Alphabet-Aktie im Fokus: Neuer KI-Chef soll Rückstand auf OpenAI und Anthropic aufholen
Nach chaotischen Wochen bei Google DeepMind bekommt die KI-Sparte einen neuen Chef, doch ausgerechnet jetzt spitzt sich der Wettlauf mit OpenAI und Anthropic weiter zu.
- Koray Kavukcuoglu übernimmt die operative Führung von Google DeepMind
- Demis Hassabis wird Alphabet-Chefwissenschaftler und Chairman von DeepMind
- Der Wechsel fällt in eine Phase harten Wettbewerbs mit OpenAI und Anthropic
Google vollzieht den seit Wochen erwarteten Wechsel an der Spitze seiner KI-Forschungseinheit: Koray Kavukcuoglu übernimmt als Senior Vice President die operative Führung von Google DeepMind und berichtet künftig direkt an Alphabet-Chef Sundar Pichai, während Demis Hassabis als Chairman und neuer Chefwissenschaftler des Konzerns eine strategischere Rolle einnimmt. Für Anleger rückt damit die Frage in den Vordergrund, ob der Umbau der Google-KI-Sparte den Rückstand im Wettlauf gegen OpenAI und Anthropic verkürzt oder die Verunsicherung um die Aktie eher verstärkt.
Von Hassabis zu Kavukcuoglu: der Wechsel mit Ansage
Kavukcuoglu hatte im vergangenen Jahr bereits zunehmend Aufgaben von Hassabis übernommen, etwa bei der Modellentwicklung und der Präsentation großer Gemini-Veröffentlichungen, wie eine mit dem DeepMind-Team vertraute Person berichtete. Hassabis' bisherige Amtszeit war dagegen klar auf Bereiche wie multimodale Systeme, Weltmodelle und die Gesundheitsforschung mit Isomorphic Labs ausgerichtet. Branchenanalyst Ray Wang von Constellation Research wertet die Beförderung als Signal, dass Google nun stärker auf Umsetzung als auf Grundlagenforschung setzt. Nick Patience von Futurum Group sieht die erste Bewährungsprobe für Kavukcuoglu darin, ein neues Spitzenmodell zuverlässig auszuliefern und danach einen planbaren Veröffentlichungsrhythmus zu etablieren.
Vier Schwergewichte weg, ein neues Startup entsteht
Der Umbau reiht sich in eine Serie prominenter Abgänge ein. Vier langjährige Führungskräfte, angeführt von Jeff Dean, verließen den Konzern in der vergangenen Woche, um mit der Firma Discovery Loop ein eigenes Unternehmen zu gründen, das nach eigenen Angaben maschinelles Lernen, Wissenschaft und Technik stärker automatisieren soll. Google bezeichnete die Trennung als einvernehmlich und kündigte an, sich an dem neuen Startup zu beteiligen. Aus Sicht von Marktbeobachtern muss Kavukcuoglu nun genau jene Kompetenz in Programmierung und Modelltraining wiederaufbauen, die mit den jüngsten Abgängen verloren ging.
Alphabet-Aktie unter Wettbewerbsdruck durch OpenAI und Anthropic
Der Führungswechsel trifft eine ohnehin angespannte Phase für Google DeepMind. Die Veröffentlichung der als Flaggschiff angekündigten neue Gemini-Version verzögerte sich, was Anleger als Tempoverlust gegenüber den Rivalen werten. Sowohl OpenAI als auch Anthropic konnten in diesem Sommer jeweils eine prominente Fachkraft von Google abwerben, was den Eindruck verstärkt, der Konzern verliere im Wettlauf um KI-Talente an Boden.
London verliert an Gewicht, Mountain View gewinnt
Die Neuordnung verschiebt zugleich das Kräfteverhältnis innerhalb von DeepMind geografisch. Bislang war die Einheit in London verankert, wo auch Hassabis als bisheriger Chef ansässig blieb, während Kavukcuoglu bereits für seine vorherige Rolle von London ins kalifornische Mountain View wechselte. Patience deutet den Schritt als leise Verlagerung der KI-Führung aus London heraus. Ein Google-Sprecher widersprach dieser Lesart und betonte weiterhin ein klares Bekenntnis zum Standort London.
Der nächste belastbare Datenpunkt für Anleger dürfte der tatsächliche Veröffentlichungstermin des nächsten großen Gemini-Modells sein. Erst dann zeigt sich, ob die neue Führungsstruktur unter Kavukcuoglu tatsächlich für mehr Tempo sorgt oder der Umbau zunächst weitere Unsicherheit in die KI-Sparte trägt.
Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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