Alphabet-Aktie trotzdem freundlich: KI-Bildfunktion in Google Earth nach nur einem Tag zurückgezogen
Erst gefeiert, dann gestoppt: Warum Google seine neue KI-Bildfunktion in Google Earth schon nach einem Tag wieder eingestellt hat.
- Google stoppt die neue KI-Bildfunktion in Google Earth nur einen Tag nach Start
- Nutzer teilten Bilder, die laut Google gegen die Richtlinien verstießen
- Der Rückzug reiht sich in mehrere KI-Guardrail-Fälle großer Techkonzerne ein
Die Google-Mutter Alphabet hat eine gerade gestartete KI-Funktion in Google Earth wieder zurückgenommen: Der Konzern erklärte auf dem Kurznachrichtendienst X, das Feature werde pausiert, nachdem Nutzer Bilder verbreitet hatten, die nach eigenen Angaben gegen Googles Richtlinien verstießen.
Thanks for your submissions, we appreciate it - unfortunately we have seen people sharing screenshots of generated imagery that appear to violate our policies. So we've rolled back this feature in Google Earth while we work on implementing stronger guardrails.
- Google Earth (@googleearth) August 1, 2026
Für die Konzernmutter Alphabet ist das ein Stresstest für das Vertrauen in Googles KI-Governance, während der Konzern KI-Funktionen quer durch sein Produktportfolio ausrollt.
Fotorealistische Bilder auf Basis echter Satellitendaten
Die Funktion war erst am Donnerstag gestartet und ließ sich per Textprompt bedienen. Angetrieben vom Bildmodell Nano Banana 2 erzeugte sie fotorealistische Szenen für jeden Ort der Welt auf Basis der echten Satelliten-, Luft- und 3D-Aufnahmen von Google Earth. Gedacht war das Feature etwa zur Visualisierung historischer Ereignisse oder für Immobilienpläne. Genau diese Verbindung aus echtem Kartenmaterial und generierten Inhalten machte das Werkzeug zugleich zum Risiko.
Kritik am Missbrauchspotenzial für Desinformation
Nutzer teilten Screenshots, die fingierte Ereignisse auf realen Aufnahmen bekannter Orte und Bauwerke zeigten, etwa erfundene Katastrophen oder andere Szenarien, die nie stattgefunden hatten. Weil die Bilder auf echtem Google-Earth-Material aufbauten, wirkten sie glaubwürdiger als frei erstellte KI-Bilder. Google betont, die generierten Aufnahmen seien als KI-generiert markiert gewesen und würden anderen Nutzern nicht in der Haupt-Ansicht von Google Earth angezeigt.
Google pausiert die Funktion: Was das für die Alphabet-Aktie bedeutet
In seiner Erklärung sagte der Konzern, geospatiale Fachanwender hätten die Funktion sinnvoll genutzt, zugleich seien aber Bilder aufgetaucht, die gegen die eigenen Richtlinien verstießen. Google entschied sich daher, das Feature vollständig zurückzuziehen, statt es im laufenden Betrieb nachzubessern, und arbeitet nun an strengeren Schutzmechanismen. Einen Zeitpunkt für eine Wiedereinführung nannte der Konzern nicht.
Der Rückzieher reiht sich in eine Serie ähnlicher Fälle ein: So hatte die Facebook-Mutter Meta erst wenige Wochen zuvor das Bildfeature Muse Image eingestellt, das Bilder auf Basis öffentlicher Instagram-Konten erzeugte, nachdem unter anderem eine Hollywood-Gewerkschaft Datenschutzbedenken geäußert hatte. Auch Google selbst musste bereits einmal eine Bildfunktion pausieren, als Gemini 2024 historische Personendarstellungen fehlerhaft generierte. Der Wettlauf um immer neue KI-Funktionen trifft in der gesamten Branche wiederholt auf dieselbe Schwachstelle: unzureichende Schutzmechanismen vor dem Rollout.
An der Börse reagieren die Anleger am Montag jedoch gelassen: Die Alphabet-Aktie steigt im Handel an der NASDAQ zeitweise um 3,58 Prozent auf 369,41 US-Dollar.
Carolin Ludwig, Thomas Zoller, Julia Walter, Redaktion finanzen.net
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