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Bitcoin in Gefahr? Wall Street und Krypto rüsten gegen Quantencomputer auf


Bitcoin in Gefahr? Wall Street und Krypto rüsten gegen Quantencomputer auf

Neun der einflussreichsten Namen aus Finanz- und Kryptowelt haben sich zusammengetan, um Bitcoin gegen eine Bedrohung zu wappnen, die schneller näher rückt als bislang angenommen.

• BlackRock, Coinbase, Strategy und sechs weitere Firmen gründen das Bitcoin Security Consortium
• US-Regierung setzt mit einer Verordnung eigene Fristen für die Umstellung auf quantensichere Kryptografie
• Innerhalb der Bitcoin-Community tobt ein Streit über radikale Gegenmaßnahmen

Wer hinter der Bitcoin Security Consortium steht

Am 23. Juli 2026 gaben Anchorage Digital, ARK Invest, BlackRock, Block, Blockstream, Coinbase, Fidelity Digital Assets, Galaxy Digital und Strategy die Gründung des Bitcoin Security Consortium bekannt, wie aus der offiziellen Pressemitteilung von Strategy hervorgeht. Die neun Gründungsmitglieder decken nahezu jeden institutionellen Bitcoin-Bereich ab: Vermögensverwalter, Verwahrstellen, Börsenbetreiber, Infrastrukturanbieter und die weltweit größte börsennotierte Bitcoin-Treasury-Gesellschaft Strategy, die laut Angaben des Unternehmens mehr als 847.000 BTC hält.

Die operative Koordination übernimmt Mike Schmidt, Geschäftsführer der Non-Profit-Organisation Brink, die Open-Source-Entwickler im Bitcoin-Ökosystem finanziert und unterstützt. Ausdrücklich betont wird in der Mitteilung, dass das Konsortium keine Rolle in der Bitcoin-Governance einnehmen und keine Position zu konkreten Protokolländerungen beziehen wird. "Bitcoin Core-Entwickler leisten unglaublich wichtige Arbeit, und wir freuen uns, dass unser Unternehmen und die anderen in dieser Gruppe nun erhebliche zusätzliche Mittel für die langfristigen Sicherheitsbedürfnisse von Bitcoin bereitstellen werden", sagte Robert Mitchnick, globaler Leiter des Digital-Assets-Geschäfts bei BlackRock, laut der Pressemitteilung. Strategy-Chef Phong Le begründete das Engagement mit dem Eigeninteresse langfristiger Halter: Wer Bitcoin über Generationen sicher wissen wolle, habe jeden Anreiz, die entsprechende Entwicklungsarbeit zu finanzieren, erklärte er in derselben Mitteilung.

Google-Studie als Auslöser der Debatte

Die Gründung des Konsortiums lässt sich nicht von einer Forschungsarbeit trennen, die das Google Quantum AI-Team gemeinsam mit Wissenschaftlern der Ethereum Foundation und der Stanford University am 30. März 2026 veröffentlichte, wie das Fachportal The Quantum Insider berichtet. Die Studie untersuchte, wie viel Quantenrechenleistung nötig wäre, um die elliptische Kurvenkryptografie zu brechen, auf der Bitcoin und Ethereum basieren.

Frühere Schätzungen des Forschers Daniel Litinski aus dem Jahr 2023 waren von rund neun Millionen physischen Qubits ausgegangen. Das Google-Team identifizierte eine Schaltungsoptimierung, die denselben Effekt mit weniger als 500.000 physischen Qubits erreicht, eine Reduktion um etwa das 20-Fache, wie aus dem Whitepaper hervorgeht. Unter bestimmten Bedingungen könnte ein solcher Angriff auf eine laufende Bitcoin-Transaktion in rund neun Minuten gelingen, berichtet The Quantum Insider unter Berufung auf die Studie. Justin Drake, Mitautor der Studie und Forscher der Ethereum Foundation, teilte mit, sein Vertrauen in das Erscheinen eines quantenfähigen Rechners bis 2032 sei "deutlich gestiegen"; er beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass ein privater Schlüssel bis dahin aus einem offengelegten öffentlichen Schlüssel rekonstruiert werden kann, auf mindestens zehn Prozent. Ein Quantencomputer mit dieser Kapazität existiert nach heutigem Stand nicht, betont sowohl die Studie selbst als auch die Pressemitteilung der Bitcoin Security Consortium.

Wie gefährdet Bitcoin durch Quantencomputer wirklich ist

Bitcoins Sicherheit beruht darauf, dass sich aus einem öffentlichen Schlüssel praktisch nicht auf den privaten Schlüssel zurückrechnen lässt, solange nur klassische Rechner zur Verfügung stehen. Sobald ein Nutzer eine Transaktion versendet, wird jedoch der öffentliche Schlüssel dauerhaft und unveränderlich auf der Blockchain sichtbar. Nach Angaben des Nachrichtenportals Tech Times, das sich auf den BIP-361-Vorschlagstext bezieht, waren im März 2026 mehr als 34 Prozent aller im Umlauf befindlichen Bitcoin, umgerechnet rund 6 Millionen Coins, mit einem dauerhaft offengelegten öffentlichen Schlüssel verknüpft.

Diese Menge teilt sich in zwei Kategorien auf. Etwa 1,92 Millionen BTC liegen in älteren Pay-to-Public-Key-Adressen, bei denen der öffentliche Schlüssel von vornherein sichtbar ist, darunter schätzungsweise 1,1 Millionen BTC, die weithin dem pseudonymen Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto zugeschrieben werden. Weitere rund 4,12 Millionen BTC wurden durch Mehrfachnutzung von Adressen oder bereits ausgeführte Transaktionen offengelegt, wie aus der On-Chain-Analyse von Glassnode hervorgeht, die in den BIP-361-Vorschlag eingeflossen ist. Kryptografen bezeichnen das daraus resultierende Risiko als "Harvest now, decrypt later": Ein Angreifer mit ausreichenden Ressourcen könnte schon heute exponierte Schlüssel sammeln, um sie erst dann zu entschlüsseln, wenn ein leistungsfähiger Quantencomputer zur Verfügung steht. Zusätzlich beschreibt The Quantum Insider ein spezifisches Risiko für Bitcoin, den sogenannten On-Spend-Angriff: In dem kurzen Zeitfenster zwischen dem Versenden und der Bestätigung einer Transaktion könnte ein Quantencomputer theoretisch den privaten Schlüssel berechnen und eine konkurrierende Transaktion mit höherer Gebühr einschleusen, noch bevor die ursprüngliche bestätigt wird.

Gegenmaßnahmen und Streit ums Einfrieren

Parallel arbeitet die technische Community an Protokolländerungen. Der im Februar 2026 eingereichte Vorschlag BIP-360 verbirgt öffentliche Schlüssel bis zum Ausgabezeitpunkt und gilt laut seinen Autoren als erster Schritt, nicht als vollständige Lösung. Deutlich umstrittener ist BIP-361 von Casa-CTO Jameson Lopp, der einen fünfjährigen Migrationsplan mit anschließendem Einfrieren nicht umgezogener Coins vorsieht. Kritiker bezeichneten den Vorschlag laut The Quantum Insider als "hochgradig autoritär", während Blockstream-Chef Adam Back in einem Bloomberg-Interview den praktischen Zeithorizont einer echten Bedrohung auf 20 bis 40 Jahre schätzte und für eine freiwillige Migration statt Zwang plädierte.

Paul Schütte, Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Natali_ Mis / Shutterstock.com, Parilov / Shutterstock.com

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