Trendwende voraus?

Oracle-Aktie nach 52-Wochen-Tief: Verdopplung bis 2028? Diese Gründe sprechen dafür


Oracle-Aktie nach 52-Wochen-Tief: Verdopplung bis 2028? Diese Gründe sprechen dafür

Nach einem neuen Jahrestief im Zuge der Ellison-Bürgschaft für den Warner-Deal wirft ein Blick auf Bewertung und Auftragsbestand die Frage auf, ob Oracle wieder Fantasie hat.

  • Oracle fiel Ende Juli auf ein Jahrestief durch Ellisons WBD-Bürgschaft
  • Das KGV der Aktie ist zuletzt von 76 auf rund 21 gefallen
  • Oracles Auftragsbestand RPO erreichte im vierten Quartal 638 Milliarden Dollar
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Der US-amerikanische Software-Riese Oracle hat bisher kein gutes Börsenjahr erlebt. Im Gegenteil: Zuletzt geriet die Aktie mächtig unter Druck, zunächst aufgrund der Abhängigkeit eines einzigen Großkundens, dann aufgrund eines wachsenden Schuldenbergs im Zuge der KI-Investitionen und erst vor Kurzem, nachdem eine persönliche Milliardenbürgschaft von Firmengründer Larry Ellison für den Übernahmekampf um Warner Bros. Discovery zwölf US-Bundesstaaten auf den Plan gerufen hat.

So fiel die Oracle-Aktie zuletzt am vergangenen Freitag auf ein neues 52-Wochen-Tief bei 114,50 US-Dollar. Damit haben Anleger seit Jahresbeginn ein Minus von knapp 40 Prozent in ihren Depots (Stand: Schlusskurs 30.07.2026).

Ausgerechnet jetzt zeigt eine Analyse von "The Motley Fool", dass sich der Wert der Oracle-Aktie bis 2028 verdoppeln könnte. Das unterstreicht auch der Blick auf die jüngsten Geschäftszahlen.

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Oracle-Aktie: Bewertung fällt spürbar

Wie "The Motley Fool" in einer Analyse von Mitte Juli vorrechnete, kletterte das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Oracle-Aktie im vergangenen September mit der Ankündigung des rund 300 Milliarden US-Dollar schweren Auftrags von OpenAI zeitweise auf 76.

Seither hat sich das Bild gedreht: Der Kursrückgang traf auf eine kräftig gestiegene Gewinnbasis. Laut der Bilanz zum vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026, veröffentlicht am 10. Juni 2026, stieg der Nettogewinn nach US GAAP auf 17,0 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf dieser Basis liegt das KGV inzwischen nur noch bei 20,21. Verglichen mit dem durchschnittlichen KGV des S&P 500 (laut "multpl.com" bei 28,53) ist die Aktie damit derzeit günstig bewertet. Analysten bezifferten das "forward" KGV "The Motley Fool" zufolge sogar auf einen Wert im mittleren Zehnerbereich, spürbar unter dem Durchschnitt für Technologiewerte.

Rekord-Auftragsbestand über OpenAI hinaus

Der zweite Baustein der These betrifft den Auftragsbestand. Die "Remaining Performance Obligations", kurz RPO, erreichten laut der Quartalsmitteilung von Oracle zum 31. Mai 2026 einen Rekordwert von 638 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 363 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 85 Milliarden mehr als noch im Quartal zuvor. Damit ist der Auftragsbestand seit der ursprünglichen OpenAI-Ankündigung im vergangenen Herbst weit über das damalige Volumen hinausgewachsen.

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Bank of America Analysten wiesen laut einem CNBC-Bericht allerdings darauf hin, dass mehr als die Hälfte der RPO weiterhin auf einen einzigen Kunden entfällt. Damit bleibt die Konzentration auf OpenAI ein Faktor, den Anleger dennoch im Blick behalten sollten, auch wenn die Basis inzwischen breiter ist als vor einem Jahr.

Wachsender Schuldenberg durch Investitionsausgaben

Zu den Wachstumszahlen kommt eine deutlich gestiegene Verschuldung: Aus dem Bilanzbericht zum 31. Mai 2026 geht hervor, dass Oracle langfristige "Notes payable" (Wechselverbindlichkeiten) von rund 122 Milliarden US-Dollar sowie kurzfristige Verbindlichkeiten von weiteren 7 Milliarden US-Dollar auswies, zusammen also rund 130 Milliarden US-Dollar. Dem steht ein bilanzielles Eigenkapital von rund 43 Milliarden US-Dollar gegenüber. Die Investitionen in Rechenzentren trieben die Investitionsausgaben im Geschäftsjahr 2026 auf 55,7 Milliarden US-Dollar, mehr als das Doppelte des Vorjahreswerts.

Trotz Jahrestief, Abhängigkeit und Schuldenberg: Analysten bleiben optimistisch

Die jüngsten Rückschläge der Oracle-Aktie scheinen an der Wall Street keinen Anklang zu finden, im Gegenteil. Wie Daten von TipRanks offenbaren, sind sich die Analysten bei der künftigen Entwicklung des Software-Riesen einig: die Trendwende soll kommen.

So empfehlen 28 der 32 Analysten die Oracle-Aktie zum aktuellen Zeitpunkt zum Kauf, lediglich vier Experten sind vorsichtiger und sprechen eine Halteempfehlung aus. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 259,76 US-Dollar, was zum letzten Schlusskurs ein Aufwärtspotenzial von 121 Prozent bedeuten würde. Die Einschätzung von "The Motley Fool", dass sich der Wert der Oracle-Aktie in Zukunft verdoppeln könnte, teilt also auch die Wall Street.

Worauf Anleger jetzt achten sollten

Dass die Aktie trotz aller Brandherde die Gunst der Analysten im Rücken hat, spricht erstmal für das Papier - auch, wenn sich die Einschätzungen der Experten täglich ändern können. Zum aktuellen Zeitpunkt wirkt das Papier aufgrund des niedrigen KGVs und des jüngst erreichten 52-Wochen-Tiefs perfekt für einen kostengünstigen Einstieg. Doch davon sollten sich Anleger nicht täuschen lassen.

Denn für die weitere Einschätzung der Aktie lohnt sich der Blick auf zwei Termine: Am 3. August 2026 soll eine Anhörung zu einer einstweiligen Verfügung im Streit um die Warner-Übernahme stattfinden, deren Ausgang die Unsicherheit rund um Ellisons Garantie entweder verschärfen oder entschärfen dürfte. Parallel wird sich zeigen, ob Oracle im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 die angekündigte Diversifizierung des Auftragsbestands über OpenAI hinaus bestätigen kann.

Wer die Aktie im Depot hält oder einen Einstieg erwägt, sollte also diese zwei Risiken im Blick behalten: Zum einen bleibt die Konzentration des Auftragsbestands auf einen einzigen Großkunden ein Klumpenrisiko, zum anderen verknüpft Ellisons persönliche Bürgschaft den Aktienkurs mit dem Ausgang eines noch offenen Rechtsstreits um die Warner-Übernahme. Beides kann die Bewertung kurzfristig stärker bewegen als die operative Geschäftsentwicklung.

Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus. Oracle und tausende weitere Wertpapiere provisionsfrei bei finanzen.net zero.

Bildquellen: Ken Wolter / Shutterstock.com, Gil C / Shutterstock.com

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