Umfrage: Stimmung in Immobilienwirtschaft verschlechtert sich


Von Andrea Thomas

BERLIN (Dow Jones)--Die Stimmung in der deutschen Immobilienwirtschaft hat sich einer neuen Umfrage zufolge verschlechtert und ist zunehmend angespannt. Die Situation sei in allen Segmenten anhaltend schwierig, ergab eine Konjunkturbefragung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Kooperation mit dem Spitzenverband der Immobilienbranche ZIA. Das Immobilienklima rutscht wieder ins Negative und erzielte im zweiten Quartal einen Wert von minus 4,3 Punkten. Das entspricht einem Rückgang von 5,6 Punkten gegenüber dem Jahresbeginn, wie der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) erklärte.

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Das ungünstige Marktumfeld mit derzeit zu hohen Zinsen werde für die Unternehmen zur immer stärkeren Belastung und am Ende auch für die Gesellschaft insgesamt. "Grund für die schlechtere Stimmung ist unter anderem die schwindende Hoffnung, dass bereits in diesem Sommer bei wichtigen Eckpunkten wieder Klarheit herrscht und die Nachfrage zurückkommt", sagte IW-Experte Ralph Henger, der auch Mitautor der Umfrage war.

Ein Drittel der Befragten erwartete vor diesem Hintergrund, dass viele der genehmigten Vorhaben in den nächsten 12 Monaten nicht umgesetzt werden. "Wenn man bedenkt, dass letztes Jahr 350.000 Wohnungen genehmigt wurden, ist das ein sehr schlechtes Zeichen für den Neubau in Deutschland", sagte Henger.

ZIA fordert Absenkung der Grunderwerbssteuer und Kreditprogramm

Angesichts der schlechten Stimmung ist nach Ansicht des ZIA eine Absenkung der Grunderwerbssteuer und ein großvolumiges staatlich subventioniertes "Kreditprogramm Wohnen notwendig. "Wenn diese Zahlen von Politikerinnen und Politikern in Bund, Ländern und Kommunen nicht endlich als dramatischer Weckruf verstanden werden, dann wird die Abwärtsspirale ungebremst weitergehen", warnte ZIA-Präsident Andreas Mattner. "Die Lähmung beim Wohnungsbau ist bezeichnend für die Gesamtsituation, und wir haben noch längst nicht den Tiefpunkt erreicht: Diese Lage schreit nach einer Lockerung von staatlichen Fesseln."

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Da der Staat insgesamt beim Gut Wohnen für 37 Prozent der Kosten direkt, durch Steuern und Abgaben, oder indirekt, durch beengende Regulierung, Verantwortung trage, sei jetzt der Staat als Ganzes verstärkt gefragt. Der ZIA forderte von den Bundesländern ein Absenken der Grunderwerbsteuer möglichst auf null für die Zeit bis Anfang 2025.

"Um den Wohnungsbau entscheidend zu reaktivieren, müssen alle Akteure, muss die Immobilienbranche gestärkt und bei Senkungen der Grunderwerbsteuer unbedingt auch einbezogen werden", betonte Mattner. "Nur das verspricht spürbare Verbesserungen für die vielen Mieterinnen und Mieter, die vergebens nach Wohnraum suchen." Eine Konzentration auf Immobilien zur eigenen Nutzung habe genau diesen Effekt nicht, weil sie Mietwohnungen ausklammere.

Der Verband rief zu einem großvolumigem "Kreditprogramm Wohnen" der staatlichen KfW mit einem Zinssatz von 2 Prozent für Neubauten ab Standard EH 55 auf. Auch könne eine feste Quote von 30 Prozent für serielles und modulares Bauen den Markt deutlich zu beleben.

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Kontakt zur Autorin: andrea.thomas@wsj.com

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June 23, 2023 04:57 ET (08:57 GMT)