Speicherhersteller melden Rekordzahlen: Warum die Aktien von Sandisk und Western Digital dennoch kräftig abgeben
Sowohl Sandisk als auch Western Digital liefern Rekordumsätze - doch Anleger reagieren enttäuscht. Das steckt dahinter.
- Aktien von Sandisk und Western Digital trotz starker Zahlen unter Druck
- KI-Speicherboom treibt Umsätze auf Rekordniveau
- Anleger zweifeln am weiteren Wachstumstempo
Nachdem Sandisk und Western Digital gestern nach Handelsschluss ihre Quartalszahlen veröffentlichten, fällt die Reaktion der Börse eindeutig aus: Die Sandisk-Aktie verlor im NASDAQ-Handel am Donnerstag 6,81 Prozent auf 1.258,58 US-Dollar. Noch stärker traf es die Western Digital-Aktie: Sie gab um 13,03 Prozent auf 451,52 US-Dollar nach.
Dabei melden beide Speicherkonzerne für ihr abgelaufenes Geschäftsjahr Rekordwerte: Sandisk steigert den Jahresumsatz um 175 Prozent, Western Digital den Quartalsumsatz um 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der scharfe Kursrutsch trotz starker Zahlen deutet darauf hin, dass Anleger vor allem auf den Ausblick und das Wachstumstempo schauen, nicht nur auf die absoluten Werte.
Sandisk-Aktie: Datacenter-Boom treibt Umsatz, Prognose bremst
Wie aus der offiziellen Pressemitteilung von Sandisk hervorgeht, springt der Umsatz im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 auf 8,97 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 51 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Der Konzern weist einen GAAP-Nettogewinn von 6,90 Milliarden US-Dollar aus, was einem verwässerten Ergebnis pro Aktie von 43,97 US-Dollar entspricht; auf Non-GAAP-Basis liegt der Gewinn pro Aktie bei 39,25 US-Dollar. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 klettert der Umsatz um 175 Prozent auf 20,25 Milliarden US-Dollar, angetrieben vor allem vom Datacenter-Geschäft, das laut Unternehmensangaben um 437 Prozent zulegt. Zusätzlich stockt der Vorstand das Rückkaufprogramm um 14 Milliarden US-Dollar auf, sodass insgesamt 15,5 Milliarden US-Dollar an Ermächtigung verbleiben.
Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 stellt Sandisk jedoch nur noch einen Umsatz zwischen 10,30 und 10,80 Milliarden US-Dollar in Aussicht, ein deutlich langsameres Tempo als im gerade abgelaufenen Quartal.
Western Digital: Gewinn schnellt hoch, Aktie bricht trotzdem ein
Auch bei Western Digital fällt die Bilanz auf den ersten Blick stark aus. Laut der Pressemitteilung des Unternehmens steigt der Umsatz im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 um 44 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 3,75 Milliarden US-Dollar. Die GAAP-Bruttomarge liegt bei 54,1 Prozent, die Non-GAAP-Bruttomarge bei 54,4 Prozent. Das verwässerte Ergebnis pro Aktie nach GAAP erreicht 8,21 US-Dollar, auf Non-GAAP-Basis sind es 3,56 US-Dollar. Der operative Cashflow summiert sich auf 1,39 Milliarden US-Dollar, der freie Cashflow auf 1,28 Milliarden US-Dollar.
Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 rechnet Western Digital mit einem Umsatzwachstum von 42 bis 49 Prozent gegenüber dem Vorjahr, beim Ergebnis pro Aktie auf Non-GAAP-Basis peilt der Konzern im Mittel 4,00 US-Dollar an. Zusätzlich beschließt der Vorstand eine Quartalsdividende von 0,15 US-Dollar pro Aktie, zahlbar am 17. September 2026 an die am 8. September 2026 im Aktienregister erfassten Anteilseigner.
Warum der Markt trotz Rekordzahlen verkauft
Die Kursreaktion wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, folgt bei näherem Hinsehen aber einer erkennbaren Logik. Sandisk selbst räumt ein, dass rund zwei Drittel des sequenziellen Umsatzwachstums im vierten Quartal aus höheren Preisen stammen und nur ein Drittel aus höheren Absatzmengen, was die Frage aufwirft, wie tragfähig die aktuelle Preisdynamik am Speichermarkt bleibt. Die Prognose für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 signalisiert bei beiden Unternehmen ein spürbar langsameres Wachstumstempo als im gerade abgelaufenen Quartal: Sandisks Umsatzspanne impliziert nur noch ein Plus im niedrigen bis mittleren zweistelligen Bereich gegenüber dem Vorquartal, nachdem es zuletzt 51 Prozent waren.
Western Digital wiederum bewegt sich mit der Spanne von 42 bis 49 Prozent nahe am bisherigen Tempo, kann die hohen Erwartungen der Anleger an eine weitere Beschleunigung damit aber offenbar nicht erfüllen. Beide Konzerne profitieren vom anhaltenden Nachfrageschub nach Datenspeicher für KI-Rechenzentren, doch genau diese Erwartung an ungebremstes Wachstum scheint der Markt nach den frischen Ausblicken neu zu kalibrieren.
Ein belastbarerer Hinweis auf die Tragfähigkeit der aktuellen Preisdynamik dürfte sich erst zeigen, wenn Sandisk und Western Digital ihre Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vorlegen und damit belegen müssen, ob sich die in Aussicht gestellten Umsatz- und Gewinnspannen tatsächlich halten lassen.
Bettina Schneider, Martina Köhler, Julia Walter, Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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