Trügerische Sommerruhe: Warum der August für die Aktienmärkte historisch zum Stresstest wird
Der Juli gilt an den Börsen als ruhigster Monat des Jahres, doch ein Blick auf die Volatilitätssaison seit 1989 zeigt, warum ausgerechnet diese Ruhe vor dem August trügen kann.
- Juli ist der ruhigste Börsenmonat, die Volatilität liegt am Jahrestief
- Historisch springt die Schwankungsbreite ab August an und läuft oft bis Oktober
- Oktober bringt oft heftige Verluste, beendet aber häufig auch Abwärtsphasen
Die auffällige Ruhe an den Aktienmärkten im Juli 2026 ist womöglich das eigentliche Warnsignal. Der Optionsstratege Lawrence McMillan verweist in einer Kolumne für MarketWatch darauf, dass der Juli der schwankungsärmste Monat des Jahres ist und die Volatilität damit an ihrem saisonalen Tiefpunkt liegt, bevor sie ab August historisch anspringt. Für Anleger bedeutet das den Eintritt in jene Phase, die über Jahrzehnte die heftigsten Ausschläge gebracht hat.
Der Juli ist die Ruhe, nicht der August
Anders als das gängige Bild vom stillen Sommer sei nicht der August, sondern der Juli der wirklich ruhige Monat, so McMillan. Ein Vergleich der Volatilität im Jahresverlauf, den er bis 1989 zurückverfolgt, zeigt ein wiederkehrendes Muster: ein erster Anstieg im Frühjahr, besonders ausgeprägt im März 2020 und im April 2025, danach eine lange Beruhigung, während der Markt bis in den Juli hinein steigt oder zumindest gelassen bleibt. Der Volatilitätsindex VIX erreicht dabei sein Jahrestief, und dort steht er derzeit, im Juli 2026.
Ab August springt die Volatilität an
Von diesem Tief aus dreht das Bild. Ab August nehme die Schwankungsbreite spürbar zu, oft begleitet von Turbulenzen, die bis in den Oktober reichen, erklärt McMillan. Der Oktober habe historisch einige der schwersten Kurseinbrüche gebracht, zugleich aber auch viele Bärenmärkte beendet, weil der Markt in diesem Monat mehrfach seinen Boden fand. Danach falle die Volatilität zum Jahresende, und die Kurse zögen häufig wieder an. Nicht jedes Jahr folge diesem Ablauf exakt, doch das Grundmuster sei stabil, und der Anstieg im August erwische Händler regelmäßig unvorbereitet.
Wie heftig die Ausschläge werden können
Wie extrem solche Phasen ausfallen können, zeigt McMillans Verweis auf den Herbst 2008. Damals schnellten volatilitätsgebundene Produkte mit Verfall im September und Oktober um rund 600 Prozent nach oben, während vergleichbare Papiere mit Verfall im Februar 2009 nur gut zehn Prozent gewannen. Weil der S&P 500 und der VIX sich gegenläufig bewegen und die kurzfristigen Kontrakte in einem Einbruch am schnellsten reagieren, zieht McMillan den Schluss, dass eine Absicherung eher über nahe als über ferne Termine wirkt. Für die eigene Positionierung bleibt das seine Einschätzung, keine allgemeingültige Regel.
Der nächste belastbare Prüfstein ist der Kalender selbst. Ob die Volatilität dem Muster folgt, entscheidet sich mit dem Start in den August.
Julia Walter, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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