Gleichgewicht

Der Schmetterlings-Effekt fürs Depot: Kann diese ETF-Strategie den Aktienmarkt schlagen?


Der Schmetterlings-Effekt fürs Depot: Kann diese ETF-Strategie den Aktienmarkt schlagen?

Fünf ETFs, drei Anlageklassen, ein klares Gleichgewicht: Das Golden Butterfly Portfolio verspricht langfristig ähnliche Renditen wie der Aktienmarkt, aber mit deutlich weniger Kursschwankungen.

• Das Portfolio verteilt je 20 Prozent auf Large-Cap-Aktien, Small-Cap-Value-Aktien, kurzlaufende Anleihen, langlaufende Anleihen und Gold
• Strategischer Unterschied zu klassischen 60/40-Portfolios
• Underperformance gegenüber dem Gesamtmarkt, dafür weniger Schwankung

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Herkunft

Das Golden Butterfly Portfolio stammt von einem Maschinenbauingenieur und Investmentforscher, der unter dem Namen Tyler die Plattform Portfoliocharts.com betreibt. Wie er selbst dort beschreibt, entstand die Strategie aus seiner Auseinandersetzung mit dem sogenannten Permanent Portfolio, das der US-Finanzautor Harry Browne entwickelt hat. Das Permanent Portfolio verteilt das Kapital gleichmäßig auf Aktien, Anleihen, Gold und Cash Reserven in Form von kurzfristigen Zinsprodukten, um alle wirtschaftlichen Phasen abzudecken. Tyler ergänzte dieses Konzept um eine fünfte Komponente: Small-Cap-Value-Aktien. Damit verschob er das Gewicht zugunsten wirtschaftlicher Wachstumsphasen, die historisch häufiger auftreten als Rezessionen oder Deflation, wie er auf Portfoliocharts.com erläutert. Den visuellen Effekt beschrieb er selbst so: "Ein Flügel mit zwei Segmenten besteht aus Aktien, der andere aus Anleihen, und der stabilisierende Kopf ist Gold." Daraus entstand der Name.

So ist das Golden Butterfly Portfolio aufgebaut

Die Struktur teilt das Depot in fünf gleich große Blöcke zu je 20 Prozent auf. Auf der Aktienseite stehen Large-Cap-Blend-Aktien und Small-Cap-Value-Aktien nebeneinander, zusammen bilden sie den einen Flügel des Schmetterlings. Den anderen Flügel bilden Anleihen in zwei Laufzeitkategorien: kurzlaufende und langfristige Staatsanleihen. Gold mit einem Anteil von 20 Prozent fungiert als Körper und verbindet die beiden Seiten. Daraus ergibt sich eine Aufteilung von 40 Prozent Aktien, 40 Prozent Anleihen und 20 Prozent Gold. Diese Dreiteilung erinnert in der visuellen Darstellung mit einem Kreisdiagramm tatsächlich an einen Schmetterling, was den Namen erklärt.

Das Ziel der Konstruktion ist nicht maximale Rendite, sondern maximale Konstanz. Jede der drei Anlageklassen reagiert unterschiedlich auf wirtschaftliche Phasen: Aktien profitieren von Wachstum, Anleihen von Deflation, Gold von Inflation. Durch diese Streuung soll in jeder Marktlage mindestens eine Klasse stabilisierend wirken, wie aus dem Konzept der wirtschaftlichen Risikoparität folgt.

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Golden Butterfly mit ETFs umsetzen

Die Originalstrategie sieht eine starke US-Ausrichtung vor. Europäische Anleger können Währungsrisiken reduzieren, indem sie den S&P 500-Anteil etwa durch einen MSCI World-ETF ersetzen oder auf europäische Indizes ausweichen. Das gilt entsprechend auch für den Anleihenanteil.

Nach Angaben von extraETF lässt sich das Portfolio mit fünf ETFs nachbilden, die zusammen eine niedrige Gesamtkostenquote pro Jahr erreichen können . Die eingesetzten Fonds decken die fünf vorgesehenen Anlageklassen ab: ein ETF auf Large-Cap-Aktien, ein ETF auf Small-Cap-Value-Aktien, ein ETF auf kurzlaufende Staatsanleihen, ein ETF auf langfristige Staatsanleihen sowie ein Gold-ETC. Wer den Währungsaspekt weniger stark gewichten möchte, kann bei der Aktienkomponente auf währungsgesicherte Varianten oder globale Indizes zurückgreifen.

Rendite und Risiko im historischen Rückblick

Schaut man sich die durchschnittliche Jahresperformance seit der Auflegung 2016 an, liegt diese unter dem Marktdurchschnitt; dafür ist die jährliche Volatilität geringer als die des US-Aktienmarkts.

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Der Blick auf einzelne Jahresergebnisse zeigt, wie das Portfolio Krisenzeiten verarbeitet. Im schwierigen Börsenjahr 2022, als sowohl Aktien als auch Anleihen deutlich verloren, verzeichnete das extraETF-Musterportfolio, das seit dem 1. Januar 2016 geführt wird, ein Minus von 7,36 Prozent. Für ein gemischtes Portfolio war das ein vergleichsweise moderater Rückgang: Der MSCI World verlor in diesem Jahr rund 18 Prozent in Euro gerechnet. Im darauffolgenden Jahr 2023 lag die Portfoliorendite bei 8,45 Prozent, 2024 bei 16,37 Prozent. Diese Zahlen entstammen einem Musterportfolio und sind keine Garantiewerte.

Golden Butterfly vs. reiner Aktienmarkt

Der Kernunterschied liegt im Risikoprofil. Wer ausschließlich in einen globalen Aktienindex investiert, partizipiert vollständig an Marktaufschwüngen, trägt aber auch das volle Abwärtsrisiko. Beim Golden Butterfly puffern Anleihen und Gold starke Kursrückgänge ab, was auf Kosten der Maximalrendite geht, aber die Schwankungsbreite deutlich dämpft. Wie Tyler auf Portfoliocharts.com schreibt, weist der Golden Butterfly in seiner Originaluntersuchung bei nahezu identischer langfristiger realer Rendite eine um rund 60 Prozent geringere Volatilität gegenüber einem reinen Aktienportfolio aus. Zudem betrug das schlechteste Einzeljahr in seiner Analyse nur minus elf Prozent, und der längste Drawdown erstreckte sich auf gerade zwei Jahre.

Das unterscheidet die Strategie auch von einem klassischen 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen: Die explizite Goldkomponente sowie die Differenzierung zwischen Large-Cap- und Small-Cap-Value-Aktien verleihen dem Portfolio eine zusätzliche Diversifikationsschicht, die bei reinen Aktien-Anleihen-Kombinationen fehlt.

Paul Schütte, Redaktion finanzen.net

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