KI-Wettlauf: Warum diese Techaktie gegenüber NVIDIA und Micron im Vorteil sein könnte
Ein Experte sieht langfristig beim Thema künstliche Intelligenz bessere Chancen für einen Internetkonzern als für NVIDIA oder Micron.
- Ein Motley-Fool-Analyst sieht in Alphabet den KI-Langfristsieger
- Google Cloud wuchs im zweiten Quartal 2026 um 82 Prozent
- Alphabet hob sein Investitionsziel 2026 auf bis zu 205 Milliarden US-Dollar an
Alphabet könnte sich langfristig als eigentlicher Gewinner des KI-Wettlaufs durchsetzen, nicht NVIDIA oder Micron Technology: Das ist die These eines Analysten des US-Anlegerportals Motley Fool.
Die Kehrseite der Nachfrage bei NVIDIA und Micron
Motley-Fool-Kolumnist Keithen Drury macht die Antwort davon abhängig, ob der KI-Wettlauf an reiner Kursperformance oder an nachhaltiger, langfristiger Stärke gemessen wird. Bei NVIDIA sieht er das Risiko, dass die aktuell extreme Nachfrage nach Grafikprozessoren mit der Zeit nachlässt, während neue Rechenzentren das Tempo des laufenden Ausbaus nicht dauerhaft mithalten können, was Preise und Margen unter Druck bringen könnte. Bei Micron Technology ortet er ein ähnliches Muster: Der Speicherchiphersteller profitiert aktuell von knappen Kapazitäten und hohen Preisen, baut aber wie seine Konkurrenten neue Fertigungskapazitäten auf, was seiner Einschätzung nach mittelfristig wieder auf die Preise drücken könnte.
Zwei Wachstumsmotoren: Google Cloud und eigene KI-Chips
Alphabet setzt laut Drury auf zwei Wetten zugleich: eigene Sprachmodelle, die seiner Einschätzung nach noch defizitär arbeiten, aber langfristig zu einem eigenen Geschäftsfeld heranwachsen könnten, und Google Cloud als Vermieter von Rechenleistung an KI-Kunden, darunter auch der eigene Konkurrent Anthropic.
Die jüngst veröffentlichten Zahlen aus dem zweiten Quartal 2026 untermauern das Argument: Google Cloud wuchs um 82 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf rund 24,8 Milliarden US-Dollar, die operative Marge der Cloud-Sparte kletterte von 20,7 auf 35,6 Prozent. Der Auftragsbestand stieg um mehr als 50 Milliarden US-Dollar gegenüber dem Vorquartal auf 514 Milliarden US-Dollar. Um die Nachfrage zu bedienen, hob Alphabet am selben Tag seine Investitionsplanung für 2026 von zuvor 180 bis 190 Milliarden auf 195 bis 205 Milliarden US-Dollar an.
Ein Teil dieser Wachstumsstory ist Alphabets eigene Chip-Sparte. Im Ergebnis-Call zum ersten Quartal 2026 kündigte Alphabet-Chef Sundar Pichai an, die selbst entwickelten Tensor Processing Units, kurz TPU, künftig auch direkt an ausgewählte externe Kunden für deren eigene Rechenzentren zu verkaufen, statt sie nur über Google Cloud bereitzustellen. Bereits im Juni vergangenen Jahres hatte Morgan Stanley in einer von CNBC zitierten Studie betont, wachsende Vertrautheit von Entwicklern mit TPUs könne zu einem bedeutenden Wachstumstreiber für Google Cloud werden.
Analysten für die Alphabet-Aktie nach den Zahlen optimistisch
Nach der Vorlage der Quartalszahlen senkte JPMorgan-Analyst Doug Anmuth sein Kursziel für die Alphabet-A-Aktie von 460 auf 420 US-Dollar, beließ die Einstufung aber auf "Overweight". Er begründete das mit dem anhaltenden Angebotsmangel bei Rechenzentrumskapazitäten, wegen dem Google verstärkt auf Kapazitäten von Drittanbietern zurückgreifen müsse, was kurzfristig auf die Margen drücke. Die Royal Bank of Canada bestätigte unterdessen die Einstufung "Outperform" mit einem Kursziel von 425 US-Dollar, Jefferies Financial Group beließ sein Ziel bei 445 US-Dollar. Zurückhaltender äußerte sich UBS-Analyst Stephen Ju: Er senkte sein Kursziel von 400 auf 379 US-Dollar und beließ die Einstufung auf "Neutral", weil steigende Kapitalintensität und höhere Personalkosten die Kosten für 2027 und 2028 stärker treiben dürften als den Umsatz. Das durchschnittliche Kursziel mehrerer Analysten für die Alphabet-A-Aktie liegt aktuell bei rund 421 US-Dollar. Für die C-Aktie rufen Experten ein Kursziel von 430,70 US-Dollar auf, woraus sich ein sattes Aufwärtspotenzial zum aktuellen Kurs von 354,37 US-Dollar an der NASDAQ ergibt.
Gegenwind für die These: NVIDIA und Micron haben weiter Fürsprecher
Bei Micron sieht unterdessen das unabhängige Analysehaus Trivariate Research die Sache anders als der Motley Fool-Experte, die Analysten bezeichneten Micron als "die wichtigste Aktie am Markt", weil sie als Frühindikator für den gesamten KI-Infrastrukturboom tauge. Morgan Stanley-Analyst Joseph Moore erwartet laut eigenen Channel-Checks von Ende Juli 2026 sogar weitere Preissteigerungen bei Speicherchips bis zum dritten Quartal 2026. Auch bei NVIDIA bleibt die Wall Street mehrheitlich zuversichtlich: Die Bank of America bekräftigte ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 350 US-Dollar und verwies auf eine im Zehnjahresvergleich günstige Bewertung bei unverändert hoher KI-Nachfrage.
Zu bedenken ist außerdem: Sowohl JPMorgan als auch UBS verweisen unabhängig voneinander auf steigenden Margendruck durch Alphabets hohe Vorabinvestitionen, deren Rendite sich erst über mehrere Jahre zeigen wird. Ob die Google-Mutter also NVIDIA und Micron tatsächlich überholen wird, bleibt abzuwarten.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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