Emerging-Markets-ETF

iShares Emerging Markets ETF: Warum TSMC die Zusammensetzung dominiert


iShares Emerging Markets ETF: Warum TSMC die Zusammensetzung dominiert

Über 3.000 Positionen stecken in diesem mit Abstand größten Schwellenländer-ETF der Welt. Trotzdem bestimmt ein einziges Unternehmen fast ein Achtel der gesamten Wertentwicklung.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Mit 35,3 Milliarden Euro Fondsvolumen ist dieser Fonds mehr als dreimal so groß wie der zweitgrößte unter 114 verfügbaren Schwellenländer-ETFs.
  • Ein einziges Unternehmen, Taiwan Semiconductor Manufacturing, bringt es trotz über 3.000 enthaltener Positionen auf fast 13 Prozent Gewicht, fast doppelt so viel wie die nächstgrößere Position.
  • Vier Länder, allesamt aus Asien, vereinen zusammen bereits fast drei Viertel des Fondsvermögens.

Der mit Abstand größte Schwellenländer-ETF

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Der iShares Core MSCI Emerging Markets IMI UCITS ETF (Acc) bildet den MSCI Emerging Markets IMI Index nach. Der Zusatz IMI steht für Investable Market Index und bedeutet, dass der Fonds nicht nur große und mittelgroße, sondern zusätzlich auch kleinere Unternehmen aus 24 Schwellenländern erfasst, was das Anlageuniversum gegenüber einem klassischen MSCI-Emerging-Markets-Index auf über 3.000 Positionen erweitert. Gewichtet wird nach frei handelbarer Marktkapitalisierung. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und wurde bereits im Mai 2014 aufgelegt. Mit einem Fondsvolumen von 35,3 Milliarden Euro ist er mehr als dreimal so groß wie der zweitgrößte Anbieter in diesem Marktsegment. Bei den Kosten liegt er mit 0,18 Prozent pro Jahr exakt auf dem Niveau der fünf nächstgrößten Wettbewerber, wodurch der Fonds die Marktführerschaft beim Fondsvolumen mit einem absolut konkurrenzfähigen Preis verbindet, auch wenn einzelne kleinere Anbieter im Segment zwischen 0,14 und 0,35 Prozent liegen und damit teils etwas günstiger sind.

Warum ein einziges Unternehmen fast ein Achtel des Fonds bestimmt

Die zehn größten Positionen vereinen 34,47 Prozent des Fondsvermögens, wobei sich die drei größten Positionen deutlich vom Rest abheben. Besonders auffällig ist Taiwan Semiconductor Manufacturing mit 12,89 Prozent, fast doppelt so viel wie die zweitgrößte Position. Das mag angesichts von über 3.000 enthaltenen Werten zunächst überraschen, erklärt sich aber aus der Marktkapitalisierungsgewichtung des Index. TSMC ist als praktisch konkurrenzloser Auftragsfertiger für die fortschrittlichsten Computerchips der Welt das mit Abstand wertvollste Unternehmen aller Schwellenländer, seine Marktkapitalisierung übertrifft viele traditionelle Schwergewichte aus anderen Schwellenländern um ein Vielfaches. Selbst eine extrem breite Streuung über tausende Einzelwerte schützt hier demzufolge nicht automatisch vor einer erheblichen Abhängigkeit von einem einzigen, besonders dominanten Unternehmen, wenn dessen Marktkapitalisierung entsprechend groß ist.

TSMC, Samsung und SK hynix: Die Treiber hinter der Spitzenposition

Größte Position ist wie aufgezeigt also TSMC mit 12,89 Prozent. Der Konzern meldete für das zweite Quartal 2026 einen Gewinn je Aktie von umgerechnet 0,73 Euro und bestätigte damit erneut die ungebrochen hohe Nachfrage nach modernster Chipfertigung im Zuge des globalen KI-Booms. Auf Platz zwei folgt mit 6,84 Prozent Samsung Electronics. Der südkoreanische Elektronikriese veröffentlichte seine Ergebnisse für das zweite Quartal 2026, in denen sich die anhaltend starke Nachfrage nach Speicherchips für KI-Anwendungen niederschlug, ein Geschäftsfeld, das der Konzern zunehmend als zentralen Wachstumstreiber neben seinem klassischen Elektronikgeschäft ausbaut. An dritter Stelle steht mit 5,95 Prozent SK hynix. Der Speicherchip-Spezialist legte ebenfalls seine Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor und profitiert wie Samsung von der globalen Angebotsknappheit bei hochwertigen KI-Speicherchips, die dem Unternehmen zuletzt eine deutlich verbesserte Ertragslage beschert hat. Alle drei größten Positionen eint damit ein gemeinsamer Wachstumstreiber: die weltweite Nachfrage nach Halbleitern für künstliche Intelligenz, die sich bislang als eine der stabilsten Ertragsquellen in den Schwellenländern erwiesen hat.

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Eigentlich ein Asien-ETF: Was die Länderverteilung zeigt

Regional entfallen 26,2 Prozent des Fonds auf Taiwan, 22,1 Prozent auf Südkorea, 16,7 Prozent auf China und 10 Prozent auf Indien, zusammen also fast drei Viertel des Fondsvermögens auf nur vier asiatische Länder. Der Rest verteilt sich auf kleinere Positionen in Brasilien, Saudi-Arabien, Südafrika und weiteren Ländern. Wer diesen Fonds kauft, investiert damit de facto überwiegend in asiatische Technologie- und Finanzmärkte statt in eine wirklich globale Streuung über Lateinamerika, den Nahen Osten oder Afrika. Positiv ist dabei, dass gleich vier Länder einen Anteil von 10 Prozent oder mehr aufweisen, was eine gewisse regionale Diversifikation innerhalb Asiens ermöglicht, da keines dieser vier Länder den Fonds vollständig dominiert. Für Taiwan und Südkorea sprechen die technologische Vorreiterrolle in der globalen Halbleiterfertigung sowie stabile institutionelle Rahmenbedingungen, als Risiko bleibt die politische Spannung rund um Taiwan und China zu nennen. China selbst bringt mit seiner wiedererstarkten Technologiebranche und staatlichen Konjunkturprogrammen Potenzial, bleibt aber politisch unberechenbarer, unter anderem durch das weiterhin ungelöste Handelsverhältnis zu den USA. Indien wiederum profitiert von einer jungen, wachsenden Bevölkerung und einem dynamischen Bankensektor, gilt aber im Vergleich zu den drei anderen Ländern als etwas teurer bewertet.

Technologie und Finanzwesen als die beiden prägenden Branchen

Nach Sektoren führt Technologie mit 41,5 Prozent deutlich vor Finanzdienstleistungen mit 15,6 Prozent. Die Technologiebranche in Taiwan, Südkorea und zunehmend auch China profitiert strukturell vom weltweiten Ausbau der KI-Infrastruktur, während die Finanzbranche vor allem in Indien und China von wachsendem Wohlstand und einer zunehmenden Einbindung breiter Bevölkerungsschichten ins formelle Bankensystem getragen wird. Als Risiko bleibt bei beiden Branchen die grundsätzliche Zyklik zu nennen, sowohl die Halbleiterindustrie als auch Bankgeschäfte reagieren empfindlich auf globale Zinsentscheidungen und Konjunkturschwankungen.

Vom Zinsschock zum KI-Boom: Was die Rendite der vergangenen Jahre erklärt

2022 verlor der Fonds 14,2 Prozent, belastet durch eine Kombination aus stark steigenden US-Leitzinsen, die Schwellenländerwährungen unter Druck setzten, einem damals einsetzenden globalen Abschwung bei Speicherchips sowie regulatorischen Eingriffen Pekings gegen chinesische Technologiekonzerne. Seit 2023 zeigt sich ein deutlich freundlicheres Bild. 2023 legte der Fonds um 7,7 Prozent zu, 2024 um 14 Prozent, 2025 sogar um 16,3 Prozent und im laufenden Jahr steht mit 14,9 Prozent das bisherige Jahreshighlight zu Buche. Getragen vom anhaltenden KI-Boom, der die Nachfrage nach Speicher- und Logikchips aus Taiwan und Südkorea in die Höhe treibt, ergänzt um eine Erholung chinesischer Technologiewerte. Beim Risiko liegt die Volatilität der vergangenen zwölf Monate bei 19,24 Prozent, spürbar höher als über drei und fünf Jahre, was sich mit den zuletzt schwankungsreicheren Nachrichten rund um US-Zollpolitik, chinesische Technologiewerte und geopolitische Spannungen in Asien erklären lässt. Der maximale Verlust der vergangenen fünf Jahre liegt bei minus 22,3 Prozent, nur leicht über dem Niveau eines breiten MSCI-World-ETFs. Auch seit Auflage im Jahr 2014 bleibt der maximale Rückgang mit minus 34,34 Prozent deutlich moderater als bei stark konzentrierten Themen-ETFs wie dem Nasdaq 100, bei dem historische Einbrüche von bis zu 60 Prozent üblich waren. Der Grund dafür liegt in der breiten Streuung über tausende Einzelwerte und mehrere Länder, die einzelne, extreme Verluste einzelner Branchen oder Regionen abfedert, selbst wenn wie gezeigt einzelne Unternehmen wie TSMC ein hohes Einzelgewicht tragen.

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Für welche Strategie sich dieser Schwellenländer-ETF eignet

Der Fonds eignet sich als Beimischung für Anleger, die von einer globalen Streuung über tausende Einzelwerte profitieren möchten, sich dabei aber bewusst sein sollten, dass sie de facto überwiegend eine Wette auf die asiatische Technologie- und Finanzbranche eingehen, weniger eine wirklich weltweit gestreute Schwellenländer-Position. Wer diese Konzentration versteht und bereit ist, die zuletzt gestiegene Volatilität sowie geopolitische Risiken rund um Taiwan und China auszuhalten, findet mit dem größten und liquidesten Schwellenländer-ETF der Welt einen soliden, breit aufgestellten Baustein für die langfristige Depotergänzung.

Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.

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Bildquellen: mindscanner / Shutterstock.com, Michael Vi / Shutterstock.com

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