iShares S&P 500 IT ETF: Unter den 50 größten ETFs weltweit performte in den letzten 3 und 5 Jahren keiner besser
Kein Alphabet, kein Amazon, kein Tesla und trotzdem erfolgreicher als der klassische S&P-500-ETF. Mit diesem ETF setzen Anleger bewusst auf den US-Technologiesektor mit NVIDIA, Apple und Microsoft.
Das Wichtigste in Kürze:
- Unter den 50 größten ETFs weltweit lieferte dieser Fonds über die vergangenen 3 und 5 Jahre die höchste Rendite überhaupt, dahinter kommt nur noch Gold.
- 2022 stürzte der Fonds um fast ein Viertel ab, und stand trotzdem am Ende der vergangenen fünf Jahre ganz oben in der Rangliste.
- Anders als in den meisten US-ETFs, in denen die Technologielastigkeit eher ein Nebeneffekt der Marktkapitalisierungsgewichtung ist, können Anleger hier ganz bewusst und gezielt nur auf den US-Technologiesektor setzen.
Bewusst statt zufällig: Warum dieser ETF anders funktioniert als ein Welt-ETF
In den meisten Welt- oder US-ETFs stecken Technologiewerte wie NVIDIA, Apple oder Microsoft schon deshalb an der Spitze, weil sie schlicht die größten Unternehmen der Welt sind, eine Folge der Marktkapitalisierungsgewichtung, nicht einer bewussten Entscheidung des Anlegers. Der iShares S&P 500 Information Technology Sector UCITS ETF USD (Acc) dreht dieses Prinzip um. Wer diesen Fonds kauft, trifft eine bewusste, gezielte Entscheidung für genau eine Branche, den US-Technologiesektor, statt diese Wette nur indirekt und unbeabsichtigt über einen breiten Welt-ETF einzugehen. Für Anleger eröffnet das zwei mögliche Strategien. Wer grundsätzlich überzeugt ist, dass der US-Technologiesektor auch in den kommenden Jahrzehnten der zentrale Renditetreiber bleibt, kann seine Investitionen in einen klassischen Welt-ETF gezielt zurückfahren und stattdessen stärker auf diesen Fonds setzen. Oder man investiert bewusst konzentriert in genau diesen Sektor und gleicht das Länder- und Branchenrisiko anschließend gezielt über andere ETFs auf andere Regionen und Branchen aus. In beiden Fällen geht es um eine bewusste Entscheidung statt einer zufälligen Übergewichtung, wie sie in vielen anderen Depots ungeplant entsteht.
Wie der Index zusammengestellt wird, und warum Alphabet, Amazon, Meta und Tesla fehlen
Der Fonds bildet den S&P 500 Capped 35/20 Information Technology Index nach, der ausschließlich jene Unternehmen des S&P 500 erfasst, die nach dem internationalen Branchenstandard GICS der Informationstechnologie zugeordnet sind. Das umfasst drei Bereiche: Software und IT-Dienstleistungen, Technologie-Hardware und -Ausrüstung sowie Halbleiter und Halbleiterausrüstung. Entscheidend dabei ist, was nicht dazugehört: Alphabet und Meta zählen nach dieser Klassifizierung zum Kommunikationsdienste-Sektor, Amazon und Tesla zu den zyklischen Konsumgütern, obwohl sie umgangssprachlich oft als Technologiewerte gelten. Wer diesen Fonds kauft, erhält damit eine deutlich engere, aber auch reinere Definition von Technologie als etwa im Nasdaq 100, der alle vier genannten Werte enthält. Um zu verhindern, dass ein einzelnes Unternehmen den Fonds komplett dominiert, begrenzt der Index das Gewicht der größten Position auf maximal 35 Prozent, alle übrigen Werte auf maximal 20 Prozent, mit einer vierteljährlichen Überprüfung. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig, hält aktuell 74 Aktien und ist mit einem Fondsvolumen von 16,2 Milliarden Euro einer der größten ETFs überhaupt.
Die Nummer 1 unter den 50 größten ETFs, dahinter nur noch Gold
Unter den 50 größten ETFs am Markt lieferte dieser Fonds über die vergangenen drei und fünf Jahre die höchste Rendite , mit 106 Prozent über drei und 158 Prozent über fünf Jahre. Auf den Plätzen direkt dahinter folgen auf Sicht der vergangenen drei Jahre ausschließlich Gold-Produkte. Das zeigt, wie außergewöhnlich stark der Goldpreis in den vergangenen Jahren gelaufen ist, wirft aber auch die Frage auf, wie nachhaltig dieser Trend ist. Der Goldpreis wird maßgeblich von Faktoren wie Leitzinsentscheidungen, Notenbank-Käufen und geopolitischer Unsicherheit getrieben, Faktoren, die sich rasch wieder ändern können, wie die Konsolidierung des Goldpreises im laufenden Jahr bereits zeigt. Der US-Technologiesektor stützt sich dagegen auf konkrete, in den Geschäftszahlen der Unternehmen bereits sichtbare Wachstumstreiber: den branchenweiten Ausbau der KI-Infrastruktur, das anhaltende Wachstum von Cloud-Diensten sowie die wachsende Nachfrage nach immer leistungsfähigeren Halbleitern. Das bedeutet nicht, dass der Technologiesektor risikofrei ist, aber sein Wachstum lässt sich direkter an den tatsächlichen Umsätzen und Gewinnen der enthaltenen Unternehmen ablesen als der stärker sentiment- und politikgetriebene Goldpreis.
NVIDIA, Apple und Microsoft: Die drei Treiber hinter der Spitzenrendite
Die zehn größten Positionen vereinen 74,66 Prozent des Fondsvermögens, allein die drei größten kommen zusammen auf gut 50 Prozent. Größte Position ist hierbei mit 20,4 Prozent NVIDIA. Der Chiphersteller hat mit seiner neuen Vera-CPU-Architektur zuletzt einen wichtigen Baustein vorgestellt, der das Design der nächsten Generation eigener Prozessoren und Grafikchips deutlich beschleunigen soll, ein Beispiel dafür, wie NVIDIA seinen technologischen Vorsprung durch immer schnellere Entwicklungszyklen weiter auszubauen versucht. Auf Platz zwei folgt mit 16,7 Prozent Apple. Der Konzern hat in den USA das neue Programm Apple Upgrade gestartet, ein Abo-Modell, mit dem Kunden regelmäßig automatisch das neueste iPhone erhalten, ein Schritt, der das Geschäftsmodell stärker von wiederkehrenden Erlösen abhängig macht statt von einzelnen, unregelmäßigen Hardware-Verkaufszyklen. An dritter Stelle steht mit 13,7 Prozent Microsoft, das seine Partnerschaft mit Databricks ausgebaut hat, um Unternehmen dabei zu helfen, geschäftlichen Kontext direkt in ihre KI-Anwendungen einzubinden, ein weiterer Baustein im Ausbau des margenstarken Cloud- und KI-Geschäfts. Diese drei Unternehmen allein haben durch ihre technologische Vorreiterrolle in den vergangenen Jahren einen Großteil der Indexrendite getragen, und ihre aktuellen strategischen Schritte, von neuer Recheninfrastruktur über neue Erlösmodelle bis zu vertieften KI-Partnerschaften, deuten darauf hin, dass die zugrunde liegenden Wachstumstreiber auch langfristig fortbestehen könnten, ohne dass sich das natürlich garantieren lässt.
Wie ein Verlustjahr wie 2022 trotzdem zur Spitzenposition über fünf Jahre führen konnte
2022 verlor der Fonds 24 Prozent, ausgelöst durch die schnellen und massiven Leitzinserhöhungen der US-Notenbank, die besonders hoch bewertete Technologiewerte überproportional trafen, da deren künftige Gewinne bei höheren Zinsen rechnerisch weniger wert sind. Dass der Fonds trotz dieses herben Rückschlags über die vergangenen fünf Jahre die höchste Rendite unter den 50 größten ETFs erzielte, liegt an der Wucht der folgenden Erholung. 2023 legte der Fonds um 52,1 Prozent zu, 2024 um weitere 45,9 Prozent, zwei Jahre, die den Verlust von 2022 um ein Vielfaches übertrafen. Das zeigt eindrücklich, wie stark sich außergewöhnlich hohe jährliche Renditen über mehrere Jahre hinweg addieren können, selbst wenn dazwischen ein deutliches Verlustjahr liegt.
Konstant hohe Volatilität als realer Preis für die Konzentration
Die Volatilität liegt über ein, drei und fünf Jahre durchgehend zwischen 22 und 26 Prozent, deutlich höher als bei einem breiten Welt- oder selbst einem klassischen US-ETF. Auch die maximalen Kursrückgänge fallen entsprechend aus. Über fünf Jahre liegt der maximale Verlust bei minus 30,4 Prozent, seit Auflage im Jahr 2015 bei minus 31,6 Prozent, beide Werte gehen im Kern auf denselben Auslöser zurück, den Zinsschock des Jahres 2022. Diese fast identischen Werte für die vergangenen fünf Jahre und die gesamte Fondshistorie zeigen, dass 2022 bislang der mit Abstand größte Belastungstest für diesen Fonds war, ein erneuter, ähnlich starker Zinsschock oder eine deutliche Enttäuschung bei den milliardenschweren KI-Investitionen der großen Technologiekonzerne gelten als die wahrscheinlichsten Auslöser für einen vergleichbaren Rückschlag in der Zukunft.
Für welche Anleger und Strategien sich dieser ETF eignet
Der Fonds eignet sich für Anleger, die eine klare, langfristige Überzeugung von der Zukunft des US-Technologiesektors haben und diese Überzeugung bewusst und gezielt statt nur zufällig über einen Welt-ETF im Depot abbilden möchten. Das setzt voraus, dass man daran glaubt, dass Themen wie der Ausbau von KI-Infrastruktur, Cloud-Computing und moderne Halbleitertechnologie über Jahrzehnte hinweg der zentrale Wachstumsmotor bleiben. Wegen der extremen Konzentration auf nur drei Unternehmen mit über 50 Prozent Gewicht sowie der deutlich erhöhten Schwankungsbreite eignet sich der Fonds nicht als alleiniges Basisinvestment, sondern entweder als bewusste Ergänzung zu einem bereits bestehenden, breiter gestreuten Depot oder als gezielte, konzentrierte Kernwette, die durch andere ETFs auf weitere Länder und Branchen ausgeglichen werden sollte. Ein langer Anlagehorizont sowie die Bereitschaft, auch ein Verlustjahr wie 2022 auszuhalten, sind für dieses Investment Grundvoraussetzung.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Die Konzentration auf einen einzelnen Sektor und wenige Einzelpositionen kann das Risiko im Vergleich zu breit gestreuten Fonds deutlich erhöhen.
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