Stiller Bärenmarkt?

Kryptos im Abwärtssog: Bitcoin, Ethereum, XRP & Co. - Analysten mit Warnungen


Kryptos im Abwärtssog: Bitcoin, Ethereum, XRP & Co. - Analysten mit Warnungen

Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum, Ripple & Co. weisen am Mittwoch teils rote Vorzeichen aus. Weitere Verluste könnten folgen.

• Kryptowährungen verzeichnen Verluste
• Makroökonomische Unsicherheit, institutionelle Mittelabflüsse und anhaltende Gewinnmitnahmen belasten
• Analysten warnen vor weiteren Verlusten

Am Mittwoch steht die Ampel bei Kryptowährungen teilweise auf Rot: Der Bitcoin notiert via CoinMarketCap nach zwischenzeitlichen Verlusten nun 1,15 Prozent im Plus bei 61.867,50 US-Dollar, für Ethereum geht es inzwischen 0,46 Prozent auf 1.642,43 US-Dollar nach oben, nachdem es auch für ETH zunächst abwärts gegenagen war, während Ripple 0,83 Prozent auf 1,12 US-Dollar abgibt. Auch andere Kryptogrößen wie Dogecoin oder Cardano geben nach.

Damit setzt sich die Abwärtsbewegung der letzten Woche fort, wenn auch in gemindertem Tempo. Erst letzten Freitag war die nach Marktkapitalisierung größte Cyberdevise Bitcoin zeitweise unter die runde Marke von 60.000 US-Dollar gerutscht. Begründet worden war der Kursrutsch mit "einem Mix aus makroökonomischer Unsicherheit, institutionellen Mittelabflüssen und anhaltenden Gewinnmitnahmen", wie es Timo Emden von Emden Research gemäß der deutschen Presse-Agentur zusammenfasste. Zudem verwiesen Experten auch auf Bitcoin-Verkäufe seitens Krypto-Investor Strategy, die Anleger verunsichert hätten. "Die Transaktion hat Spekulationen über mögliche Verkäufe weiterer großer Marktteilnehmer ausgelöst und die ohnehin erhöhte Gewinnmitnahmebereitschaft verstärkt", so Emden.

Stärkster Sieben-Tage-Rückgang seit FTX-Pleite

Zwar konnte sich der Bitcoin jüngst wieder über der Marke von 60.000 US-Dollar halten, er notiert aber weiterhin mehr als 50 Prozent unter seinem Rekordhoch oberhalb von 126.000 US-Dollar aus dem vergangenen Jahr. In der letzten Woche bis Sonntag verlor Bitcoin 16 Prozent - der stärkste Sieben-Tage-Rückgang seit der FTX-Pleite im November 2022, als der Kurs um 23 Prozent einbrach.

Technische Signale und ETF-Abflüsse verschärfen das Bild

Gleich mehrere Indikatoren deuten laut Bloomberg auf eine anhaltende Schwäche hin. So ist der Bitcoin unter seinen gleitenden 200-Wochen-Durchschnitt gerutscht - eine Marke, die viele Händler als langfristigen Unterstützungsindikator nutzen. Ein Bruch dieses Niveaus signalisiert, dass Erholungen eher verkauft als gekauft werden dürften. Paul Howard, Senior Director beim Kryptohandelshaus Wincent, bezeichnete die aktuelle Phase als "stillen Bärenmarkt", weil ein spektakulärer Zusammenbruch à la FTX fehle, gibt ihn Bloomberg wider. Die Unterschreitung des 200-Wochen-Durchschnitts liefere jedoch eine "wichtige Bestätigung, dass die Märkte in eine Bärenphase eingetreten sein könnten".

Parallel dazu ziehen Investoren seit 13 aufeinanderfolgenden Handelstagen Kapital aus US-notierten Spot-Bitcoin-ETFs ab - insgesamt rund 5,5 Milliarden US-Dollar an Netto-Abflüssen. Griffin Ardern, Mitgründer des Multi-Asset-Managers Primal Fund, verwies zudem darauf, dass bei echten Bodenbildungen längerlaufende Optionen typischerweise eine optimistischere Verschiebung zeigten - was derzeit nicht der Fall sei. "Wir sind noch ein gutes Stück von einem echten Boden entfernt", so Ardern laut Bloomberg.

Veränderte Zinserwartungen als Belastung

Zusätzlich zu den bereits beschriebenen Belastungsfaktoren drücken auch veränderte Zinserwartungen auf die Stimmung. Der ungelöste Iran-Krieg und robuste US-Arbeitsmarktdaten haben die Markterwartungen von Zinssenkungen der Fed in Richtung möglicher Zinserhöhungen verschoben. "Das ist eine massive Umkehr der Erwartungen", sagte Rajiv Sawhney von Wave Digital Assets gegenüber der Nachrichtenagentur. Bitcoin habe zudem seine positive Korrelation mit US-Aktien verloren, da Kapital in Richtung KI- und Technologiewerte fließe - eine Rotation zurück in Krypto bei einem Aktienrückgang erwartet Sawhney allerdings nicht.

Historischer Vergleich mahnt zur Vorsicht

Mit einem Rückgang von rund 50 Prozent vom Hoch fällt die aktuelle Korrektur bislang milder aus als frühere Krypto-Winter, in denen Bitcoin typischerweise 80 Prozent verlor. Nach dem Hoch von 2021 brauchte Bitcoin mehr als ein Jahr bis zum Tiefpunkt und weitere 15 Monate, um seine Höchststände zurückzuerobern. Genau diese historische Erfahrung hält Händler davon ab, bereits jetzt einen Boden auszurufen.

Der nächste belastbare Anhaltspunkt dürfte die Entwicklung der ETF-Zuflüsse in den kommenden Wochen sein - erst wenn die Abflussserie bricht, ließe sich beurteilen, ob die institutionelle Nachfrage zurückkehrt oder die Schwächephase weiter an Dynamik gewinnt.

Martina Köhler, Redaktion finanzen.net

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