US-Staatsanleihen-ETF

Der größte US-Staatsanleihen-ETF hält fast ausschließlich Papiere mit weniger als einem Jahr Restlaufzeit: Genau das ist sein größter Vorteil


Der größte US-Staatsanleihen-ETF hält fast ausschließlich Papiere mit weniger als einem Jahr Restlaufzeit: Genau das ist sein größter Vorteil

US-Staatsanleihen mit unter einem Jahr Restlaufzeit gelten als eine der sichersten Anlageformen der Welt. Trotzdem verlor der größte US-Anleihen-ETF 2025 fast 8 Prozent. Wir lösen das Rätsel auf.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Mit 16,9 Milliarden Euro Fondsvolumen ist dieser Fonds mit Abstand der größte ETF auf US-Staatsanleihen in Europa.
  • 2025 verlor der Fonds 7,8 Prozent. Ein auf den ersten Blick überraschend hoher Wert für eine der sichersten Anlageformen der Welt.
  • Unter allen Laufzeit-Varianten von iShares auf US-Staatsanleihen ist gerade die kürzeste Variante mit 0 bis 1 Jahr Restlaufzeit die eindeutig größte und beliebteste.

Was ein Anleihen-ETF ist, und wie er sich von einem Aktien-ETF unterscheidet

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Ein Anleihen-ETF investiert, anders als ein Aktien-ETF, nicht in Unternehmensanteile, sondern in Schuldverschreibungen, meist von Staaten oder Unternehmen ausgegeben. Wer eine Anleihe kauft, leiht dem Aussteller im Grunde Geld und erhält dafür entweder regelmäßige Zinszahlungen oder, wie bei kurzlaufenden Staatsanleihen üblich, die Anleihe wird direkt mit einem Abschlag zum späteren Rückzahlungswert gekauft. Der zentrale Unterschied zu Aktien liegt im Risikoprofil. Während eine Aktie einen Anteil am Unternehmenserfolg darstellt, mit entsprechenden Chancen und Risiken, verspricht eine Anleihe eine im Vorfeld weitgehend bekannte, feste Rückzahlung, solange der Schuldner zahlungsfähig bleibt. Das typische Anlageziel eines Anleihen-ETFs ist deshalb weniger Wertsteigerung im Sinne eines Wachstumsinvestments, sondern vor allem Kapitalerhalt, ein verlässlicher, planbarer Ertrag sowie die Stabilisierung eines Depots in Zeiten, in denen Aktienmärkte unter Druck geraten.

Der größte US-Staatsanleihen-ETF Europas: Welche Strategie dahintersteckt

Der iShares USD Treasury Bond 0-1yr UCITS ETF (Acc) bildet den ICE U.S. Treasury Short Bond Index nach und investiert ausschließlich in von den USA begebene Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit zwischen null und einem Jahr. Wer gezielt in einen ETF auf US-Staatsanleihen setzt, verfolgt in der Regel eine von zwei Strategien: entweder die Erwartung, dass sich die US-Notenbank in absehbarer Zeit stärker als bislang erwartet zu Zinssenkungen gezwungen sieht, was längerfristige Anleihen im Kurs deutlich steigen lassen würde. Oder schlicht das Bedürfnis, Kapital besonders sicher, aber dennoch verzinst zu parken, etwa als defensiven Baustein neben einem Aktiendepot. Für die hier vorgestellte, besonders kurzlaufende Variante gilt vor allem Letzteres. Sie eignet sich als Diversifikation, wenn ein Depot bereits stark auf Aktien ausgerichtet ist und ein besonders schwankungsarmer, liquider Baustein gesucht wird, weniger für Anleger, die auf stark fallende Zinsen und entsprechende Kursgewinne spekulieren möchten. Der Fonds repliziert seinen Index mittels Sampling-Verfahren, thesauriert seine Erträge und wurde im Februar 2019 aufgelegt. Bei den Kosten liegt er mit 0,07 Prozent pro Jahr gleichauf mit den anderen Laufzeit-Varianten von iShares auf US-Staatsanleihen, ein Preisunterschied existiert hier also nicht.

Warum ausgerechnet die kürzeste Laufzeit-Variante so beliebt ist

Mit 16,9 Milliarden Euro Fondsvolumen ist dieser Fonds mehr als doppelt so groß wie die nächstgrößere Variante, der iShares USD Treasury Bond 3-7yr UCITS ETF mit 7,3 Milliarden Euro, gefolgt von der 1-3-Jahre-Variante mit 6.524 Millionen Euro und der 7-10-Jahre-Variante mit 4,5 Milliarden Euro. Der Vorteil der kürzesten Laufzeit liegt in ihrer minimalen Zinssensitivität. Da die enthaltenen Anleihen ohnehin nur wenige Monate bis maximal ein Jahr bis zur Rückzahlung laufen, wirken sich Veränderungen des allgemeinen Zinsniveaus kaum auf den Kurs der einzelnen Anleihen aus. Der Fonds verhält sich damit fast wie eine hochverzinste, aber weiterhin sichere Geldanlage. Genau das macht ihn besonders attraktiv für Anleger, die kurzfristig Kapital parken oder ihr Depot besonders defensiv absichern möchten, ohne nennenswerte Kursschwankungen durch Zinsänderungen befürchten zu müssen. Die Grenzen dieser Variante zeigen sich aber, sobald die Notenbank ihre Zinsen deutlich senkt. Längerlaufende Anleihen wie die 7-10-Jahre-Variante würden von einem solchen Zinsrückgang wesentlich stärker im Kurs profitieren als diese kurzlaufende Variante, da der sogenannte Duration-Effekt bei längeren Laufzeiten deutlich stärker wirkt. Wer also gezielt auf sinkende Zinsen und entsprechende Kursgewinne setzen möchte, ist mit einer längeren Laufzeit besser bedient, wer dagegen vor allem Stabilität und minimale Kursschwankungen sucht, mit der hier vorgestellten kürzesten Variante.

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Was die größten Positionen konkret bedeuten

Die zehn größten Positionen vereinen 49 Prozent des Fondsvermögens, wobei sich die drei größten Positionen deutlich von den übrigen abheben. Größte Position mit 8,43 Prozent ist eine null-verzinste US-Staatsanleihe mit Fälligkeit am 9. September 2026, ein sogenannter Treasury Bill, also eine kurzlaufende Anleihe, die von vornherein mit einem Abschlag zum späteren Rückzahlungswert verkauft wird. Die Differenz entspricht der Rendite für den Anleger. Auf Platz zwei folgt mit 7,19 Prozent eine Position namens INSL CASH, ein institutioneller Geldmarktfonds, den der ETF als kurzfristige, hochliquide Liquiditätsreserve hält. Etwa um Rücknahmen von Fondsanteilen jederzeit reibungslos abwickeln zu können, ohne dafür einzelne Anleihen vorzeitig verkaufen zu müssen. An dritter Stelle steht mit 6,34 Prozent eine weitere null-verzinste US-Staatsanleihe mit Fälligkeit am 6. August 2026. Die Gewichtung der einzelnen Anleihen im Fonds richtet sich dabei nach deren ausstehendem Marktwert. Je mehr eine bestimmte Anleihe der US-Regierung insgesamt am Markt im Umlauf ist, desto größer fällt ihr Gewicht im Index und damit im Fonds aus, wobei Anleihen, die der durchschnittlichen Ziellaufzeit des Fonds am nächsten liegen, tendenziell etwas stärker vertreten sind.

Warum die Rendite hier vor allem vom Dollar abhängt, nicht von den Anleihen selbst

2022 legte der Fonds um 7,2 Prozent zu, 2023 nur um 1,4 Prozent, 2024 dagegen um kräftige 11,9 Prozent, bevor es 2025 zu einem deutlichen Rückgang von 7,8 Prozent kam. Im laufenden Jahr liegt der Fonds wieder bei einem Plus von 5,3 Prozent. Diese teils erhebliche Schwankungsbreite überrascht zunächst, schließlich bieten Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von unter einem Jahr praktisch keine Zinsrisiken. Ihre Kurse in US-Dollar sollten sich also weitgehend stabil und eng am jeweiligen US-Leitzins orientiert entwickeln. Der entscheidende Faktor liegt stattdessen beim Wechselkurs. Da der Fonds in US-Dollar geführt wird und keine Absicherung gegenüber dem Euro bietet, schlägt sich jede Bewegung des Euro-Dollar-Kurses unmittelbar auf die in Euro gemessene Rendite nieder. 2024 profitierte der Fonds von einem zeitweise festeren US-Dollar zusätzlich zur ohnehin attraktiven Verzinsung kurzlaufender US-Anleihen, während 2025 der US-Dollar gegenüber dem Euro eines seiner schwächsten Jahre seit Langem erlebte, was die eigentlich solide Verzinsung der Anleihen in Euro gerechnet mehr als aufzehrte. Für europäische Anleger bedeutet das: Der eigentliche Risikofaktor dieses vermeintlich besonders sicheren Fonds liegt weniger in den zugrunde liegenden Staatsanleihen als im Euro-Dollar-Wechselkurs.

Deutlich sicherer als Aktien, aber eben nicht risikofrei

Die Volatilität liegt über ein, drei und fünf Jahre zwischen 6,2 und 7,7 Prozent, deutlich niedriger als bei einem klassischen Welt-ETF, aber naturgemäß höher als bei einem reinen Geldmarkt-ETF ohne Fremdwährungsrisiko. Der maximale Verlust der vergangenen fünf Jahre liegt bei minus 12,20 Prozent, seit Auflage im Jahr 2019 bei minus 13,14 Prozent, beide Werte gehen im Kern auf Phasen einer deutlichen Dollarschwäche zurück, wie zuletzt im Jahr 2025, nicht auf eine tatsächliche Verschlechterung der Bonität amerikanischer Staatsanleihen. Wer diesen Fonds als besonders sicheren Depotbaustein betrachtet, sollte sich bewusst sein, dass die tatsächliche Schwankungsbreite fast vollständig vom Euro-Dollar-Wechselkurs abhängt und weniger von der eigentlich sehr geringen Zinsrisiko der enthaltenen kurzlaufenden Staatsanleihen.

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Für welche Strategie sich dieser US-Anleihen-ETF eignet

Der Fonds eignet sich für Anleger, die einen Teil ihres Kapitals in US-Dollar-Anleihen mit minimalem Zinsrisiko investieren möchten, um von der aktuell attraktiven Verzinsung kurzlaufender US-Staatsanleihen zu profitieren, und die bereit sind, dafür ein Euro-Dollar-Wechselkursrisiko einzugehen. Für Anleger, die ausschließlich einen risikofreien, währungsstabilen Baustein suchen, ist ein Euro-Geldmarkt-ETF oder ein währungsgesichertes Anleihenprodukt besser geeignet. Wer dagegen bewusst eine Position im US-Dollar aufbauen und gleichzeitig von attraktiven kurzfristigen US-Zinsen profitieren möchte, findet mit dem größten und liquidesten Anbieter in diesem Marktsegment eine passende Wahl, sollte dabei aber die beschriebene Wechselkursabhängigkeit stets im Blick behalten.

Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Auch Anleihen-ETFs unterliegen Kursschwankungen, insbesondere durch Währungsrisiken, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.

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