Allwetter, Goldener Schmetterling oder Permanent: Welches ETF-Portfolio schützt wirklich vor Börsencrashs?
Drei Portfoliokonzepte versprechen Privatanlegern stabile Renditen in jeder Marktphase. Welches sich eignet, hängt weniger vom Markt als vom Anleger selbst ab.
• Drei ETF-Konzepte versprechen stabile Renditen in jeder Marktphase
• Harry Browne entwickelte das Permanent-Portfolio bereits im Jahr 1981
• Ray Dalio stellte das Allwetter-Portfolio im Jahr 1996 fertig
Drei Schulen, eine Frage: Was hält ein Portfolio aus, wenn niemand die Zukunft kennt?
Im Kern beantworten Allwetter-Portfolio, Goldener Schmetterling und Permanent-Portfolio die gleiche Ausgangsfrage: Wie sieht eine Anlagestruktur aus, die ohne Marktprognose auskommt? Die Antworten unterscheiden sich allerdings in ihrer wirtschaftstheoretischen Begründung und entsprechend in der Vermögensaufteilung.
Den ältesten Ansatz lieferte Harry Browne. Der US-amerikanische Anlageberater veröffentlichte das Permanent-Portfolio 1981 und beschrieb es 1999 in seinem Buch "Fail-Safe Investing" als "kugelsichere" Anlagestruktur. Browne identifizierte vier wirtschaftliche Zustände, nämlich Wachstum, Rezession, Inflation und Deflation, und ordnete jedem Zustand eine Anlageklasse zu: Aktien für Wachstumsphasen, langfristige Staatsanleihen für Deflation, Gold für Inflation sowie Cash beziehungsweise kurzfristige Staatsanleihen für Rezessionen. Jeder Baustein erhält genau 25 Prozent Kapitalanteil. Die Begründung: Da unbekannt ist, welche Phase als Nächstes eintritt, sollten alle vier gleich abgesichert sein.
Vom gleichen Kapitalanteil zur gleichen Risikogewichtung
Ray Dalio, Gründer des US-Hedgefonds Bridgewater Associates, entwickelte 1996 das Allwetter-Portfolio. Wie aus dem von Bridgewater veröffentlichten Beitrag "The All Weather Story" hervorgeht, war die ursprüngliche Motivation die Strukturierung eines Familienvermögens, das auch nach Dalios Tod stabil weiterlaufen sollte. Die wirtschaftstheoretische Basis ähnelt Brownes Ansatz, geht aber tiefer: Dalios Team unterscheidet vier Felder, die durch zwei Achsen aufgespannt werden, nämlich steigendes versus fallendes Wirtschaftswachstum sowie steigende versus fallende Inflation, jeweils relativ zur Markterwartung. Der entscheidende zweite Schritt: Statt das Kapital gleich zu verteilen, wird das Risiko gleich verteilt. Das Konzept heißt Risikoparität. Da Anleihen weniger schwanken als Aktien, brauchen sie eine deutlich höhere Kapitalgewichtung, um den gleichen Risikobeitrag zu liefern. Die für Privatanleger zugängliche Variante, die Dalio 2014 im Buch "Money: Master the Game" von Tony Robbins skizzierte, sieht entsprechend so aus: 30 Prozent Aktien, 40 Prozent langfristige Staatsanleihen, 15 Prozent mittelfristige Staatsanleihen, 7,5 Prozent Gold und 7,5 Prozent breit gestreute Rohstoffe.
Der Goldene Schmetterling: Tyler erweitert das Permanent-Portfolio um Small-Cap-Value
Den jüngsten Ansatz veröffentlichte ein Anlageforscher namens Tyler im Jahr 2015 auf seiner Plattform Portfolio Charts. Sein Goldener Schmetterling baut auf Brownes Permanent-Portfolio auf, ergänzt aber eine fünfte Position: Substanzwerte aus dem Segment kleinerer börsennotierter Unternehmen, im Fachjargon Small-Cap-Value-Aktien. Die Aufteilung ist mit jeweils 20 Prozent gleichgewichtet und besteht aus einem breiten US-Aktien-Anteil, einem Small-Cap-Value-Anteil, langfristigen Staatsanleihen, kurzfristigen Staatsanleihen und Gold.
Wo die Konzepte in der Praxis auseinanderdriften
Die scheinbare Ähnlichkeit auf dem Papier täuscht. In der Praxis liefern die drei Konstruktionen sehr unterschiedliche Renditeprofile, weil sie strukturell ungleich aufgebaut sind. Beim Permanent-Portfolio ist die Cash-Komponente mit 25 Prozent ungewöhnlich hoch. Sie reduziert die Renditeerwartung deutlich und führt dazu, dass das Portfolio in Wachstumsphasen klar hinter dem breiten Aktienmarkt zurückbleibt. Der Vorteil: Der Cash-Anteil dient als Liquiditätspuffer, der das Risiko panischer Verkäufe in Stressphasen reduziert. Das Allwetter-Portfolio dagegen hält keine reine Cash-Position, sondern setzt mittel- und langfristige Staatsanleihen ein.
In Phasen rapide steigender Zinsen, wie im Zinserhöhungszyklus ab 2022, geraten genau diese Anleihen unter Druck, weil dann die normalerweise stabilisierende Anti-Korrelation zwischen Aktien und Langläufern verschwindet. Auf seinem Substack-Blog betonte Dalio am 23. März 2026, dass die Allwetter-Konstruktion 30 Jahre nach ihrer Entwicklung für ihn die ideale strategische Vermögensaufteilung bleibt und alle taktischen Anpassungen in einem davon getrennten Konzept namens "Pure Alpha" stattfinden.
Der Goldene Schmetterling weicht in einem entscheidenden Punkt von beiden ab. Tyler erklärt auf Portfolio Charts, dass sein Konzept zwar das gleiche Vier-Quadranten-Modell wie das Permanent-Portfolio nutzt, die Gewichtung aber bewusst in Richtung Wachstumsphasen kippt. Statt 25 Prozent Aktien sind es zusammen 40 Prozent, aufgeteilt in 20 Prozent breiter US-Markt und 20 Prozent Small-Cap-Value. Das Gold-Gewicht sinkt von 25 auf 20 Prozent, die Anleihen werden in zwei Laufzeitkategorien aufgeteilt. Damit will Tyler die defensive Stabilität des Permanent-Portfolios erhalten und gleichzeitig die historisch beobachtete Überrendite von Small-Cap-Value-Aktien als zusätzliche Renditequelle einbauen.
Was die drei Konzepte über den jeweiligen Anleger verraten
Die Wahl zwischen den drei Strategien hängt weniger von Renditeerwartungen ab als von der Frage, wie Anleger Risiko und Komplexität wahrnehmen. Das Permanent-Portfolio passt zu Anlegern mit hoher Drawdown-Aversion und ausgeprägter Skepsis gegenüber Fiat-Währungen. Die Gold-Quote von 25 Prozent ist bei Browne eine bewusste Wertung gegen die Stabilität staatlich gedeckter Währungen, ein Argument, das vor allem libertär geprägte Investoren überzeugt. Wer mit einem Cash-Anteil von 25 Prozent leben kann und langfristige Stabilität über Renditemaximierung stellt, findet hier die strukturell konservativste der drei Varianten.
Das Allwetter-Portfolio richtet sich an Anleger, die das Konzept der Risikoparität nachvollziehen können und bewusst auf Anleihen als Risikoausgleich setzen. Wer den Anleihen-Anteil von rund 55 Prozent psychologisch trägt, profitiert von einer Portfoliostruktur, die in Disinflations- und Wachstumsphasen historisch sehr gut funktioniert hat. Im Jahr 2022, als Aktien und langlaufende Anleihen ungewöhnlich gleichzeitig stark fielen, erlitt das Portfolio jedoch deutliche Verluste. Das offenbarte die strukturelle Schwäche der Konstruktion in inflationären Zinserhöhungszyklen, in denen die normalerweise stabilisierende Anti-Korrelation zwischen Aktien und Langläufer-Anleihen verschwindet.
Der Goldene Schmetterling adressiert die Lücke zwischen den beiden Konzepten. Anleger, denen das Permanent-Portfolio zu defensiv und das Allwetter-Portfolio zu anleihenlastig ist, finden hier einen Mittelweg mit fünf gleichgewichteten Positionen. Wer einen leichten Wachstums-Schwerpunkt akzeptiert und an die Existenz der Small-Cap-Value-Prämie glaubt, bekommt eine Konstruktion, die sich vergleichsweise einfach umsetzen lässt: einen breit gestreuten US- oder Welt-Aktien-ETF, einen Small-Cap-Value-ETF, einen ETF auf langfristige Staatsanleihen, einen Geldmarkt- oder Kurzläufer-ETF und ein Gold-ETC. Die strategische Frage bleibt für jeden Anleger gleich: Welche der drei Antworten auf wirtschaftliche Unsicherheit überzeugt, hängt nicht vom Backtest ab, sondern davon, welcher der drei Konstrukteure das eigene Weltbild am besten trifft.
Dominik Maier, Redaktion finanzen.net
Bildquellen: create jobs 51 / Shutterstock.com, Drozd Irina / Shutterstock.com