Mit Aktien auf lange Sicht ein Vermögen für das Alter aufbauen
Mit Wissen, Zeit, Weitsicht und Erfahrung lässt sich an der Börse mit Aktien langfristig ein Vermögen aufbauen und dass ist auch wichtig, schaut man auf seinen Rentenbescheid, der zukünftig noch niedriger ausfallen wird. In den USA ist die Vorsorge übrigens weit verbreitet, in Deutschland hingegen gibt es noch viele Börsenmuffel.
Dass Deutschland ein Land der Börsenmuffel ist, ist bekannt. Nur knapp 18 Prozent der Bevölkerung in Deutschland besaß im zurückliegenden Jahr Anteilscheine von börsennotierten Unternehmen oder Aktienfonds. Zum Vergleich: In den USA ist jeder zweite Haushalt in Aktien investiert. Es kommt also nicht von ungefähr, weshalb Amerikaner im Schnitt vermögender sind als Deutsche. Das mittlere durchschnittliche Vermögen liegt pro Person in Deutschland bei rund 60.000 Dollar, in den USA hingegen bei über 90.000 Dollar. Das zeigt: Aktien sind ein Grundpfeiler für den persönlichen Vermögensaufbau -trotz aller Korrekturen und Unsicherheiten, die wir an der Börse immer wieder erleben.
Das verrät auch ein Blick auf das vom Deutschen Aktieninstitut regelmäßig veröffentlichte Renditedreieck. Ein Anleger etwa, der seit Anfang der 1970er-Jahre monatlich einen bestimmten Betrag in DAX-Aktien investiert hat, wäre bis Ende 2023 auf eine jährliche Rendite von 8,5 Prozent gekommen. Hätte er seit 1990 regelmäßig in DAX-Unternehmen angelegt, läge die jährliche Rendite bei 7,8 Prozent. Im Grunde genommen lässt sich diese Rechnung nahezu für jeden Zeitraum fortsetzen. Das Renditedreieck weist nur wenige negative Phasen auf, die im Wesentlichen aber nur dann auftreten, wenn der Anleger sehr kurzfristig agiert. Auf längere Sicht liegt die jährliche Rendite mit DAX-Aktien bei durchschnittlich 5 bis 8 Prozent.
Unsicherheiten gab es schon immer
Eine Rendite, die deutlich über der liegt, die man mit sonstigen Sparformen erwirtschaften kann. Nun könnte man den Einwand äußern, dass in der Vergangenheit ja alles gut war, die Börsen deshalb steigen und die Renditen so stattlich ausfallen konnten. Für die Zukunft sei das jedoch sehr unsicher, die Welt befindet sich im Wandel, keiner weiß, wie es endet.
Das ist richtig, doch Unsicherheiten gab es schon immer. Sie haben die Börse jedoch stets nur temporär belastet, früher oder später ging es wieder aufwärts. Und das wird auch so bleiben. Solange Unternehmen in der Lage sind, Wert zu schaffen, werden ihre Anteilscheine, also Aktien, tendenziell auch wertvoller. Das betrifft selbst so massive Rückschläge wie das berühmt-berüchtigte Platzen der Dot.com-Blase um die Jahrtausendwende. Damals sind die Kurse vieler Technologie- und Internetaktien kräftig gestiegen. Der Neue Markt wurde in Deutschland gegründet, die Aktienkurse stiegen auch hierzulande scheinbar unaufhörlich. Dass das so nicht gutgehen konnte, war klar. Die Börse entfernte sich einfach zu weit vom realen Wirtschaftsgeschehen, auf dem Boom folgte der "Bust", eine scharfe Korrektur.
Der Neue Markt wurde umstrukturiert, der Nasdaq 100 - der Technologieindex in den USA - fiel von knapp 5.000 Punkte auf unter 1.000 Punkte. Das Ende vieler Technologieunternehmen schien die Stimmung am Markt zu bestätigen, das Internet und all seine Möglichkeiten wurden für tot erklärt. Heute wissen wir: Die negative Stimmung damals war völlig übertrieben, das Internet war nicht am Ende, ganz im Gegenteil. Wer den Bust nutzte, um in Technologie-Aktien zu investieren, lag mehr als richtig. Heute notiert der Nasdaq 100 bei über 29.500 Punkten.
Und auch der Rückgang des DAX in diesem Jahr, von knapp 25.450 Punkte auf 22.300 und in einigen Medien als "Crash" bezeichnet, was natürlich ebenfalls völlig übertrieben ist, ist schon wieder ausgebügelt. Und jetzt? Nun notiert er wieder über 24.600 Zählern, so schnell kann es gehen.
Doch Vorsicht: Für Euphorie ist kein Platz. Selbstverständlich sind jederzeit weitere Korrekturen möglich. Die Unsicherheiten sind da, doch die spielen nur eine durchschlagende Rolle, wenn man als Anleger sehr kurzfristig und planlos agiert. Mittel- bis langfristig sind Rückschläge eine Kaufchance, doch die muss man als Anleger auch dezidiert nutzen - und daran scheitern viele Börsianer.
Ruhe und Sachverstand sind entscheidend
Um nicht zu scheitern, braucht es unter anderem einen kühlen Kopf und einen gesunden Abstand zur alltäglichen Nachrichtenflut. Es kommt darauf an, dass große Ganze im Auge zu haben und sich eben nicht von den vielen Nachrichten ablenken zu lassen. Hektik und Panik sind da wenig hilfreich. Aber auch Disziplin und Know-how sind bei der Geldanlage an der Börse wichtig. Wer hier investiert, muss einfach wissen, was er tut. Eine Marktanalyse ist ebenso bedeutsam wie ein Aktienscreening nach Fundamentaldaten. Dazu kommt eine umfängliche Branchenanalyse, die selbstverständlich auch das Konkurrenzumfeld umfasst.
Wer das berücksichtigt, kann mit Aktien wunderbar schlafen. Mehr noch, gerade derjenige, der keine Aktien besitzt, sollte unruhig werden. Denn ihm entgeht die entscheidende Möglichkeit für einen langfristigen erfolgreichen Vermögensaufbau und das wäre doch gerade heute sehr wichtig, wenn man an das Thema der Altersvorsorge denkt.
von Dr. Markus C. Zschaber, Gründer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft in Köln, www.zschaber.de
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