Ziele wackeln

Lufthansa-Aktie unter Druck: Flugkonzern kassiert Gewinn-Ausblick - droht jetzt ein Ergebnisrückgang?


Lufthansa-Aktie unter Druck: Flugkonzern kassiert Gewinn-Ausblick - droht jetzt ein Ergebnisrückgang?

Lufthansa passt ihre Ergebnisprognose für 2026 an. Grund sind unter anderem die hohe Kerosinpreis-Volatilität.

Teures Kerosin und Streiks der eigenen Crews haben der Lufthansa im Frühsommer zugesetzt. Vorstandschef Carsten Spohr hält für 2026 nun auch einen Rückgang des operativen Gewinns für möglich. Höhere Ticketpreise konnten die gestiegenen Treibstoffkosten bisher nicht vollständig ausgleichen. Zugleich buchen die Kunden deutlich kurzfristiger und die Kerosinpreise schwanken stark.

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Lufthansa senkt Gewinnerwartungen für 2026

Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (bereinigtes EBIT) dürfte 2026 nun 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro erreichen. Noch im Mai hatte Spohr angekündigt, den Vorjahreswert von 1,96 Milliarden Euro "deutlich" übertreffen zu wollen.

Deutsche Bank Research sieht das gekappte Ergebnisziel gemessen an den Markterwartungen derweil nicht als größeres Problem. Analyst Jaime Rowbotham verwies jedoch darauf, dass Lufthansa trotz des gestutzten Investitionsplans ihr Jahresziel für den Free Cashflow bestätigt habe. Dies könnte die Aktie belasten. Die Deutsche Bank belässt die Einstufung für Lufthansa auf "Hold" mit einem Kursziel von 8 Euro.

Hohe Kerosinkosten und Streiks belasten Ergebnis

Im zweiten Quartal sackte der bereinigte operative Gewinn um 56 Prozent auf 383 Millionen Euro ab. Der Umsatz stieg dagegen um acht Prozent auf 11,1 Milliarden Euro. Unter dem Strich brach der Überschuss auch wegen eines positiven Steuereffekts aus dem Vorjahr und aktueller Belastungen um 88 Prozent auf 123 Millionen Euro ein. Damit verdiente die Lufthansa weniger als von Analysten im Schnitt erwartet.

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Die Mehrausgaben für Kerosin infolge des Iran-Kriegs bezifferte die Lufthansa im zweiten Quartal auf rund 750 Millionen Euro. Das gilt trotz einer Absicherung von mehr als 80 Prozent des Treibstoffbedarfs mit Finanzprodukten. Die Streiks von Spartengewerkschaften rund um die 100-Jahr-Feier im April belasteten das Ergebnis zusätzlich mit rund 150 Millionen Euro. Positive Ergebnisbeiträge kamen hingegen erneut von Lufthansa Technik und Lufthansa Cargo.

Finanzchef Till Streichert zufolge konnte der Konzern rund 60 Prozent der höheren Kerosinkosten durch höhere Ticketpreise kompensieren. Auch im zweiten Halbjahr dürften die Preise steigen. Konzernchef Spohr zufolge sei das Reisen weniger preissensibel als von der Branche möglicherweise angenommen. "Die Menschen wollen fliegen, und sie können es sich auch zu höheren Preisen leisten."

Versorgung mit Flugtreibstoff entspannt sich

Die nach Beginn des Iran-Kriegs angespannte Versorgungslage mit Flugtreibstoff hat sich laut Spohr in den vergangenen Wochen normalisiert. Die Raffinerien hätten ihre Kapazitäten erhöht, zudem seien neue Versorgungsketten etwa aus Nigeria aufgebaut worden. Das Risiko von Flugausfällen wegen Kerosinmangels habe sich dadurch weiter reduziert.

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Trotz der anhaltenden Preisschwankungen sollen die Treibstoffkosten im Gesamtjahr auf 8,7 Milliarden Euro steigen. Das sind 200 Millionen Euro weniger als noch im Mai erwartet. Dabei wirkt sich auch das inzwischen reduzierte Flugangebot aus.

Vom Iran-Krieg profitierte die Lufthansa zugleich teilweise, weil Wettbewerber wie Emirates und Qatar Airways ihre Drehkreuze am Persischen Golf während der Kämpfe zeitweise schließen mussten. Dadurch konnte die Lufthansa insbesondere auf den Asien-Strecken deutlich höhere Ticketerlöse erzielen. Inzwischen seien die Golf-Airlines jedoch wieder vollständig im Flugbetrieb und agierten mit niedrigen Preisen.

Lufthansa reduziert Flugangebot

Die Lufthansa verabschiedete sich von ihren Plänen, das Flugangebot 2026 auszuweiten. Anfang des Jahres hatte der Vorstand noch ein Wachstum von bis zu vier Prozent angekündigt, Anfang Mai waren es bis zu zwei Prozent. Nun soll das Gesamtangebot im laufenden Jahr stagnieren. Perspektivisch will der Konzern vor allem auf der Langstrecke wachsen. Zugleich wird eine weitere Reduzierung des Europaangebots um ein Prozent geprüft.

Im Zuge der Streiks hatte der Konzern die Regionaltochter Lufthansa Cityline früher als ursprünglich geplant eingestellt. Dadurch wurden rund 20.000 Europaflüge im Sommerflugplan gestrichen. Konzernweit sank die Zahl der Fluggäste im zweiten Quartal auch deshalb um vier Prozent auf 35,6 Millionen.

Während Lufthansa Cargo und Lufthansa Technik ihre bereinigten operativen Gewinne steigern konnten, geriet das Passagiergeschäft unter Druck. Die Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss, Austrian, Brussels und Ita erzielten im zweiten Quartal einen bereinigten operativen Gewinn von 137 Millionen Euro, fast eine halbe Milliarde Euro weniger als im Vorjahr. Die Punkt-zu-Punkt-Airlines wie Eurowings rutschten wegen Belastungen beim Ableger Sunexpress mit 37 Millionen Euro in die Verlustzone.

Lufthansa-Aktie fällt auf Zweimonatstief

Am Finanzmarkt kamen die Nachrichten sehr schlecht an. Die Lufthansa-Aktie verlor am Dienstag auf XETRA schlussendlich 8,21 Prozent auf 8,48 Euro. Damit fielen die Papiere auf den tiefsten Stand seit fast zwei Monaten und lagen am Ende des MDAX.

Charttechnisch trübte sich das Bild ebenfalls ein: Die viel beachtete 200-Tage-Linie für den längerfristigen Trend drohte zu reißen. Am Vortag hatten die Lufthansa-Aktien bei Kursen von bis zu fast 9,50 Euro noch deutlich von den gesunkenen Ölpreisen profitiert.

Analyst Jaime Rowbotham von der Deutschen Bank sieht die bestätigte Free-Cashflow-Prognose trotz des gestutzten Investitionsplans als Belastungsfaktor für die Aktie. Das gekappte Ergebnisziel sei gemessen an den Markterwartungen dagegen kein größeres Problem.

dpa (AFX)

Bildquellen: Bocman1973 / Shutterstock.com, 360b / Shutterstock.com

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