Vermögensaufbau

Fondssparpläne: Läuft nicht immer nach Plan


Langfristiger Vermögensaufbau geht auch mit kleinen Beträgen. Viele Anleger setzen dabei auf Fondssparpläne.

von Andreas Hohenadl und Georg Pröbstl

Wer mit kleinen Summen regelmäßig für die Altersvorsorge sparen will und sein Augenmerk auf eine überdurchschnittliche Rendite richtet, der kommt an Fondssparplänen kaum vorbei. Mit ihnen setzt der Anleger auf die Entwicklung der Märkte, ist dabei allerdings auch deren Risiken ausgesetzt. Es gibt keine Kapitalgarantie wie bei Versicherungs- oder Riester-Produkten, dafür aber auch keine Renditeeinbußen durch Kosten dieser Absicherung.

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Was es insbesondere bei Aktienfonds heißt, dem Marktrisiko ausgesetzt zu sein, dürfte die Finanzkrise den Anlegern klar vor Augen geführt haben. Die Performance auch langfristiger Sparpläne haben die Kursstürze von 2008 und 2009 ordentlich verhagelt. Daran kann auch der jüngste Aufwärtstrend an den Märkten kaum etwas ändern. Wer zehn Jahre lang in einen durchschnittlichen, international anlegenden Aktienfonds eingezahlt und Ende Juni seinen Sparplan aufgelöst hat, musste ein jährliches Minus von 5,53 Prozent verkraften - so die letzten Zahlen des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI).

Bei einem Investment in einen durchschnittlichen deutschen Aktienfonds sieht es kaum besser aus. 2,57 Prozent per annum büßte der Anleger hier über einen Zeitraum von zehn Jahren ein. Über 15 Jahre steht ein leichtes Plus von 0,75 Prozent. Wer 20 Jahre durchhielt, kann sich immerhin über eine jährliche Rendite von 3,30 Prozent freuen.

Eines wird schon beim flüchtigen Blick auf die BVI-Zahlen deutlich: Je länger ein Sparplan auf einen Aktienfonds läuft, desto besser die Chancen, am Ende mit einer positiven Rendite abzuschneiden. Nach 35 Jahren waren nämlich bei deutschen Aktienfonds im Durchschnitt 6,65 Prozent per annum möglich, bei internationalen Aktienfonds 5,88 Prozent.

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Dennoch haben die vergangenen beiden Kurseinbrüche seit dem Jahr 2000 auch der Rendite langfristiger Sparpläne zugesetzt. Wer noch vor der Jahrtausendwende einen 30-jährigen Sparplan auf einen deutschen Aktienfonds beendet hat, konnte eine jährliche Rendite von durchschnittlich zwölf Prozent einstreichen.

"Wie gut sich ein Sparplan auf einen Aktienfonds entwickelt, kommt stark auf die Börsenphasen an", sagt Leo Willert, Gründer der Vermögensverwaltung Arts Asset Management. Die Wiener Finanzexperten haben einen Sparplanrechner programmiert, mit dem sich die Rendite eines Sparplans mit der einer Einmalanlage auf unterschiedliche Indizes vergleichen lässt. Anhand des deutschen Aktienbarometers DAX hat Willert ein Positiv- und ein Negativszenario für ein Sparplaninvestment errechnet.

Ergebnis: Vom viel beschworenen Cost-Average-Effekt bei dieser Anlageform profitiert man nur unter gewissen Voraussetzungen. Denn jener Durchschnittskosteneffekt entfaltet seine Wirkung am besten, wenn sich die Börsenkurse in Form eines V entwickeln. Gehen die Notierungen über einen längeren Zeitraum nach unten, kann der Anleger mit seinen regelmäßigen Einzahlungen zu immer günstigeren Kursen neue Anteile erwerben. Wenn dann die Börse in eine längere Aufwärtsbewegung übergeht, hat sich bereits ein ordentlicher Kapitalstock angesammelt, der nun an Wert gewinnt.

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Legt die Börse während des Zeitraums, in dem der Sparplan läuft, allerdings eine Kursentwicklung in Form eines umgekehrten V hin, sieht es schlecht aus für Fondssparer: Im Aufschwung erhalten sie für ihre Sparraten relativ wenig Fondsanteile, und diese verlieren dann im Abschwung an Wert. In einer solchen Konstellation steht am Ende meist ein Minus, während eine Einmalanlage noch im Plus sein kann.

Doch wer weiß schon, wenn er anfängt, in einen zehn-, 20- oder gar 30-jährigen Fondssparplan einzuzahlen, wie sich in diesem Zeitraum die Märkte entwickeln? Einen Sparplan auf einen Aktienfonds einfach laufen zu lassen, ist also eine denkbar schlechte Idee. "Das vielfach verwendete Verkaufsargument ,Über zehn Jahre ist ein Fondssparplan immer positiv‘ hat sich schlicht als falsch herausgestellt", so Willert.

Dennoch sollte man keinesfalls auf Aktienfonds und deren Renditechancen verzichten. Ist der Anlagezeitraum lang genug, gehören sie in eine vernünftige Sparplanstrategie. Und diejenigen, die das Geld aus dem Sparplan nicht zu einem festgelegten Zeitpunkt brauchen, können durchaus auch über längere Zeit eine hohe Aktienquote halten.

Für jene Anleger aber, die "auf den Punkt sparen", empfiehlt es sich, zum Laufzeitende hin sukzessive in defensive Investments wie Renten- oder Geldmarktfonds umzuschichten. Dann verliert ein Börseneinbruch kurz vor Schluss seinen Schrecken. Wer hier nicht selbst aktiv werden will, für den sind sogenannte Lebenszyklusfonds interessant. Sie sind jeweils für eine bestimmte Laufzeit aufgelegt. Während dieses Zeitraums schichten die Fondsmanager von einem anfangs aktienorientierten auf ein zum Schluss hin rentenlastiges Portfolio um. Verschiedene Gesellschaften wie Fidelity, Allianz Global Investors, Deka, Cominvest, Union Investment, Sauren, Fortis oder DWS bieten diese Produkte an. An sich eine vernünftige Idee. Dennoch ist das Anlegerinteresse für einige dieser Fonds recht gering. So musste bereits JP Morgan Anfang dieses Monats fünf Lebenszyklusfonds schließen.

Und auch der deutsche Fondsriese DWS will zum 27. November drei dieser Produkte (Zukunftsfonds) aufgrund ihres zu schwachen Volumens vom Markt nehmen. "Wir haben etwas ausprobiert, und es wurde von den Anlegern nicht angenommen", so DWS-Sprecher Claus Gruber. "Dann muss es wieder verschwinden - so ist Marktwirtschaft." Über mangelndes Interesse an den mit einer Höchststandsgarantie ausgestatteten Flex-Pension-Fonds kann sich die DWS jedoch nicht beklagen, so Gruber. "Auch unsere Riester-Fonds, die staatlich gefördert werden, verkaufen sich gut."

Wer sich als Anleger für einen Lebenszyklusfonds - oft auch als Target- oder Zielsparfonds bezeichnet - interessiert, der sollte in jedem Fall auf das Fondsvolumen achten. Je mehr Geld in einem solchen Produkt steckt, desto unwahrscheinlicher ist eine Schließung.

Sparplan I: Der Optimalfall

Bei diesem Szenario kann der Cost-Average-Effekt seine volle Wirkung entfalten. An den Märkten geht es längere Zeit abwärts, der Anleger kauft in seinen Sparplan "billig" Fondsanteile ein, zum Ende der Laufzeit hin drehen die Märkte nach oben. Als Beispiel wurde die DAX-Entwicklung zwischen März 2000 und Juni 2007 gewählt. Obwohl der Index leicht negativ performt hat (-4,48 %), ist der Sparplan dick im Plus (+64,29 %). Annahme: Einzahlungen von monatlich 100 Euro, ohne Berücksichtigung von Transaktionskosten und Gebühren.

Sparplan II: Das Negativszenario

Zwischen Ende März 2003 und Ende Februar 2009 entwickelte sich der DAX in Form eines umgekehrten V. In dieser Zeit erzielte eine Einmalanlage auf den Index eine Rendite von plus 59,26 Prozent, bei einem Sparplan mit denselben Annahmen wie oben wäre hingegen ein Minus von 18,26 Prozent entstanden.

Günstige Sparplananbieter: Direktbanken und Onlinebroker

Wer einen Sparplan einrichten will, der über viele Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte läuft, sollte auch einen strengen Blick auf die Kosten werfen. Denn jeder Prozentpunkt mehr an Gebühren summiert sich über den langen Zeitraum und kostet Rendite. Mittlerweile haben aber zahlreiche Direktbanken und Onlinebroker ihr Angebot an sparplanfähigen Fonds stark ausgeweitet. Und viele der Institute bieten erfreulicherweise eine Reihe von Fonds zum ermäßigten Ausgabeaufschlag an. Zusätzlich hat der Anleger bei immer mehr Banken die Möglichkeit, auch auf ETFs oder Zertifikate zu sparen.

Papiere für kostenbewusste Sparer

Zertifikatesparpläne sind nicht nur transparenter als Fonds. Auch die Gebühren sind meist niedriger.

Besser als ihr Ruf: 40 Prozent der Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland liefen seit 1999 besser als der DAX. Sogar mehr als 100 Prozent Plus waren in dieser schwierigen Dekade mit Jahrtausendcrash und zwei Rezessionen möglich.

Es gibt allerdings viele Anleger, die nicht auf eine Outperformance zum Markt setzen, sondern einfach nur die Chancen nutzen wollen, die Aktien langfristig bieten. Während die eher ambitionierten Börsianer bei Fondssparplänen oft nach der eigenen Einschätzung einsteigen oder dem guten Ruf eines Fondsmanagers folgen, greifen immer mehr Normalanleger bei Sparplänen nach Zertifikaten. Das funktioniert im Prinzip wie beim Fondssparplan. Allerdings werden hier Indexzertifikate auf Aktien oder auch Rohstoffe mit der regelmäßigen Rate angespart.

Diese Zertifikate bilden die Kursentwicklung des zugrundeliegenden Index eins zu eins ab. Anleger sollten dabei, wenn möglich, Performanceindizes bevorzugen. Bei diesen fließen anders als bei Kursindizes die Dividendenzahlungen der Indexmitglieder in die Wertentwicklung ein. Die Ausschüttungen werden zum Beispiel beim üblichen DAX-Index berücksichtigt. Dow Jones, Nikkei 225 oder DJ Euro Stoxx 50 dagegen sind Kursindizes. Dividendenzahlungen gehen dem Anleger verloren. Da zum Beispiel im DAX Dividenden langfristig betrachtet rund 40 Prozent der Erträge liefern, macht das einen enormen Unterschied.

Da viele Onlinebroker und Direktbanken zahlreiche Sparplanfonds mit hohem Discount oder gar ohne Ausgabeaufschlag anbieten, sind Zertifikatesparpläne im Vergleich dazu bei der Anschaffung oft etwas teurer. Denn viele Banken verrechnen eine Mindestgebühr von 2,50 Euro und volumenabhängige Spesen von etwa 0,25 bis 0,5 Prozent. Um weitere Kosten zu vermeiden, sollten Anleger auf Zertifikate setzen, bei denen der Spread, also die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis, gleich null ist. Da einige Banken bei Zertifikatesparplänen keine Depotgebühren nehmen, lässt sich auch hier Geld sparen und die Performance erhöhen.

Wegen geringer jährlicher Spesen sind Zertifikate im Vergleich zu Fondssparplänen auf jeden Fall die kostengünstigere Variante. Während Fondsgesellschaften im Schnitt etwa 1,5 Prozent an Verwaltungsgebühren im Jahr berechnen, gibt es Indexzertifikate nicht selten ohne solche Belastungen. Um allerdings während eines langen Sparzeitraums Umschichtungskosten möglichst zu vermeiden, greifen kostenbewusste Börsianer zu Endloszertifikaten. Wegen des Emittentenrisikos sollte man aber nicht vergessen, auf verschiedene Anbieter zu streuen.