Großbritannien-ETF

iShares FTSE 100 ETF: Über 4 Prozent Dividendenrendite und eine erstaunlich ruhige Kursentwicklung


iShares FTSE 100 ETF: Über 4 Prozent Dividendenrendite und eine erstaunlich ruhige Kursentwicklung

Während andere Aktienmärkte 2022 zweistellig abstürzten, blieb der britische Leitindex fast unberührt. Seit 2023 überzeugt der ETF mit meist zweistelligen Renditen und einer attraktiven Dividende.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Unter 37 verfügbaren Großbritannien-ETFs und 10 ETFs auf den FTSE 100 ist dieser Fonds jeweils der mit Abstand größte, zugleich zählt er zu den günstigsten Varianten überhaupt.
  • Während viele andere Aktienmärkte 2022 zweistellig einbrachen, blieb dieser Index nahezu stabil.
  • Trotz 100 Positionen bestimmen allein drei Unternehmen fast ein Viertel des gesamten Fondsvermögens.

Der größte und günstigste Weg nach Großbritannien

Werbung

Der iShares Core FTSE 100 UCITS ETF GBP (Dist) bildet den FTSE 100 Index nach, der die 100 größten börsennotierten Unternehmen Großbritanniens nach vollständigem Marktwert bündelt und dabei zusätzlich bestimmte Liquiditäts- und Streubesitzkriterien berücksichtigt. Gewichtet wird nach frei handelbarer Marktkapitalisierung, größere und liquidere Unternehmen erhalten also mehr Gewicht, überprüft wird das vierteljährlich. Das GBP im Namen weist auf die Basiswährung des Fonds hin, da die im Index enthaltenen Unternehmen in britischem Pfund notieren, eine Währungsabsicherung oder sonstige Besonderheit ist damit nicht verbunden. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig, schüttet seine Erträge vierteljährlich aus und ist bereits seit April 2000 am Markt. Mit einem Fondsvolumen von 19,1 Milliarden Euro ist er unter den 37 verfügbaren Großbritannien-ETFs und den 10 ETFs auf den FTSE 100 jeweils mit Abstand der größte. Bei den Kosten liegt er mit 0,07 Prozent pro Jahr zugleich am günstigsten unter allen FTSE-100-ETFs, keiner der übrigen neun Fonds unterbietet diesen Wert, die teuerste Variante liegt bei 0,20 Prozent.

Warum Großbritannien nach Jahren der Zurückhaltung wieder attraktiv wird

Der britische Aktienmarkt spielte in vielen deutschen Depots über Jahre eine untergeordnete Rolle, auch bedingt durch die Unsicherheit rund um den Brexit und die vergleichsweise schwache konjunkturelle Entwicklung des Landes danach. Seit 2026 gilt Großbritannien jedoch wieder als attraktiver, gestützt von mehreren konkreten Entwicklungen. Der britische Aktienmarkt ist im internationalen Vergleich weiterhin deutlich günstiger bewertet als etwa der US-Markt, die Bank of England hat ihre Leitzinsen bereits mehrfach gesenkt, was Finanzierungskosten für Unternehmen senkt und Aktien attraktiver macht, und ein neu geschlossenes Handelsabkommen mit den USA hat einen Teil der zuvor bestehenden politischen Unsicherheit beseitigt. Hinzu kommt eine sich spürbar aufhellende Unternehmensstimmung im Land. Traditionell stark im FTSE 100 vertretene Branchen wie Banken, Energie und Bergbau profitieren dabei besonders von dieser Kombination aus günstiger Bewertung und wieder anziehender Konjunktur.

HSBC, AstraZeneca und Shell: Globale Konzerne statt reiner UK-Abhängigkeit

Die zehn größten Positionen vereinen 48,68 Prozent des Fondsvermögens, wobei sich die drei größten Positionen noch einmal deutlich vom Rest abheben. Größte Position ist HSBC Holdings mit 9,49 Prozent. Die Großbank ist trotz ihres Londoner Hauptsitzes ein global tätiges Institut mit enormer Präsenz in Asien und dem Nahen Osten. Ihr Geschäft hängt damit deutlich weniger an der britischen Binnenkonjunktur als der Name vermuten lässt. Die Bank kündigte zuletzt an, ihr Geschäft in der Türkei künftig stärker auf internationale Firmenkunden zu fokussieren, ein Beispiel für die gezielte globale Ausrichtung des Konzerns. Auf Platz zwei folgt mit 8,21 Prozent AstraZeneca, einer der weltweit größten Pharmakonzerne mit einem globalen Kundenstamm, der ebenfalls kaum von der britischen Binnenwirtschaft abhängt. Der Konzern veröffentlichte zuletzt seine Zahlen für das erste Halbjahr und das zweite Quartal 2026, wobei vor allem neue Krebsmedikamente das Wachstum antrieben. An dritter Stelle steht mit 7,04 Prozent Shell, einer der größten Energiekonzerne der Welt, ebenfalls mit globalem statt rein britischem Geschäft. Shell kündigte zuletzt den Verkauf seiner Solarenergie-Sparte Sprng Energy an den indischen Konzern Aditya Birla Renewables an, ein Schritt zur strategischen Fokussierung auf profitablere Kerngeschäftsfelder. Alle drei größten Positionen zeigen damit ein wiederkehrendes Muster. Es handelt sich um international tätige Weltkonzerne, deren Geschäft weit über Großbritannien hinausreicht, was den Fonds insgesamt weniger anfällig für rein britische Konjunkturrisiken macht, als der Name FTSE 100 vermuten lässt.

Werbung

Vier ausgewogene Branchen, angeführt von Finanzdienstleistern

Nach Sektoren führt Finanzdienstleistungen mit 23,9 Prozent, dahinter folgen mit Industrie, Gesundheitswesen, Energie und Basiskonsumgütern gleich vier weitere Branchen, die alle zwischen 9,8 und 13,3 Prozent liegen, eine für einen Länder-ETF ungewöhnlich ausgewogene Streuung über mehrere annähernd gleich gewichtete Sektoren. Das reduziert das Risiko, dass der Fonds von Problemen in nur einer einzelnen Branche überproportional getroffen wird. Die führende Rolle britischer Finanzdienstleister bringt dabei sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. Global tätige Banken wie HSBC oder Barclays profitieren von hohen Zinserträgen und einer breiten internationalen Diversifikation, sind aber gleichzeitig weiterhin mit regulatorischen Anforderungen und gelegentlichen politischen Eingriffen in den britischen Bankensektor konfrontiert, die sich auf die künftige Ertragslage auswirken können.

Warum der Index 2022 stabil blieb, und was seither die Rendite trieb

2022 verlor der Fonds nur 0,9 Prozent, während viele andere große Aktienindizes im selben Jahr zweistellig einbrachen. Der Grund dafür liegt direkt in der beschriebenen Zusammensetzung. Mit nur 1,0 Prozent Technologieanteil war der FTSE 100 kaum von den Zinserhöhungen betroffen, die vor allem hoch bewertete Technologiewerte trafen, während die hohe Gewichtung von Energie- und Rohstoffkonzernen wie Shell, BP und Rio Tinto in genau jenem Jahr von den stark gestiegenen Öl- und Rohstoffpreisen infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine profitierte. Seit 2023 zeigt sich eine anhaltend positive Entwicklung: 2023 legte der Fonds um 10 Prozent zu, 2024 um 14,8 Prozent, 2025 sogar um 19,5 Prozent, im laufenden Jahr steht bereits ein Plus von 13,9 Prozent zu Buche. Diese Erholung lässt sich direkt mit den zuvor beschriebenen Standortfaktoren verknüpfen, den sinkenden Zinsen, der weiterhin günstigen Bewertung und dem verbesserten politischen Klima nach dem US-Handelsabkommen.

Attraktive Dividende und ein überraschend geringes Risiko

Der Fonds schüttet seine Erträge aus, was ihn besonders für Anleger interessant macht, die ein passives Einkommen aufbauen möchten. Die Ausschüttungsrendite lag in allen vier zuletzt abgeschlossenen Kalenderjahren zwischen 3,5 und 4,2 Prozent, ein attraktives Niveau. Von den drei größten Positionen leisten HSBC mit einer aktuellen Dividendenrendite von 3,6 Prozent und Shell mit 3,4 Prozent einen wichtigen Beitrag dazu. Beim Risiko zeigt sich der Fonds trotz seiner reinen Länderkonzentration angenehm ruhig. Die Volatilität liegt über ein, drei und fünf Jahre zwischen 12 und 14 Prozent, nur leicht über dem Niveau eines breiten MSCI-World-ETFs. Und der maximale Verlust der vergangenen fünf Jahre liegt mit minus 16,8 Prozent sogar darunter. Dieses vergleichsweise geringe Risiko lässt sich mit der breiten internationalen Umsatzbasis der größten Indexmitglieder sowie der ausgewogenen Branchenverteilung erklären, die den Fonds weniger von einzelnen Konjunkturzyklen abhängig macht. Seit Auflage im Jahr 2000 liegt der maximale Verlust dagegen bei minus 58,58 Prozent, ein Wert, der auf die globale Finanzkrise 2008 zurückgeht, als insbesondere die stark im Index vertretenen britischen Großbanken durch die Krise besonders hart getroffen wurden.

Werbung

Für welche Strategie sich dieser Großbritannien-ETF eignet

Der Fonds eignet sich als gezielte Ergänzung für Anleger, die ihr oft stark US-lastiges Depot um einen bislang unterrepräsentierten Markt ergänzen und dabei von der aktuellen Neubewertung britischer Aktien sowie einer attraktiven, regelmäßigen Ausschüttung profitieren möchten. Da die größten Indexmitglieder international statt rein national ausgerichtet sind, bietet der Fonds trotz seiner Länderbezeichnung eine überraschend breite globale Ertragsbasis. Wer investiert, sollte sich dennoch bewusst sein, dass eine erneute schwere Finanz- oder Bankenkrise, wie 2008 erlebt, wegen der weiterhin hohen Gewichtung des Finanzsektors überproportionale Auswirkungen auf diesen Fonds haben könnte.

Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.

Anzeige: Der iShares Core FTSE 100 UCITS ETF GBP (Dist) und tausende weitere ETFs provisionsfrei bei finanzen.net zero.

Bildquellen: Nando Machado / Shutterstock.com, Samot / Shutterstock.com

Werbung