Xtrackers LevDAX ETF: Kein anderer Xtrackers-ETF hat in den vergangenen zwei Jahren mehr Rendite erzielt
58,8 Prozent Plus in 24 Monaten für den gehebelten DAX-ETF, fast eineinhalbmal so viel wie der zweitplatzierte Fonds. Ein Blick auf den seit Mitte 2024 erfolgreichsten Xtrackers-ETF.
Das Wichtigste in Kürze:
- Mit 58,8 Prozent Rendite auf Sicht von 24 Monaten ist dieser Fonds der erfolgreichste unter allen Xtrackers-ETFs, deutlich vor dem zweitplatzierten Xtrackers MSCI Singapore UCITS ETF.
- Der zweifache Hebel bedeutet, dass der Fonds nicht die Gesamtrendite des DAX verdoppelt, sondern dessen tägliche Wertentwicklung, ein feiner, aber entscheidender Unterschied.
- Drei Konzerne, Siemens, SAP und Allianz, bestimmen zusammen über ein Viertel des Fonds, wobei einer von ihnen seit seinem Rekordhoch bereits wieder deutlich gefallen ist.
Der erfolgreichste Xtrackers-ETF der vergangenen zwei Jahre
Der Xtrackers LevDAX Daily Swap UCITS ETF 1C bildet den von der Deutschen Börse berechneten LevDAX Index nach, der die tägliche Wertentwicklung des DAX mit einem Hebelfaktor von zwei abbildet. Der DAX selbst bündelt die 40 größten und umsatzstärksten deutschen Aktien. Auf Sicht der vergangenen 24 Monate hat dieser Fonds mit 58,8 Prozent die höchste Rendite unter allen verfügbaren Xtrackers-ETFs erzielt, deutlich vor dem zweitplatzierten Xtrackers MSCI Singapore UCITS ETF mit 39,4 Prozent. Der Fonds bildet seinen Index synthetisch über ein Swap-Geschäft nach, thesauriert seine Erträge und ist bereits seit März 2010 am Markt. Mit einem Fondsvolumen von nur 55 Millionen Euro zählt er trotz seines Erfolgs zu den kleineren, spezialisierten Nischenprodukten im Xtrackers-Angebot, und die laufenden Kosten liegen mit 0,35 Prozent pro Jahr deutlich über denen klassischer, ungehebelter DAX-ETFs.
Warum der DAX in den vergangenen zwei Jahren so stark lief
Die außergewöhnliche Rendite dieses Fonds erklärt sich zunächst aus der starken Entwicklung des zugrunde liegenden DAX selbst. Die Europäische Zentralbank hat ihren Leitzins in mehreren Schritten deutlich gesenkt, was die Finanzierungskosten für Unternehmen reduziert und Aktien im Vergleich zu Anleihen attraktiver gemacht hat. Hinzu kommen milliardenschwere Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben der Bundesregierung, von denen Rüstungskonzerne wie Rheinmetall besonders profitiert haben. Sowie ein durch den weltweiten KI-Boom ausgelöster Nachfrageschub nach Energie- und Netzinfrastruktur, der Unternehmen wie Siemens Energy zugutekam. Der DAX konnte damit trotz einer strukturell eher schwachen deutschen Gesamtwirtschaft von einzelnen, sehr konkreten Wachstumstreibern profitieren. Ob sich dieser Trend fortsetzt, hängt davon ab, ob die Europäische Zentralbank ihren Kurs sinkender Zinsen beibehält und die staatlichen Ausgabenprogramme in gleichem Tempo weiterlaufen. Dagegen sprechen die anhaltende Strukturkrise der deutschen Automobilindustrie, ein weiterhin unter Druck stehender Chemiesektor sowie zunehmend ambitionierte Bewertungen nach der langen Rally, die eine Korrektur wahrscheinlicher machen könnten, sollte sich eines der genannten Wachstumsargumente abschwächen.
Was der zweifache Hebel bedeutet, und wie er zum Erfolg beitrug
Entscheidend für das Verständnis dieses Fonds ist die Formulierung "auf täglicher Basis". Der Hebel wird jeden Börsentag neu berechnet. Steigt der DAX an einem Tag um 1 Prozent, steigt der LevDAX um 2 Prozent abzüglich der Finanzierungskosten für den Hebel, die sich am kurzfristigen Geldmarktzins orientieren. Am nächsten Tag wird diese Rechnung erneut auf den dann aktuellen Stand angewendet, nicht auf den ursprünglichen Ausgangswert. In einem Markt, der sich wie der DAX in den vergangenen zwei Jahren vergleichsweise geradlinig und ohne extreme Gegenbewegungen nach oben entwickelt hat, kann sich dieser tägliche Zinseszinseffekt zugunsten der Anleger auswirken und im Ergebnis sogar zu einer mehr als doppelt so hohen Rendite führen, wie es ein einfacher Hebel von zwei über den Gesamtzeitraum vermuten ließe. In einem schwankungsreichen oder seitwärts laufenden Markt kehrt sich dieser Effekt jedoch um. Wechseln sich Gewinn- und Verlusttage stark ab, verliert der Fonds durch die tägliche Neuberechnung tendenziell an Wert, selbst wenn der DAX am Ende unverändert steht. Wer in diesen Fonds investiert, muss also nicht nur von einem langfristig steigenden DAX überzeugt sein, sondern auch von einem Aufwärtstrend, der auch über den eigenen Anlagezeitraum hinweg vergleichsweise ruhig und ohne starke Ausschläge in beide Richtungen verläuft.
Siemens, SAP und Allianz: Wie diese drei Konzerne den Erfolg des Fonds prägten
Auf die drei größten Positionen Siemens entfallen 9,65 Prozent des Index, auf SAP 9,32 Prozent und auf Allianz 8,56 Prozent, zusammen also mehr als ein Viertel des gesamten Fonds. Siemens hat sich in den vergangenen zwei Jahren zum wertvollsten börsennotierten Unternehmen Deutschlands entwickelt, unter anderem gestützt von der milliardenschweren Übernahme des Industriesoftware-Anbieters Altair Engineering Ende 2024 sowie der wachsenden Nachfrage nach Automatisierung und Netzinfrastruktur im Zuge des KI-Booms. SAP wiederum lieferte einen der eindrücklichsten, aber auch widersprüchlichsten Beiträge: Die Aktie erreichte im Februar 2025 mit rund 284 Euro ihr Allzeithoch, ist seither jedoch auf zeitweise unter 140 Euro gefallen, mehr als eine Halbierung, obwohl das operative Geschäft mit einem Umsatzwachstum von etwa 8 Prozent im Cloud-Geschäft weiterhin solide blieb. Der Kursrückgang wird von Marktbeobachtern vor allem mit einer allgemeinen Stimmungseintrübung gegenüber hoch bewerteten Softwarewerten erklärt, weniger mit den eigentlichen Geschäftszahlen. Das zeigt anschaulich, wie schnell sich auch scheinbar sichere Schwergewichte in einem gehebelten Fonds drehen können. Allianz profitierte in den vergangenen Jahren von der insgesamt starken Verfassung des europäischen Finanz- und Versicherungssektors, getragen von robusten Unternehmensgewinnen und einem insgesamt freundlichen Kapitalmarktumfeld für Versicherer.
Von starken Kalenderjahren bis zum Absturz 2022
2023 legte der Fonds um 35,9 Prozent zu, 2024 um 32,2 Prozent und 2025 sogar um 40,7 Prozent, jeweils getragen von den beschriebenen Wachstumstreibern des DAX, verstärkt durch den täglichen Hebel. Dass es auch deutlich anders laufen kann, zeigt das Jahr 2022 mit einem Verlust von 28,1 Prozent, ausgelöst durch dieselben schnellen Leitzinserhöhungen, die damals praktisch jeden Aktienmarkt belasteten, hier durch den Hebel auf mehr als das Doppelte des tatsächlichen DAX-Verlusts jenes Jahres verstärkt.
Warum die maximalen Kursrückgänge so heftig ausfallen
Der maximale Verlust der vergangenen fünf Jahre liegt bei minus 48,8 Prozent, seit Auflage im Jahr 2010 sogar bei minus 64,9 Prozent, ein Wert, der auch den plötzlichen, aber kurzen Markteinbruch zu Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 mit einschließt, als der Hebel die damals binnen weniger Wochen einbrechenden Kurse zusätzlich verstärkte. Die größten Risiken für einen erneuten, ähnlich heftigen Kursrückgang liegen in einer überraschend restriktiven Zinswende der Europäischen Zentralbank, einer schweren Rezession in Deutschland oder Europa, einem plötzlichen geopolitischen Schock sowie in schwankungsreichen, richtungslosen Marktphasen, in denen der tägliche Hebel-Mechanismus zusätzlich zu etwaigen Kursverlusten wirkt. Da der Fonds zudem auf nur 40 Werte konzentriert ist, bei denen allein die drei größten Positionen über ein Viertel des Gewichts ausmachen, verstärkt sich das Risiko einzelner Unternehmensrückschläge, wie es zuletzt bei SAP zu beobachten war, zusätzlich durch den Hebel. Dies erkennt man auch daran, dass die Volatilität auf Sicht der letzten ein, drei und fünf Jahre jeweils zwischen 30,1 und 33,6 Prozent lag. Der Fonds ist trotz seines jüngsten Erfolgs also nichts für schwache Nerven.
Für wen sich dieser Hebel-ETF eignet, und wovon Anleger überzeugt sein müssen
Der Fonds eignet sich ausschließlich für erfahrene, risikobewusste Anleger mit einer kurzfristigen, taktischen Markteinschätzung zum deutschen Aktienmarkt, die ihre Position aktiv beobachten und bereit sind, auch einen erheblichen Teil des eingesetzten Kapitals zu verlieren. Wer investiert, muss davon überzeugt sein, dass der DAX über den eigenen Anlagezeitraum hinweg nicht nur steigt, sondern dies auch vergleichsweise gleichmäßig tut, ohne starke Gegenbewegungen, die durch den täglichen Hebel-Mechanismus zusätzliche Verluste verursachen würden. Für den langfristigen Vermögensaufbau, etwa im Rahmen eines Sparplans, ist der Fonds nicht konzipiert. Wer sich für dieses Produkt entscheidet, sollte sich sowohl der Chance bewusst sein, von einem anhaltenden deutschen Börsenboom überproportional zu profitieren, als auch des Risikos, dass ein einzelner Zinsschock, eine Rezession oder schon der Kursrückgang einzelner Schwergewichte wie zuletzt bei SAP den Fonds deutlich stärker belasten kann als den ungehebelten DAX selbst.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Gehebelte ETFs sind mit einem deutlich erhöhten Verlustrisiko bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals verbunden und in erster Linie für kurzfristige, taktische Positionen konzipiert, nicht für den langfristigen Vermögensaufbau.
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