Zahlen im Blick

Volkswagen-Aktie deutlich im Minus: Halbjahresbilanz zeigt Schwäche


Volkswagen-Aktie deutlich im Minus: Halbjahresbilanz zeigt Schwäche

Der VW-Konzern hat im zweiten Quartal noch weniger verdient als im ohnehin schon schwachen Vorjahreszeitraum.

Zudem kappte VW-Chef Oliver Blume den Umsatzausblick für das Jahr. Statt ein Umsatzplus von bis zu 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet der Manager nun 2026 nur noch im besten Fall eine stabile Entwicklung, es könnte aber auch bis zu 3 Prozent weniger Erlös werden, wie der Wolfsburger DAX-Konzern am Freitag mitteilte.

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Im zweiten Quartal zog der Umsatz zwar um zwei Prozent auf 82,4 Milliarden Euro an, nach den ersten sechs Monaten ist die Bilanz damit aber bisher nur fast ausgeglichen. Das operative Ergebnis sackte im Quartal um rund ein Zehntel auf 3,47 Milliarden Euro ab, es fiel damit schwächer aus als von Experten erwartet. Unter dem Strich ging der Gewinn sogar um rund ein Drittel auf 1,54 Milliarden Euro zurück.

Die VW-Vorzugsaktie fiel via XETRA schließlich als DAX-Schlusslicht um 2,03 Prozent auf 71,46 Euro. In diesem Jahr hat das Papier ohnehin eine schwache Entwicklung genommen und fast ein Drittel an Wert eingebüßt. Auch bei der Sportwagentochter Porsche AG und der Dachgesellschaft Porsche SE ging es nach unten.

Laut dem Experten Jose Asumendi von der US-Bank JPMorgan hat der Konzern mit seinen Zahlen die Erwartungen verfehlt. Fachmann Philippe Houchois vom Analysehaus Jefferies sah Erklärungsbedarf dahingehend, dass der operative Gewinn zwar unter der Markterwartung liege, der Jahresausblick hinsichtlich der Margen aber beibehalten worden sei. Den freien Barmittelzufluss des Autokonzerns bezeichnete er derweil als solide.

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China drückt auf Verkaufszahlen

Die Auslieferungen fielen konzernweit um fast 9 Prozent auf 2,08 Millionen Fahrzeuge, wie der Konzern bereits zuvor mitgeteilt hatte. Auf dem wichtigen Markt China sackten die Verkäufe sogar um mehr als ein Drittel auf 424.300 Fahrzeuge ab. Abseits Chinas sah es dagegen im Verkauf etwas besser aus.

Zölle, Kriege, geopolitische Spannungen und härter werdende Konkurrenz in und aus China sorgten für Gegenwind, hatte Konzernchef Oliver Blume bereits im Frühjahr erklärt. Er plant daher neue Sparmaßnahmen mit deutlichen Einschnitten: Bis zu 50.000 Stellen weltweit und vier Werke in Deutschland stehen auf dem Prüfstand - zusätzlich zu den 50.000 Jobs, die bis 2030 bereits abgebaut werden sollen.

Unter anderem will das Management rund 11 Milliarden Euro an jährlichen Verwaltungskosten einsparen. Das ist ein Viertel der bisher einkalkulierten Kosten im indirekten Bereich, also außerhalb der Produktion. Bis Jahresende soll das neue Sparpaket möglichst festgezurrt sein, sagte Blume der Deutschen Presse-Agentur im Interview.

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Aber auch in den Werkshallen will Blume bei den Kapazitäten den Rotstift ansetzen. Der Konzern soll insgesamt auf eine Produktion von 9 Millionen Fahrzeugen jährlich getrimmt werden, rund eine Million weniger als derzeit und drei Millionen weniger als noch vor der Corona-Pandemie. Die Gewinnschwelle soll gar unter 8 Millionen Fahrzeugen erreicht werden. Die Zahl der Modelle will Blume um die Hälfte und die der verwendeten Komponenten gar um drei Viertel schrumpfen, das soll die Fertigung schlanker machen.

Widerstand gegen neue Sparpläne

Von Gewerkschaft und Betriebsrat kommt bereits kräftig Gegenwind gegen die Vorhaben. Ebenso vom Land Niedersachsen, das mit 20 Prozent an VW beteiligt ist und zwei Mitglieder im Aufsichtsrat stellt. Zusammen mit den Arbeitnehmern stellen sie dort die Mehrheit. In dem Gremium fielen die Pläne Berichten zufolge dann auch zunächst durch.

Bis 2030 hat Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben.

Renditeperlen weiter schwach

Nach wie vor läuft es bei den einstigen Renditebringern Audi und Porsche nicht rund. Im zweiten Quartal ging der Umsatz bei Audi von 17,1 auf 15 Milliarden Euro zurück, das operative Ergebnis fiel noch einmal etwas schwächer aus als ein Jahr zuvor. VW-Finanzchef Arno Antlitz wollte der Ingolstädter Tochter vor deren Zahlenpräsentation am Anfang kommender Woche nicht vorgreifen, verriet aber dennoch, dass Audi seine Jahresprognose einer operativen Marge von 6 bis 8 Prozent auf 5 bis 7 Prozent senken dürfte.

Beim Sportwagenbauer Porsche AG sank der Umsatz im Autogeschäft - also ohne die Finanzdienstleistungen gerechnet - von 8,3 auf 7,8 Milliarden Euro. Der operative Gewinn erholte sich nach den hohen Sonderkosten im Vorjahreszeitraum etwas von 154 Millionen auf 692 Millionen Euro. Die operative Marge im Tagesgeschäft blieb mit 8,9 Prozent aber weit unter dem früher gewohnten Niveau der Zuffenhausener.

Porsche steckt ebenfalls in einem großen Umbau und will weitere Stellen streichen. Der Aufsichtsrat der VW-Tochter unterstützte in dieser Woche Pläne des Managements dahingehend. In Medienberichten ist von zusätzlich 5.000 wegfallenden Stellen bei den Stuttgartern die Rede, Details sind noch nicht offiziell bekannt. Im Gegenzug könnte das Porsche-Management aber eine Ausweitung der Beschäftigungssicherung bis 2035 mit den dann verbleibenden Arbeitnehmern vereinbaren.

Für Gespräche über eine erweiterte Jobgarantie bei VW selbst sei es noch zu früh, sagte Blume am Freitag. Dafür müssten die Bedingungen stimmen. Zunächst müsse darüber gesprochen werden, wie Verwaltungs- und Arbeitskosten bei den Marken, den Töchtern und in den Regionen gesenkt werden könnten.

Blume will VW-Sparpaket bis Jahresende festzurren

VW-Chef Oliver Blume strebt eine Verabschiedung seines neuen Sparpakets für den Konzern noch in diesem Jahr an. Sein Ziel sei es, dazu bis Jahresende Beschlüsse im Aufsichtsrat zu treffen, sagte Blume im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. "Wir gehen davon aus, dass wir bis Jahresende dort ein großes Stück weiter sind."

Vor zwei Wochen waren die Sparpläne erstmals im VW-Aufsichtsrat behandelt worden und bei Arbeitnehmervertretern und dem an VW beteiligten Land Niedersachsen auf Widerstand gestoßen. Vier Werke und bis zu 50.000 Stellen zusätzlich stehen auf der Kippe. Das Kontrollorgan habe sich vor zwei Wochen erstmals umfassend mit dem Thema befasst, sagte Blume. "Dort gab es sehr konstruktive, aber auch kontroverse Diskussionen. Wir haben dort noch keinen umfassenden Beschluss treffen können."

Berichten zufolge soll das Gremium die Pläne in der Abstimmung sogar klar abgelehnt haben: Mit den Stimmen von Niedersachsen und Arbeitnehmern, die derzeit 12 der 19 Mitglieder des Gremiums stellen, sei das Paket abgelehnt worden, berichtete die "Süddeutsche Zeitung".

Ringen um Sparpaket geht im September weiter

Im September solle es aber eine weitere Sitzung dazu geben, kündigte Blume an. "Und ich bin auch fest davon überzeugt, da dieses Paket so groß ist, wird es auch noch weitere Sitzungen in diesem Jahr dazu geben", so Blume. "Jetzt geht es erst mal um den großen Rahmen, den wir dort vereinbaren." Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass dies bis Jahresende gelingen werde. "Da gehe ich schon fest davon aus, dass wir das in diesem Jahr machen müssen."

Blume sprach von der größten Transformation der Konzerngeschichte. "Es geht hier nicht um ein reines Sparpaket, es ist das umfassendste und tiefgreifendste Transformationspaket, was wir je im Volkswagen-Konzern aufgesetzt haben." Dabei gehe es auch um Produkte, Technologien, Wettbewerbsfähigkeit und Strukturen.

Nur rund ein Fünftel davon sei zustimmungspflichtig im Aufsichtsrat, so Blume, etwa "wenn es um Werke geht, wenn es um Personalanpassungen geht, aber auch wenn es um Strukturen im Volkswagen-Konzern geht". Die übrigen 80 Prozent könne der Vorstand auch so umsetzen. Und damit habe er auch schon begonnen. "Wir haben gerade in diesem Risikoszenario keine Zeit zu verlieren", so Blume. So hat der Konzern bereits angekündigt, die Zahl der Modellvarianten deutlich zu verringern.

"Wir werden das Schritt für Schritt machen", sagte Blume. "Wir sind aber fest davon überzeugt, dass das der richtige Weg ist, und wir als Vorstand haben dort klare Vorschläge gemacht, wie der Volkswagen-Konzern in Zukunft zu entwickeln ist." Mit einem festen Enddatum für den Umbau rechne er aber nicht. "Dieser Transformationsplan ist kein Projekt mit einem Anfang und einem Ende. Wir gehen von einer dauerhaften Transformation aus."

Blume: "Krise der gesamten Automobilindustrie"

Allerdings, so Blume, sei nicht nur Volkswagen in der Krise. "Es wird immer von einer VW-Krise gesprochen", so Blume. Doch das sei nicht richtig. "In Realität geht es um eine Krise der gesamten Automobilindustrie." Darauf habe Europas größter Autobauer bereits reagiert.

"Wir haben in den letzten Jahren den Volkswagen-Konzern komplett neu ausgerichtet und deshalb behaupten wir uns robust im Wettbewerb. Wir sehen aber auch, dass die Risiken für die Zukunft eher zunehmen", so Blume. "Wir sind dort auf dem richtigen Pfad, müssen aber weiterhin hart an den Kosten arbeiten, um mehr Geld mit unseren Fahrzeugen zu verdienen, um dann auch die Zukunftsinvestitionen leisten zu können."

Noch keine Details zum Stellenabbau

Mit Blick auf die 50.000 Stellen, die weltweit zusätzlich wegfallen könnten, sprach Blume von einer zunächst nur rechnerischen Größe, die sich aus den angestrebten Kostensenkungen ergäbe. "Diese 50.000 sind zunächst erstmal theoretisch", so Blume.

"Wir sind aktuell dabei, das über die Marken, über die Gesellschaften und Regionen im Detail zu ermitteln, welche Personalanpassungen dort nötig und möglich sind, und werden das dann nochmal mit angemessenen Arbeitskosten verbinden." Details gebe es dazu noch nicht.

Der Stellenabbau käme zu den bereits 2024 vereinbarten Einsparungen hinzu. Bis 2030 hat Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben.

VW hatte zugesagt, den Abbau sozialverträglich zu gestalten und setzt vor allem auf Altersteilzeit und Abfindungen. Betriebsbedingte Kündigungen wurden bis 2030 ausgeschlossen.

Werksschließungen nur als letzte Option

Mit Blick auf mögliche Werksschließungen in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm sprach Blume nur von einer letzten Option, die er gern vermeiden möchte. Für die vier Werke gebe es derzeit noch keine "wettbewerbsfähige Belegung" für die 2030er-Jahre. Doch, so Blume: "Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen. Das ist immer die letzte Option."

Ziel müsse es zunächst sein, die Wettbewerbsfähigkeit der Standorte im europäischen Vergleich zu steigern. Rüstung sei eine Option, an die VW vor allem in Osnabrück denke. Und auch der Bau chinesischer Modelle werde geprüft. Dabei gehe es aber nur um eigene Modelle von VW, die der Konzern bisher nur in China anbietet, und auch nur um Segmente, in denen VW in Europa bisher nichts im Angebot habe.

Konkurrenz wie BYD oder Geely ins eigene Haus holen will sich Blume dabei nicht. Das habe VW mit seinem starken China-Engagement auch gar nicht nötig. "Deshalb denken wir nicht über Wettbewerber nach, die wir hier in unsere Fabriken holen, sondern dann eher über eigene Produkte, die wir in China haben."

WOLFSBURG (dpa-AFX)

Bildquellen: Gl0ck / Shutterstock.com, Bocman1973 / Shutterstock.com

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