Vermögensverwalter-Kolumne

Warum Schifffahrtsaktien wieder gefragt sind


Schifffahrtsaktien profitieren derzeit von zwei gegenläufigen, aber beide positiven Effekten: mehr Handelsvolumen durch das EU-Mercosur-Abkommen und geopolitisch bedingte Störungen/höhere Frachtraten durch den Iran-Konflikt.

1. EU-Mercosur-Abkommen - ist seit Mai 2026 erstmal vorrübergehend in Kraft

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Das Abkommen schafft eine der größten Freihandelszonen der Welt, in dem es die EU mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay verbindet. Rund 90 Prozent der Zölle fallen weg oder werden stark gesenkt. Das führt zu deutlich mehr EU-Exporten nach Südamerika (beispielsweise Autos, Maschinen, Chemikalien, Pharmazeutika) - die Zölle dort lagen teilweise bei 35 Prozent auf Autos bzw. -teile. Die EU-Kommission erwartet hieraus insgesamt Exportsteigerungen von bis zu 39 Prozent. Die Importe aus Mercosur, zum Beispiel Agrarprodukte wie Fleisch, Soja, Zucker, Kaffee, Rohstoffe in die EU werden steigen. Längere Seetransport-Routen über den Atlantik bedeuten mehr Volumen für Container- und Bulk-Schiffe. Das Abkommen bringt also für Logistik, Schifffahrt und Transport neue Marktchancen. Transatlantische Routen gewinnen an Bedeutung, was die Nachfrage nach Schiffsraum ansteigen lassen wird.

2. Der Iran-Konflikt und die Auswirkungen auf die Schifffahrt

Der Konflikt, der unter anderen mit Angriffen auf Iran und die Region, einer Blockade bzw. massiven Störungen der Straße von Hormus einherging, ist zwar weitgehend deeskaliert, aber die vollständige Normalisierung steht noch aus, aber die Effekte führten zu:

a. Umleitung vieler Schiffe (längere Wege um Afrika statt durch den Golf/Suez-Region) und dadurch zu einer höheren Nachfrage nach Schiffskapazität, längere Transitzeiten und deutlich höhere Frachtraten (bei Containern teilweise verdoppelt auf manchen Routen, bei Tankern winkten Rekordgewinne).

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b. Höhere Ölpreise, die sich in erster Linie in negativen Kostensteigerungseffekten manifestieren, die aber bei vielen Reedereien überkompensiert werden durch stark steigende Erlöse (vor allem Tanker profitieren massiv von Öltransport-Störungen).

c. Die allgemeine Unsicherheit, die Spot-Raten sind durch die Schwankungen am Markt hoch, was kurzfristig gut für die Branche (ähnlich wie bei früheren Krisen) ist.

Unternehmen wie Maersk oder Hapag-Lloyd haben von solchen Disruptionen zunächst profitiert. Deren Aktien stiegen, auch durch angehobene Schätzungen, obwohl es gerade hier auch operative Herausforderungen gab. Tanker-Reedereien (zum Beispiel Scorpio Tankers, Teekay) hatten sogar besonders starke Gewinnzuwächse, da die Risikoprämien deutlich gestiegen sind.

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Zusammengefasst: Mercosur bringt strukturell mehr Volumen (längerfristig positiv) und der Iran kurz- bis mittelfristig höhere Raten durch Störungen. Beides zusammen macht Schifffahrtsaktien (besonders Bulk/Container & Tanker) wieder attraktiv und solange die Störungen anhalten, bleiben die Preise hoch. Die Branche bleibt aber zyklisch -

Risiken sind die hohe Volatilität, sinkende Raten bei Beruhigung und steigende Treibstoffkosten.

Und Kreuzfahrt-Reedereien (Carnival, Royal Caribbean, Norwegian etc.)? Die haben unter dem Iran-Konflikt zunächst gelitten und die Gründe lagen auch hier auf der Hand:

a. Höhere Treibstoffkosten

b. Routenstörungen und Unsicherheit im Nahen Osten/Persischen Golf (einige Schiffe waren betroffen und kamen nicht aus dem persischen Golf ? Buchungsrückgänge oder höhere Stornorisiken in sensiblen Regionen.

c. Allgemeine Reisenachfrage leidet unter geopolitischer Unsicherheit und höheren Preisen

Aktien von Carnival, Royal Caribbean & Co. fielen nach Ausbruch des Konflikts teilweise zweistellig, erholten sich nach Waffenstillstandsabkommen jedoch immer wieder schnell.

Wir sehen aber auch positive Signale: So kam es in der Vergangenheit bei Konflikten in der Region zu Umbuchungen von Reisenden, die zuvor im Nahen Osten Urlaub gebucht hatten oder den Nahen Osten als Drehkreuz für Reisen nach Asien nutzten, zu Umbuchungen auf Kreuzfahrten. Ankündigungen der ersten Reedereien, dass für die Golfregion auch in 2027/28 keine Kreuzfahrten angeboten werden, zeugen unseres Erachtens auch davon, dass die Reedereien alternative Routen anbieten, die weniger durch ähnliche Konflikte gestört werden dürften. Die Nachfrage nach Kreuzfahrten ist weiterhin sehr hoch.

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Von Marc Gabriel, CIIA®, CESGA®, Kundendirektor bei Oberbanscheidt & Cie. Vermögensverwaltung in Kleve.

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