CLARITY Act: Bitcoin-Kursziel von 200.000 Dollar an sieben Hürden im Senat gekoppelt
Analysten koppeln ein mögliches Bitcoin-Kursziel von 200.000 US-Dollar an die Verabschiedung des CLARITY Act im US-Senat.
• Republikaner benötigen für die nötigen 60 Stimmen die Zustimmung von mindestens sieben Demokraten
• Das Kursziel von 200.000 US-Dollar gilt als Szenario mit rund 25 Prozent Wahrscheinlichkeit, nicht als feste Prognose
• Der Senat hat die Verfahrensabstimmung über den Antrag zur Aufnahme der Debatte auf den 15. September verschoben
CLARITY Act als möglicher Kurstreiber für Bitcoin
Der CLARITY Act soll erstmals einen bundesweiten Rechtsrahmen für digitale Vermögenswerte schaffen und festlegen, wie sich die Zuständigkeiten zwischen der Börsenaufsicht SEC und der Terminmarktaufsicht CFTC verteilen. Seit dem 1. Juni steht der Gesetzentwurf auf der Agenda des Senats, ohne dass es bislang zu einer konkreten Abstimmung gekommen ist. Für Marktbeobachter ist genau diese Zuständigkeitsklärung der eigentliche Hebel, weil sie die regulatorische Unsicherheit verringern und institutionellen Investoren einen verlässlicheren Zugang zum Kryptomarkt verschaffen könnte.
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Analysten sicher: CLARITY Act könnte Bitcoin kräftigen Rückenwind geben
Die Research-Abteilung FM Intelligence siedelt Bitcoin im kommenden Jahr in einer Bandbreite von 135.000 bis 200.000 US-Dollar an, sofern der CLARITY Act noch vor den Kongresswahlen im November unterzeichnet wird, wie BeInCrypto unter Berufung auf die veröffentlichten Szenarien schreibt. Diesem Szenario räumt das Analystenhaus eine Wahrscheinlichkeit von etwa 25 Prozent ein. Das eigentliche Basisszenario liegt mit 95.000 bis 130.000 US-Dollar deutlich niedriger, was den Abstand zwischen Best Case und realistischer Erwartung verdeutlicht. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass der CLARITY Act tatsächlich noch 2026 in Kraft tritt, ist laut Polymarket Prognosen seit Mitte Mai immer unwahrscheinlicher. Auch Galaxy Research senkte seine Prognose für eine Verabschiedung im laufenden Jahr laut The Block von 50 auf 30 Prozent.
Um die 200.000-Dollar-Marke zu erreichen, müsste sich der Bitcoin-Kurs ausgehend von seinem Durchschnittskurs laut statmuse im Juli 2026 von 63.866 US-Dollar, mehr als verdreifachen. Bewegung in diese Richtung gab es zuletzt dennoch: Nachdem US-Finanzminister Scott Bessent den Gesetzgebungsprozess am 21. Juli mit dem Bild beschrieben hatte, der Kongress stehe "auf der Ein-Yard-Linie", zog der Bitcoin-Kurs Richtung 67.000 US-Dollar an, wie BeInCrypto berichtet. Auch der Hedgefonds-Manager CK Zheng von ZX Squared Capital, der zuvor das Risikomanagement bei Credit Suisse leitete, sieht in der formalen Verabschiedung des Gesetzes einen möglichen Auslöser für eine neue Bullenmarktphase, weil institutionelle Anleger dann aus Angst, den Einstieg zu verpassen, schneller Positionen aufbauen könnten, wie BeInCrpyto unter Berufung auf einen Forbes-Artikel berichtet.
Sieben Hürden für den CLARITY Act im Senat
Die erste Hürde liegt paradoxerweise nicht bei erklärten Krypto-Gegnern. Sieben demokratische Senatoren, darunter Catherine Cortez Masto, Angela Alsobrooks, Cory Booker, Ruben Gallego, John Hickenlooper, Mark Warner und Raphael Warnock, wiesen den aktuellen Gesetzestext am 22. Juli in einer gemeinsamen Erklärung zurück, wie BeInCrypto berichtet. Alle sieben hatten im Juni 2025 noch für den GENIUS Act zur Stablecoin-Regulierung gestimmt, der mit 68 zu 30 Stimmen durch den Senat ging. Senatorin Elizabeth Warren lehnte dagegen schon damals ab und zählt daher nicht zu den eigentlich erreichbaren Stimmen.
Die zweite Hürde ist die 60-Stimmen-Schwelle für ein Ende der Debatte. Da die Republikaner nur 53 Sitze halten, braucht es mindestens sieben demokratische Stimmen, wie aus Senatsunterlagen hervorgeht, die The Block zitiert. Auch im republikanischen Lager fehlt Geschlossenheit: Senator Josh Hawley erklärte laut The Block, er stimme erst zu, wenn Fragen zur Einlagenabwanderung geklärt seien.
Die dritte Hürde betrifft die finanziellen Interessen des Präsidenten. Der Minderheitsstab des Bankenausschusses ermittelte für Trump mehr als 1,4 Milliarden US-Dollar an Krypto-Einnahmen im Jahr 2025, davon 799 Millionen US-Dollar über World Liberty Financial und 636 Millionen US-Dollar über den TRUMP-Meme-Coin, wie BeInCrypto berichtet.
Die vierte Hürde sind die Ethikregeln. Republikaner legten am 22. Juli eine überarbeitete Klausel vor, der Trump zustimmte. Senatorin Warren kritisierte Schlupflöcher, weil Generalstaatsanwälte sie nicht durchsetzen könnten und die Regelung mit Trumps Amtszeit auslaufe: "Dieses Gesetz sollte tot ankommen." Senator Thom Tillis und der Demokrat Ruben Gallego arbeiten laut Blocktrainer inzwischen an einem Gegenvorschlag, der Trump zum Verkauf bestimmter Krypto-Beteiligungen zwingen würde.
Die fünfte Hürde war der Zeitdruck vor der Sommerpause. Der 7. August galt laut Senatskalender als letzter Arbeitstag, verstrich aber ohne Abstimmung, weil die Demokraten dies laut einem Politico-Bericht verweigerten. Mehrheitsführer John Thune reichte daraufhin in einer Nachtsitzung am Samstagmorgen, dem 8. August, um 4:52 Uhr Ostküstenzeit einen Antrag auf Beendigung der Debatte ein, wie The Block berichtet. Die Verfahrensabstimmung über diesen Cloture-Antrag steht damit fest auf Dienstag, den 15. September, um 14:15 Uhr Ostküstenzeit.
Die sechste Hürde ist das enge Zeitfenster im September selbst: Die Senatoren kehren am 14. September zurück und verlassen Washington bereits am 5. Oktober wieder für den Midterm-Wahlkampf.
Die siebte Hürde ist die Abstimmung zwischen den Kongresskammern. Der Bankenausschuss brachte den Entwurf am 14. Mai mit 15 zu 9 Stimmen durch, der Senat legte danach einen eigenen, rund 300 Seiten umfassenden Text vor, wie BeInCrypto schildert. Das Repräsentantenhaus hatte bereits im Juli 2025 eine andere Fassung mit 294 zu 134 Stimmen verabschiedet, ein Vermittlungsverfahren steht damit weiterhin im Raum.
Wie Citi und Standard Chartered den CLARITY Act einschätzen
Während Analysten das Aufwärtsszenario an das Gesetz koppeln, zeigt sich bei den großen Investmentbanken ein gegensätzliches Bild. Citi senkte sein Zwölf-Monats-Kursziel für Bitcoin am 1. Juli auf 82.000 US-Dollar und nahm damit im laufenden Jahr bereits die zweite Korrektur vor. Zum Jahresstart hatte die Bank noch 143.000 US-Dollar erwartet, im März folgte eine erste Reduktion auf 112.000 US-Dollar. Im Verlauf des Jahres hat sich das Kursziel damit eines um 43 Prozent verringert, wobei Citi jeweils den stockenden Gesetzgebungsprozess und nicht veränderte fundamentale Daten zu Bitcoin als Grund anführte. Alex Saunders, der bei Citi den Bereich Makro und dezentrale Finanzsysteme leitet, hatte bereits im März 2026 gewarnt, das Zeitfenster für eine US-Gesetzgebung schließe sich.
Standard Chartered fällt zurückhaltender aus, bleibt aber optimistischer als Citi. Geoffrey Kendrick hielt Mitte Juli am Jahresendziel von 100.000 US-Dollar fest, was gegenüber dem damaligen Kursniveau einem Anstieg von 55 Prozent entsprochen hätte.
Paul Schütte, Redaktion finanzen.net
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