklung der SpaceX-Aktie, die trotz eines Umsatzplus von 92 Prozent unter dem Gewicht explodierender Investitionsausgaben einbrach. Tags darauf trat zusätzlich die erste Lockup-Freigabe in Kraft.
Zahlen übertreffen Erwartungen, SpaceX-Aktie bricht trotzdem ein
SpaceX, das Raumfahrt-, Satelliteninternet- und mittlerweile auch KI-Unternehmen von Elon Musk, hat in dieser Woche erstmals als börsennotiertes Unternehmen seine Bücher geöffnet. Für das zweite Quartal 2026 meldete SpaceX einen Umsatz von 7,8 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 92 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich über der Konsensschätzung von 6,93 Milliarden US-Dollar. Der Nettoverlust lag bei 541 Millionen US-Dollar, das bereinigte EBITDA bei 3,5 Milliarden US-Dollar. Im Segment Starlink stieg der Umsatz um 66 Prozent auf 4,29 Milliarden US-Dollar. Die Abonnentenzahl verdoppelte sich auf 12,0 Millionen, der Umsatz je Nutzer blieb bei 66 US-Dollar stabil. Das KI-Segment wuchs um 247 Prozent auf 2,56 Milliarden US-Dollar.
Trotz dieser Zahlen rutschte die SpaceX-Aktie deutlich ab. Als Belastungsfaktor gilt vor allem der massive Anstieg der Investitionsausgaben auf 18,37 Milliarden US-Dollar, davon 15,83 Milliarden US-Dollar allein für Künstliche Intelligenz. Chris Beauchamp, Chefmarktanalyst beim Broker IG, ordnete den Mondeinschlag als treffendes Bild für die Aktie ein: Der Vorfall sei "wahrscheinlich eine gute Metapher für die bisherige Aktienkursentwicklung", wird der Experte bei CNBC zitiert. Russ Mould, Investmentdirektor beim Finanzdienstleister AJ Bell, nannte die zeitliche Nähe von Quartalsbericht und Einschlag "fast schon zu offensichtlich".
Lockup-Ende und fehlender Cashflow als Risiko
Am Donnerstag trat die erste gestaffelte Lockup-Freigabe von SpaceX in Kraft: Bis zu 20 Prozent der gesperrten Aktien konnten ab diesem Tag verkauft werden, mehr als 900 Millionen Papiere kamen zusätzlich zum Handel frei und verdoppelten damit das öffentlich verfügbare Angebot. Nicolas Owens, Analyst beim Finanzdatenunternehmen Morningstar, rechnet damit, dass ein Großteil dieser Aktien tatsächlich an den Markt kommt, da frühe Investoren niedrige Einstandskurse hätten; ein Teil des Kursrückgangs könnte diese Verwässerung bereits vorweggenommen haben.
Mould verweist zudem auf einen strukturellen Unterschied zu anderen Großinvestoren im KI-Bereich: SpaceX erzeuge bislang keinen nennenswerten operativen Cashflow, was die Reaktion auf die hohen Ausgaben verschärft habe. Starlink bleibe zwar der einzige profitable Unternehmensteil und laufe laut Beauchamp "offensichtlich auf einem guten Weg", doch brauche es einen klareren Pfad zur Profitabilität für die Gesamtgruppe. Goldman Sachs bestätigte am unterdessen die Einstufung "Buy" und hob das Kursziel von 205 auf 220 US-Dollar an. RBC Capital Markets beließ die Einstufung "Outperform" bei einem Kursziel von 225 US-Dollar. Bernstein Research kalkuliert mit einem Kursziel von 239,00 US-Dollar.
Ob sich die Verwässerung aus der Lockup-Freigabe in den kommenden Wochen weiter im Kurs niederschlägt, dürfte sich an der Handelsaktivität der freigegebenen Aktien zeigen. Parallel bleibt im Blick, wie schnell SpaceX aus dem KI-Segment und Starlink einen klareren Weg zu einem positiven operativen Cashflow aufzeigen kann.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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