SpaceX-Aktie trotz neuer Belastungsprobe deutlich höher: Millionen neue Aktien könnten für Volatilität sorgen
Bei der SpaceX-Aktie steht eine wichtige Aktienfreigabe an: Millionen Anteile von Insidern und frühen Investoren werden handelbar. Anleger sollten sich auf Kursschwankungen einstellen.
- SpaceX-Aktie droht mehr Volatilität
- Ab heute werden bis zu 911,5 Millionen gesperrte Aktien frei handelbar
- Bis Jahresende können laut Prospekt über 4 Milliarden weitere Aktien folgen
Am heutigen Donnerstag rückte für Anleger der SpaceX-Aktie ein wichtiger Termin in den Vordergrund, der die ohnehin schon lebhafte Kursbewegung weiter anheizen dürfte. So endet an diesem Tag für bis zu 911,5 Millionen Aktien aus dem Bestand von Insidern und frühen Investoren die Verkaufsbeschränkung, sodass sie erstmals am Markt gehandelt werden können. Wie Barron's berichtet, müssen sich Anleger deshalb auf mehr Schwankungen einstellen. Die erste Freigabe aus der gestaffelten Lock-up-Vereinbarung wurde vom Markt allerdings zunächst vergleichsweise gut aufgenommen.
An der NASDAQ schloss das Papier 6,14 Prozent höher bei 114,92 US-Dollar. Damit haben sich die Aktien nach dem kräftigen Kursrutsch vom Vortag in der Nähe ihres Anfang August erreichten Rekordtiefs von knapp 105 US-Dollar stabilisiert.
SpaceX-Aktie: Erste Insider-Anteile werden frei handelbar
Laut dem geänderten Börsenprospekt wurden ab Donnerstag bis zu 911,5 Millionen Aktien aus dem Bestand von Insidern und frühen Investoren erstmals frei handelbar. Das entspricht nach Angaben von Barron's mehr als 140 Prozent der Stückzahl, die seit dem Börsengang überhaupt am Markt verfügbar war. Die Papiere haben einen Gesamtwert von rund 100 Milliarden US-Dollar. Bei den betroffenen Aktionären handelt es sich vor allem um Altaktionäre und bestimmte Mitarbeiter. Die gestaffelte Freigabe soll verhindern, dass der Markt auf einen Schlag mit Aktien überschwemmt wird. Ein Teil der Papiere dürfte laut Barron's dennoch zeitnah gegen Bargeld verkauft werden, was zusätzlichen Druck auf den Kurs ausüben kann.
Kursrutsch nach überraschend starken Zahlen
Der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein: Am Mittwoch war die SpaceX-Aktie um letztlich 13,61 Prozent auf 108,27 US-Dollar eingebrochen, obwohl das erste Quartal als börsennotiertes Unternehmen operativ überzeugte. Der Umsatz lag bei 7,8 Milliarden US-Dollar und damit klar über den Erwartungen. Auch die KI-Sparte überraschte positiv und wies ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 1,1 Milliarden US-Dollar aus, obwohl Analysten zuvor einen kleinen Verlust erwartet hatten. Trotzdem reagierte der Markt mit Verkäufen. Beobachter verwiesen dabei neben der hohen Bewertung auch auf Zweifel an den ambitionierten Wachstumszielen von Elon Musk, der einen Jahresumsatz von einer Billion US-Dollar bereits für 2030 in Aussicht gestellt hatte.
Woher der Verkaufsdruck kommt
Ein Grund für den Rücksetzer liegt laut Barron's im Vorlauf: Am Montag und Dienstag war die Aktie bereits um fast 16 Prozent gestiegen. Ausgelöst wurde die Rally demnach von Shortsellern, die ihre Positionen vor den Zahlen anpassten. Viele Marktteilnehmer setzen auf den Überhang aus dem Börsengang: Sobald entsperrte Aktien verkauft werden, drückt das auf den Preis, was zusätzliche Käufer abschrecken kann. Barron's fasst die Marktpsychologie so zusammen: "Niemand will heute etwas kaufen, wenn der Preis morgen niedriger sein könnte."
Der jüngste Kursrutsch hat zugleich weitere Anleger auf den Plan gerufen, die auf fallende Kurse setzen. Nach Angaben des Datenanalyseunternehmens S3 Partners lag der Anteil der Leerverkaufspositionen am frei handelbaren Aktienbestand zum Börsenschluss am Mittwoch bei ungewöhnlich hohen 36 Prozent.
Weitere Wellen bis Jahresende
Der Ablauf der Aktiensperre ist damit erst der Anfang. Laut dem Prospekt, auf das sich Barron's beruft, können am 12. August, 70 Tage nach dessen Datum, weitere 319 Millionen Aktien freigegeben werden, 20 Tage danach folgt laut Barron's eine weitere Tranche in gleicher Größenordnung. Bis zum Jahresende sollen nach diesen Angaben insgesamt mehr als 4 Milliarden Aktien handelbar werden. Die 6,4 Milliarden Aktien und Optionen von Elon Musk werden dagegen erst im Juni 2027 frei verfügbar, ein Verkauf gilt laut dem Bericht als unwahrscheinlich.
Die ungewöhnlich große Zahl gestaffelter Freigaben sorgt am Markt für zusätzliche Unsicherheit. Bernstein bezeichnete den Zeitplan als "ein ungewöhnlich komplexes Modell mit neun wesentlichen Freigabeterminen anstelle einer herkömmlichen 180-Tage-Sperrfrist". Für Aktionäre könnten mit dem Ablauf der weiteren Sperrfristen daher zusätzliche Belastungen entstehen.
Bewertungsfrage bleibt offen
Wie stark die neuen Aktien den Kurs am Ende belasten, lässt sich laut Barron's schwer vorhersagen, da der Markt solche Termine oft schon vorwegnimmt. Über allem steht zudem die Bewertungsfrage. SpaceX war am 12. Juni an die Börse gegangen. Nach zunächst drei starken Handelstagen wich die Euphorie jedoch schnell der Ernüchterung. Beobachter kritisierten die hohe Bewertung und sahen einen Widerspruch zwischen den Zukunftshoffnungen und den aktuellen Geschäftszahlen. Der Ausgabepreis von 135 US-Dollar wurde bereits Mitte Juli unterschritten.
Trotz der kurzfristigen Unsicherheit bleiben die Analysten von Bernstein optimistisch. Sie erhöhten ihr Kursziel für die SpaceX-Aktie von 239 auf 248 US-Dollar. Die Experten verwiesen auf Fortschritte beim Großraketenprojekt Starship sowie höhere Erwartungen an das KI-Geschäft, die die Sorgen über den Investitionsbedarf überlagern könnten. Anleger dürften die weiteren Lock-up-Termine in den kommenden Wochen und Monaten daher ebenso aufmerksam verfolgen wie die Entwicklung des operativen Geschäfts.
Bettina Schneider, Thomas Zoller, Julia Walter, Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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Bildquellen: SpaceX, Thrive Studios ID / Shutterstock.com