Die besten Angebote

Pflegeversicherungen: Früher an später denken


Wer in jungen Jahren eine Pflegeversicherung abschließt, kann sich günstig gegen hohe Kosten im Alter absichern. Was Sie beachten müssen, die besten Angebote.

von Martin Reim, €uro Magazin

So jung und schon ein politisches Erbe. Daniel Bahr hat mit seinen 37 Jahren geschafft, was viele Bundestagsmitglieder auch nach vier Legislaturperioden nicht erreichen. Mit der geförderten Pflegezusatzversicherung, die Anfang 2013 startete und inoffiziell "Pflege-Bahr" heißt, hat er sich mit einem Erfolg verewigt: Bis Ende Januar wurden über 400 000 Policen verkauft (neuere Zahlen liegen nicht vor). Der Clou: Für jeden Vertrag gibt es einen staatlichen Zuschuss von fünf Euro pro Monat, wenn die Prämie mindestens zehn Euro beträgt.

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Doch wer sind die besten Anbieter? Das hat €uro in Zusammenarbeit mit der Analysegesellschaft für Anlage- und Versicherungsprodukte herausgefunden. Das Ergebnis: Es stechen Hanse-Merkur, R+V, Central und Bayerische Beamtenkrankenkasse (deren Angebote gibt es auch bei der Union Krankenversicherung) mit jeweils durchgehender Note "sehr gut" hervor. Manche dieser Policen sind auch über gesetzliche Kassen erhältlich, beispielsweise kooperiert die DAK mit Hanse-Merkur und die Techniker Krankenkasse mit Central.

Doch generell gilt: Die Absicherung durch den Pflege-Bahr ist oft zu gering. So bekommen 60-Jährige in allen untersuchten Tarifen lediglich 600 Euro im Monat, wenn sie schwerst pflegebedürftig sind. Dabei wären im Durchschnitt knapp 2000 Euro nötig, wie sich aus Zahlen des Statistischen Bundesamts ergibt. Denn so hoch ist die Differenz zwischen dem, was die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt, und den Kosten stationärer Pflege in der sogenannten Stufe 3. Hier brauchen die Patienten rund um die Uhr Betreuung. Hinzu kommt, dass beim Pflege-Bahr die Prämien laut Gesetz weiterbezahlt werden müssen - auch wenn man schon pflegebedürftig ist. Das vergrößert die Versorgungslücke.

Aus diesem Grund hat €uro in einem zweiten Schritt sogenannte Kombi-Tarife unter die Lupe genommen, bei denen Pflege-Bahr und eine ungeförderte Zusatzversicherung desselben Anbieters zusammengefasst sind. Hier fallen die Zahlungen großzügiger aus. Die Güte der jeweiligen Tarife - gemessen an Prämienhöhe, Absicherung und Zusatzleistungen - ist auch hier recht unterschiedlich und hängt stark vom Alter des Versicherten ab. Für Jüngere gibt es mehr Tarife, die besonders empfehlenswert sind als für Ältere. So existieren für 25-Jährige eine Reihe "sehr guter" und "guter" Angebote, 40-Jährige und insbesondere 60-Jährige haben es schwer, sich gut abzusichern.

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Schutz für die Erben. Wer über einen Kombi-Tarif nachdenkt, sollte nachrechnen, ob er eine zusätzliche Absicherung überhaupt braucht. Der Grund: Wer während des Arbeitslebens pflegebedürftig wird, kann eventuell Leistungen aus der gesetzlichen Erwerbsunfähigkeits- oder der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung erwarten, vielleicht auch aus einer Unfallversicherung. Dazu kommen im Rentenalter die gesetzliche Rente, oft private Zusatzversorgungen und finanzielle Rücklagen. "Eine Pflegezusatzversicherung ist oft ein finanzieller Schutz für die Erben, nicht für einen selbst", meint deshalb der unabhängige Versicherungsmakler Helge Kühl.

Generell unterscheiden sich Pflege-Bahr-Policen und Kombi-Versicherungen in einem wichtigen Punkt: Laut Gesetz dürfen die Pflege-Bahr-Anbieter keine Gesundheitsfragen stellen, Risikozuschläge erheben oder bestimmte Leistungen ausschließen. Selbst wer schwer erkrankt ist, bekommt also uneingeschränkten Schutz zum Einheitspreis. Bei Kombi-Policen sollen Gesundheitsfragen dies ausschließen.

Die fehlende Gesundheitsprüfung macht den Pflege-Bahr für kranke Menschen attraktiv, kann aber auf lange Frist teuer für alle Bahr-Versicherten werden. Denn falls sich viele Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen für den Pflege-Bahr entscheiden, steigen die Ausgaben und damit die Prämien. Die sind nicht für die gesamte Laufzeit garantiert. Das gilt übrigens auch für Kombi-Policen. Für beide Arten gilt: Gebremst wird ein Anstieg lediglich durch Rückstellungen, die in jüngeren Jahren des Versicherten gebildet und im Alter aufgelöst werden. Noch ein Grund, früh eine Versicherung abzuschließen.

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Es gibt auch eine Möglichkeit, sich ­fixe Prämien zu sichern: die Pflegerentenversicherung. Sie hat den weiteren Vorteil, dass in den meisten Fällen die Versicherung auch dann Geld zahlt, wenn man nicht bis zum Vertragsende einzahlt. Wer beim Pflege-Bahr säumig ist, hat schnell jeden Anspruch auf Pflegeleistungen verwirkt. Die Kehrseite der Medaille: Die Prämien sind unverhältnismäßig höher als beim Pflege-Bahr, und es gibt keine staatliche Förderung.

Bleibt die Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass man eine Pflegezusatzversicherung irgendwann tatsächlich benötigt? Hier sprechen die Prognosen eine klare Sprache. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts soll sich die Zahl der Pflegebedürftigen in den kommenden Jahrzehnten fast verdoppeln - von derzeit 2,4 Millionen auf 4,5 Millionen im Jahr 2050.

Was getestet wurde:
(PDF)

Geförderte Zusatzversicherungen für Pflege-Monatsgeld:
(PDF)

Pflege-Bahr plus ungeförderter Tarif beim gleichen Anbieter:
(PDF)

Anmerkung der Redaktion

In der Heftversion des Tests in €uro 7/14 sind einige Angaben durch einen Übertragungsfehler aus den Testauswertungen nicht korrekt wiedergegeben Es handelt sich um die Tabelle "Kombi-Policen", "ohne Alterungsrückstellungen", "Alter bei Vertragsbeginn: 25 Jahre" bei den Zahlungen für Pflegestufe 0 und 1 und bei "Alter bei Vertragsbeginn: 60 Jahre" bei den Zahlungen für alle Pflegestufen.
Die Testauswertungen selbst, insbesondere die Noten, sind durch diese Fehler nicht beeinflusst. Obenstehende Tabellen sind korrekt. Wir bitten, die Fehler zu entschuldigen.