Studie: Deutscher Bauwirtschaft droht 2023 weiter Gegenwind


BERLIN (Dow Jones)--Der deutschen Bauindustrie droht auch im Jahr 2023 aufgrund anhaltender Probleme in der Lieferkette, hoher Energie- und Rohstoffpreise und gestiegener Zinssätze starker Gegenwind. Das geht aus dem jüngsten Branchenreport des Kreditversicherers Atradius hervor. "Die Produktion der Branche ist in allen wichtigen Teilsektoren geschrumpft. Dieser Trend wird sich in den kommenden Monaten voraussichtlich fortsetzen", sagte Deutschland-Chef Frank Liebold. Die Zahlungsverzögerungen und Insolvenzen hätten zugenommen und gefährdeten besonders die kleinen und mittleren Bauunternehmen.

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Nach den Worten Liebolds besteht jedoch angesichts des Mangels an Wohnraum und des großen Bedarfs an Infrastrukturinvestitionen Hoffnung auf einen Aufschwung im Jahr 2024. Der seit Anfang 2022 zu verzeichnende Produktionsrückgang in allen wichtigen Teilsektoren werde sich 2023 aber voraussichtlich fortsetzen. Neben Lieferkettenproblematik, hohen Energie- und Rohstoffpreisen und gestiegenen Zinsen käme ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften erschwerend hinzu, der zu höheren Lohnkosten beitrage. "Die gestiegenen Kosten für die Finanzierung von Bauprojekten haben zu Projektverschiebungen oder Auftragsstornierungen geführt", erklärte Liebold.

Mit Blick auf das von der Bundesregierung gesetzte und 2022 weit verfehlte Ziel, jedes Jahr 400.000 neue Wohnungen zu bauen, erwartete der Atradius-Manager auch dieses Jahr "keine Besserung der Entwicklung". Höhere Zinsen und Inflation erschwerten den Haushalten den Immobilienerwerb. Für die Bauunternehmen sei es schwierig, Preiserhöhungen aufgrund gestiegener Baumaterialkosten und Zinsen an die Kunden weiterzugeben, es sei denn, die Verträge enthielten Preisgleitklauseln - dies sei aber häufig nicht der Fall. Die Gewinnspannen der Bauunternehmen verschlechterten sich, und dieser negative Trend werde sich in den kommenden Monaten fortsetzen.

Diese Entwicklung schlägt laut dem Kreditversicherer auch auf die Zahlungsmoral durch. Die Zahlungen in der Branche dauerten im Durchschnitt 30 bis 60 Tage. "2021 und Anfang 2022 war die Zahlungsmoral gut. Seitdem haben jedoch sowohl die Zahlungsverzögerungen als auch die Insolvenzen zugenommen", sagte Liebold. Die Insolvenzen im Baugewerbe dürften bis 2023 gegen Vorjahr um 25 bis 30 Prozent steigen, wobei kleine und mittlere Unternehmen am stärksten gefährdet seien. In Anbetracht der sich verschlechternden Kreditrisikosituation und der Geschäftsentwicklung in der Branche sei die Bewertung des Sektors zuletzt von "moderat" auf "schlecht" herabgestuft worden.

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Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com

DJG/ank/apo

(END) Dow Jones Newswires

March 13, 2023 05:44 ET (09:44 GMT)