Ethereum am Scheideweg: Wal-Käufe nähren die Hoffnung auf Bodenbildung
Ethereum handelt weiterhin deutlich unter seinem realisierten Preis, während große Adressen so aggressiv akkumulieren wie seit Jahren nicht mehr.
• ETH dotiert deutlich unter seinem realisierten Preis von 2.450 US-Dollar
• Adressen mit 10.000 bis 100.000 ETH halten mit 19,6 Millionen Token einen Rekordwert
• Kapital bleibt überwiegend in Bitcoin geparkt statt breit in Ethereum oder andere Altcoins zu rotieren
Ausgangslage: ETH/BTC erreicht Ende Juli ein 3-Monats-Hoch
Der Ethereum-Kurs legte in den 30 Tagen bis Ende Juli um 19,6 Prozent zu und übertraf damit den Bitcoin-Kurs deutlich. Das ETH/BTC-Verhältnis kletterte in diesem Zeitraum auf 0,03, den höchsten Stand seit drei Monaten. Ein Report von CryptoQuant vom 23. Juli ordnete die Bewegung als Verbilligung statt als abgeschlossene Kapitulation ein: ETH notierte damals bei rund 1.900 US-Dollar und damit 17 Prozent unter seinem realisierten Preis von 2.304 US-Dollar. Laut CryptoQuant hatten damals erst zwei von fünf beobachteten Signalen das historische Bodenniveau erreicht.
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Whale-Akkumulation erreicht Rekordwerte
CryptoQuant hat am 5. August neue Daten veröffentlicht. Demnach sind die Bitcoin-Bestände großer Adressen - ohne Börsen, Mining-Pools, ETFs und Treasury-Firmen - von 2,87 Millionen BTC im Dezember 2025 auf rund 3,06 Millionen BTC gestiegen und liegen damit weiterhin unter dem 2025er-Hoch von rund 3,23 Millionen BTC. Die Käufe haben sich laut CryptoQuant seit Juni 2026 beschleunigt, zeitgleich mit dem Rückgang des Bitcoin-Kurses unter 60.000 US-Dollar.
Bei Ethereum zeigt sich ein ähnliches Bild: Wallets mit 10.000 bis 100.000 ETH halten mit 19,6 Millionen Token einen Rekordwert. Laut CryptoQuant haben kleinere Halter im selben Zeitraum tendenziell verkauft, wodurch sich die Bestände zunehmend auf größere Adressen konzentrieren. Der Bitcoin-Kurs lag in den ersten Augusttagen bei rund 64.000 US-Dollar und damit oberhalb des von CryptoQuant genannten realisierten Preises von 52.900 US-Dollar. Ether notierte bei rund 1.858 US-Dollar und damit unterhalb seines realisierten Preises von 2.450 US-Dollar.
Bitcoin-Dominanz bremst die Rotation
Laut CoinDCX relativiert der breitere Marktkontext die Ethereum-Stärke etwas: Die Bitcoin-Dominanz habe am 6. August bei rund 56,5 Prozent gelegen, Ethereum bei etwa 10 Prozent. Der Altcoin Season Index sei unterhalb der neutralen 50er-Marke geblieben, historisch ein Zeichen dafür, dass Kapital weiterhin überwiegend in Bitcoin verbleibe, statt breit in Altcoins wie ETH zu rotieren. Eine echte Altcoin-Season würde laut CoinDCX erst bei einem nachhaltigen Anstieg des Index über 75 sowie einer gleichzeitig fallenden Bitcoin-Dominanz bei breiter Marktbeteiligung beginnen.
Später Bärenmarkt, kein bestätigter Boden
CryptoQuant selbst stuft die aktuelle Phase als spätes Stadium eines Bärenmarkts ein, nicht als bestätigten Boden. Die Analysten weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Kurse noch weiter fallen könnten. "Whale"-Akkumulation entziehe dem Markt zwar Verkäufer, erzeuge aber noch keine neue Nachfrage. Laut Crypto Economy sieht 10x Research eine Bestätigung der Bärenmarkt-Wende erst bei einem nachhaltigen Bitcoin-Monatsschluss über 63.000 US-Dollar, während K33 in einer Analyse vom 7. Juli darauf hinwies, dass Zyklustiefs historisch meist wenige Wochen erreicht würden, nachdem mehr als die Hälfte des zirkulierenden Angebots in der Verlustzone notiere.
Markus Maier, Redaktion finanzen.net
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