Xtrackers Overnight Rate Swap ETF: Der größte Geldmarkt-ETF Europas verspricht etwas, das viele Tagesgeldkonten nicht bieten
Über 22 Milliarden Euro stecken in diesem größten Geldmarkt-ETF Europas, der schlicht den Leitzins der Europäischen Zentralbank nachbildet und auf Stabilität statt große Renditesprünge setzt.
Das Wichtigste in Kürze:
- Mit 22,1 Milliarden Euro Fondsvolumen ist dieser Fonds der mit großem Abstand größte Geldmarkt-ETF Europas, zugleich zählt er zu den günstigsten Varianten.
- Anders als bei einem Aktien-ETF setzen Anleger hier nicht auf steigende Kurse, sondern schlicht auf die Höhe des kurzfristigen Euro-Zinssatzes, den die Europäische Zentralbank über ihre Geldpolitik maßgeblich beeinflusst.
- In den vergangenen drei Jahren gab es praktisch keinen Kursrückgang, ein direktes Resultat der seit 2022 durchgehend positiven Leitzinsen in der Eurozone.
Was ein Geldmarkt-ETF grundsätzlich leistet, und was dieser Fonds konkret verspricht
Ein Geldmarkt-ETF verfolgt ein anderes Ziel als ein klassischer Aktien- oder Anleihen-ETF. Er will weder Kursgewinne noch Dividenden erzielen, sondern möglichst exakt die Verzinsung nachbilden, die auf dem kurzfristigen Geldmarkt gerade zu erzielen ist, also im Kern die Rendite, die Banken sich gegenseitig für sehr kurzfristige, meist über Nacht laufende Einlagen zahlen. Für Anleger ist das vor allem eine Möglichkeit, Geld, das nicht langfristig investiert werden soll, mit sehr geringem Risiko und hoher Verfügbarkeit verzinst zu parken, statt es unverzinst auf dem Girokonto liegen zu lassen.
Der Xtrackers II EUR Overnight Rate Swap UCITS ETF 1C verfolgt genau dieses Ziel für den Euroraum. Er bildet den Solactive €STR +8.5 Daily Total Return Index nach, der die Wertentwicklung einer Einlage abbildet, die zum sogenannten €STR verzinst wird. Zuzüglich eines festen Aufschlags von 8,5 Basispunkten, wobei die Zinserträge täglich neu in die Einlage reinvestiert werden. Der €STR, kurz für Euro Short-Term Rate, ist der von der Europäischen Zentralbank berechnete und veröffentlichte Tagesgeld-Referenzzinssatz für den Euroraum, ermittelt aus den tatsächlichen, unbesicherten Übernacht-Ausleihungen der 52 größten Banken der Eurozone untereinander. Er hat den früheren Referenzzinssatz Eonia abgelöst und gilt als verlässlicher Indikator für das aktuelle Zinsniveau am kurzfristigen Geldmarkt. Wer diesen Fonds kauft, setzt damit weder auf ein einzelnes Unternehmen noch auf einen Aktienmarkt, sondern im Kern auf die Höhe des von der Europäischen Zentralbank gesteuerten Leitzinsniveaus, das deutlich vorhersehbarer und transparenter ist als die Entwicklung von Aktienkursen. Bei den Kosten liegt der Fonds mit 0,10 Prozent pro Jahr auf demselben Niveau wie die meisten großen Wettbewerber in diesem Marktsegment, günstigere Varianten unter 0,10 Prozent existieren zwar, sind aber deutlich kleiner und weniger etabliert als der mit Abstand größte Anbieter. Der Fonds bildet seinen Index synthetisch über ein Swap-Geschäft nach und ist bereits seit Mai 2007 am Markt.
Eine Alternative zum Tagesgeldkonto: Was die bisherige Rendite zeigt
2022 lag die Rendite mit minus 0,03 Prozent praktisch bei null, ein Ergebnis der zu dieser Zeit noch negativen beziehungsweise gerade erst wieder positiv werdenden Einlagenzinsen der Europäischen Zentralbank. Mit den ab Mitte 2022 einsetzenden Leitzinserhöhungen zur Bekämpfung der hohen Inflation stiegen auch die Erträge dieses Fonds deutlich: 2023 auf 3,27 Prozent und 2024 sogar auf 3,79 Prozent. Seit die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen wieder schrittweise senkt, ist auch die Rendite dieses Fonds zurückgegangen, auf 2,22 Prozent im Jahr 2025. Der Mehrwert gegenüber einem klassischen Tagesgeldkonto liegt dabei vor allem in der Transparenz und der Unabhängigkeit von den individuellen Konditionen einzelner Banken. Während Tagesgeldzinsen von Institut zu Institut stark variieren und sich oft nur zeitverzögert an das aktuelle Zinsniveau anpassen, folgt dieser Fonds nahezu in Echtzeit dem tatsächlichen Marktzins, ohne dass Anleger aktiv nach dem jeweils besten Angebot suchen müssten, und lässt sich zudem jederzeit börsentäglich kaufen und verkaufen, ohne Kündigungsfristen wie bei manchen Tagesgeldangeboten.
Warum es in den vergangenen drei Jahren keinen einzigen Kursrückgang gab
Bei einem Fonds, der schlicht einen täglich verzinsten Zinssatz nachbildet, kann es nur dann zu einem Kursrückgang kommen, wenn dieser Zinssatz negativ wird. Genau das war während der Nullzins- und Negativzinsphase der Europäischen Zentralbank zwischen etwa 2014 und Mitte 2022 über Jahre hinweg der Fall, was sich in einem maximalen Verlust seit Auflage von minus 3,70 Prozent niederschlägt, einem über viele Jahre langsam aufgelaufenen Effekt aus damals negativen Tagesgeldzinsen. Über die vergangenen fünf Jahre liegt der maximale Verlust nur noch bei minus 0,61 Prozent, ein Nachklang der letzten Monate mit noch leicht negativen Zinsen Anfang 2022, während über die vergangenen drei Jahre mit minus 0,01 Prozent praktisch kein Rückgang mehr zu verzeichnen war. Der Grund dafür ist einfach: Seit Mitte 2022 lag der Leitzins der Europäischen Zentralbank durchgehend im positiven Bereich, wodurch der Fonds an jedem einzelnen Tag positive statt negative Zinsen verbuchte. Mit einem erneuten, nennenswerten Kursrückgang wäre bei diesem Fonds nur dann zu rechnen, wenn die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen erneut in den negativen Bereich senken müsste, etwa in einer schweren wirtschaftlichen Krise, ein Szenario, das aktuell nicht abzusehen ist, aber grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden kann. Die extrem niedrige Volatilität von nur 0,08 bis 0,15 Prozent über ein, drei und fünf Jahre unterstreicht zusätzlich, wie außergewöhnlich stabil sich dieser Fonds im Vergleich zu praktisch jeder anderen Anlageklasse verhält.
Für welche Strategie sich dieser Geldmarkt-ETF eignet
Der Fonds eignet sich für Anleger, die kurzfristig verfügbares Kapital, etwa eine Notfallreserve oder Geld, das für eine anstehende größere Anschaffung zurückgelegt wird, verzinst parken möchten, ohne dabei nennenswerte Kursschwankungen in Kauf nehmen zu müssen. Da der Fonds synthetisch über ein Swap-Geschäft nachgebildet wird, tragen Anleger ein geringes, aber vorhandenes Gegenparteirisiko gegenüber dem Swap-Partner. Das ist ein Aspekt, der bei einem klassischen Tagesgeldkonto mit gesetzlicher Einlagensicherung in dieser Form nicht besteht. Wer diesen Unterschied kennt und akzeptiert, findet mit dem größten und etabliertesten Anbieter in diesem Marktsegment eine unkomplizierte, transparente und jederzeit handelbare Alternative zum klassischen Tagesgeldkonto, deren Rendite unmittelbar und nachvollziehbar dem jeweils aktuellen Leitzinsniveau der Europäischen Zentralbank folgt.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Auch Geldmarkt-ETFs unterliegen einem Restrisiko, insbesondere einem Gegenparteirisiko gegenüber dem Swap-Partner, und sind nicht mit einer gesetzlichen Einlagensicherung vergleichbar.
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