Stabilisierung

ASML-Aktie fängt sich: Warum die China-Sorgen an Wucht verlieren


ASML-Aktie fängt sich: Warum die China-Sorgen an Wucht verlieren

Nach dem Kursrutsch der vergangenen Tage dreht die ASML-Aktie ins Plus. Warum die Sorgen vor Konkurrenz aus China wieder abebben.

  • ASML-Aktie erholt sich am Mittwoch von den Vortagesverlusten
  • Zuvor hatte ein Bericht über chinesische DUV-Technik die Aktie belastet
  • Starke Quartalszahlen und die EUV-Technologieführerschaft stützen die Erholung
Werbung

Nach zwei schwarzen Handelstagen fängt sich die ASML-Aktie und klettert an der EURONEXT Amsterdam zeitweise um 0,52 Prozent auf 1.395,60 Euro. Damit macht der niederländische Chipausrüster einen Teil der Verluste wett, die ihm ein Bericht über eigene Lithografie-Anlagen aus China seit Wochenbeginn eingebrockt hatte. Die Sorge, wonach Peking sich beim Bau von Chipmaschinen unabhängiger von ASML machen könnte, erfasste zunächst die gesamte Branche. Am Mittwoch überwiegt jedoch die Einschätzung, dass die Reaktion der vergangenen Tage über das Ziel hinausgeschossen war.

Der Auslöser: eine Kopie aus China

Ausgelöst hatte den Ausverkauf ein Bericht des US-Fachmagazins "The Information". Demzufolge habe ein staatlich unterstütztes Unternehmen aus China mit der Serienproduktion eigener Immersions-DUV-Lithografiesysteme begonnen. Diese Maschinen belichten Schaltkreisstrukturen auf Siliziumwafern und sichern ASML weiterhin Umsatz in China, nachdem der Verkauf der fortschrittlichsten EUV-Anlagen in die Volksrepublik längst untersagt ist.

Die Aktie brach daraufhin zum Wochenstart ein und schloss im Heimathandel über acht Prozent tiefer bei 1.429,80 Euro. Am Dienstag setzte sich der Ausverkauf fort, der Kurs rutschte um weitere rund drei Prozent ab - und fiel dabei sogar unter die Marke von 1.400 Euro. Auch andere Ausrüster und Chiphersteller gerieten unter Druck, weil Anleger einen Dominoeffekt für die gesamte Branche fürchteten.

Werbung

Warum die Reaktion der ASML-Aktie übertrieben wirkt

Ein Blick auf die schiere Größenordnung relativiert die Sorge. Nach eigenen Angaben will das chinesische Unternehmen in diesem Jahr gerade einmal fünf und 2027 rund 20 Maschinen bauen, während ASML dieses Jahr allein rund 130 Immersions-DUV-Systeme ausliefert. Ein Händler verwies laut dpa-AFX zudem darauf, dass es in der Vergangenheit bereits mehrfach unbestätigte Berichte über chinesische Fortschritte in der Immersionslithografie gegeben habe. Daniel O'Regan, Marktstratege bei Mizuho, ordnete die Schwäche im gesamten Sektor als Bündel mehrerer Gründe ein und nicht als Reaktion auf einen einzelnen Auslöser, darunter auch Gewinnmitnahmen bei Speicherchip-Werten nach deren vorheriger Rally.

Die Zahlen sprechen für ASML

Hinzu kommt, dass der operative Rückenwind noch anhält. Erst am 15. Juli hatte ASML die Bücher geöffnet. Für das zweite Quartal meldeten die Niederländer einen Umsatz von rund 9,3 Milliarden Euro, die Bruttomarge stieg auf 54 Prozent. Das Management hob die Umsatzprognose für das laufende Jahr auf 43 bis 45 Milliarden Euro an, nach zuvor 36 bis 40 Milliarden Euro, und kündigte an, die Fertigungskapazität für Lithografiesysteme bis 2027 um rund 30 Prozent auszuweiten.

Der Wettbewerbsvorsprung bleibt intakt

Auch technologisch bleibt die Ausgangslage komfortabel. Die kritisierten DUV-Anlagen zählen zur älteren Technologiegeneration, in der auch andere Ausrüster mitmischen, während ASML bei der fortschrittlicheren EUV-Lithografie weiterhin ohne Konkurrenz dasteht, die für moderne Logikchips und Speicher der nächsten Generation unverzichtbar bleibt. Laut "The Motley Fool" dürften chinesische Eigenentwicklungen bei DUV-Maschinen ASML in den kommenden Jahren kaum schaden. Denn das Portal verweist auf die geplante Kapazitätsausweitung bei EUV-Systemen sowie die nächste Technologiestufe High-NA-EUV als zusätzlichen Wachstumstreiber.

Werbung

Ob sich die Erholung fortsetzt, dürfte in den kommenden Wochen vor allem von der Nachrichtenlage rund um mögliche neue US-Exportbeschränkungen für DUV-Technik abhängen. Einen konkreten nächsten Prüfstein liefert der Bericht zum dritten Quartal, den ASML für den 14. Oktober angekündigt hat.

Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

Anzeige: ASML und tausende weitere Wertpapiere provisionsfrei bei finanzen.net zero.

STOCKS (WKN, ISIN): NL0010273215

Bildquellen: ASML

Werbung