Standort-Debatte

Mercedes-Vorstand verteidigt Ungarn-Ausbau: "Es geht um die Kostenbasis" - Aktie tiefer


Mercedes-Vorstand verteidigt Ungarn-Ausbau: "Es geht um die Kostenbasis" - Aktie tiefer

Mercedes treibt den Ausbau seines Werks im ungarischen Kecskemét voran und verschärft gleichzeitig den Sparkurs in Deutschland. So reagiert die Aktie.

  • Werk Kecskemet in Ungarn wird zur größten Mercedes-Fabrik Europas
  • Produktionsvorstand Schiebe verteidigt den Ausbau als Beitrag zur Kostensenkung
  • IG Metall kündigt Widerstand gegen mehr Arbeit ohne Lohnausgleich an
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Die Mercedes-Benz-Aktie zeigt sich zum Wochenstart moderat tiefer: Im XETRA-Handel geht es für den Titel um 1 Prozent auf 45,06 Euro abwärts. Im Fokus steht dabei weniger das Tagesgeschäft als eine Standortdebatte: Produktionsvorstand Michael Schiebe hat im Handelsblatt-Interview die Verdopplung der Kapazitäten im ungarischen Werk Kecskemet verteidigt, während der Konzern zeitgleich sein Sparprogramm in Deutschland verschärft.

Kecskemet wird zur größten Mercedes-Fabrik Europas

Mit der Erweiterung steht in Kecskemet, südöstlich von Budapest, nun die größte europäische Fabrik von Mercedes. Schiebe argumentiert, der Ausbau im Niedriglohnland Ungarn diene letztlich der Beschäftigungssicherung in Deutschland, da es darum gehe, die Kostenbasis des Konzerns insgesamt zu senken. Laut Handelsblatt-Bericht kürzt Mercedes parallel im Heimatland und hat das dortige Sparprogramm verschärft.

Mehr Arbeit ohne Lohnausgleich als Streitpunkt

Konkret will das Management, dass die Beschäftigten in Deutschland ohne Lohnausgleich mehr arbeiten. Schiebe verweist dabei auf den Standortvergleich mit Ungarn: "Die Arbeitsstunden, die ein Mitarbeiter hier zur Verfügung stellt, sind höher als in Deutschland", sagte er laut Handelsblatt, und ergänzte, auch der Krankenstand liege dort deutlich niedriger. Die Gewerkschaft IG Metall hat bereits Widerstand gegen diese Pläne angekündigt. Schiebe, mit 42 Jahren einer der jüngeren Vorstände im DAX, argumentiert, der Konzern müsse insgesamt wettbewerbsfähiger werden, und skizzierte im Gespräch ein Extremszenario mit drastischen Folgen, falls keine Einigung mit der Belegschaft zustande kommt.

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Ein Muster, das über Mercedes hinausreicht

Die Konstellation - Kapazitätsausbau in Mittel- und Osteuropa bei gleichzeitigem Sparkurs am deutschen Stammsitz - reiht sich in eine Debatte ein, die auch andere deutsche Industriekonzerne beschäftigt: höhere Lohn- und Lohnnebenkosten im Inland treffen auf einen globalen Wettbewerb um Fertigungskosten. Ob sich Schiebes Argumentation gegenüber der Belegschaft und IG Metall durchsetzt, dürfte sich erst in den anstehenden Tarifgesprächen zeigen.

Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net

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