Euro Magazin

GKV: Die besten Krankenkassen für jeden Typ


GKV: Die besten Krankenkassen für jeden Typ

Geringer Beitrag oder viel Leistung oder doch beides? Der große Krankenkassenvergleich zeigt, wo bestimmte Kundengruppen am besten aufgehoben sind.

von Markus Hinterberger, Euro Magazin

Das klingt erst einmal gut. Mit dem Gesundheitskonto der IKK Südwest können Versicherte Leistungen in Anspruch nehmen, die gesetzliche Krankenkassen in der Regel nicht zahlen. Dazu gehören etwa homöopathische Arzneimittel oder Gesundheitskurse. Wer selbst zahlt, bekommt von der IKK Südwest 80 Prozent des Rechnungsbetrags zurück.

Werbung

Das klingt erst mal nicht so gut: Es gibt ein Budget. Wer allein versichert ist, kann pro Jahr maximal 150 Euro zurückbekommen, wer seine Familie mitversichert, höchstens 300 Euro. Angesichts der Preise, die Ärzte und Heilpraktiker für Therapien und Anwendungen in Rechnung stellen, zeigt sich schnell: Die Summe reicht in der Regel für nicht mehr als zwei bis drei Behandlungen.

Die IKK Südwest ist kein Einzelfall. "Gesundheitskonten oder andere Budgetlösungen sind im Trend", sagt Thomas Adolph, Inhaber des Portals kassensuche.de. Durch die Konten sieht es so aus, als bekäme der Versicherte richtig viel, doch wer viele verschiedene Behandlungen nutzt, ist schlechter dran als ein Versicherter einer Kasse, die bewusst bestimmte Leistungen zahlt und andere nicht.

Diesem Umstand hat der €uro-Krankenkassenvergleich Rechnung getragen, indem Kassen mit Gesundheitskonten weniger Punkte bekamen, obwohl sie auf den ersten Blick mehr Gesundheitsprogramme und Behandlungsmöglichkeiten anbieten.

Werbung

Intensiver Wettbewerb. Der Grund für Gesundheitskonten und andere Wege, den Beitrag optisch günstiger erscheinen zu lassen, ist folgender: Seit Jahres­beginn konkurrieren die gesetzlichen Krankenkassen nicht mehr nur bei der Leistung, sondern auch wieder beim Preis. Der Einheits­beitrag von 15,5 Prozent des Bruttoeinkommens wurde abgeschafft. Der neue Beitrag setzt sich aus drei Teilen zusammen.

Der Arbeitgeberanteil beträgt 7,3 Prozent, dazu kommen weitere 7,3 Prozent, die der Arbeitnehmer zahlt. Diese insgesamt 14,6 Prozent sind der Sockelbeitrag, den keine Krankenkasse unterschreiten darf. Mehr verlangen dürfen die Kassen aber sehr wohl. Die teuersten verlangen stolze 1,3 Prozentpunkte extra. Das bedeutet: Mitglieder einer Kasse, die nur die 14,6 Prozent verlangt, zahlen binnen eines Jahres 643,50 Euro weniger als Beitragszahler der teuersten Krankenkasse. Vorausgesetzt, sie verdienen 4125 Euro Brutto im Monat oder mehr.

Kein Wunder, dass die meisten Kassen versuchen, eher zu den günstigen Anbietern zu gehören. Denn die Zusatzbeiträge der Vergangenheit haben gezeigt, dass die Menschen wechseln, wenn es ihnen zu teuer wird. Die Kassen sind also im Dilemma: Keine kann es sich leisten, zu teuer zu erscheinen, und muss gleichzeitig bei den Angeboten wettbewerbsfähig bleiben. Billig und leistungsstark - das geht einfach nicht. Der €uro-Test nach Kundengruppen zeigt deutlich: Keine Krankenkasse schafft diesen Spagat zwischen hoher Leistung bei niedrigem Beitrag.

Werbung

Aber es gibt Unterschiede. So schneiden bundesweit tätige Krankenkassen in der Regel deutlich besser ab als solche, die nur in bestimmten Ländern tätig sind, oder Kassen, die ihre Kunden in erster Linie telefonisch oder via Internet betreuen.

Ausnahme unter den ­Direktkassen ist die Securvita - deren Vorstand Thomas Martens keinen Preiskampf mitmachen will. Das Ergebnis: Die Leistungen sind im Vergleich zum Vorjahr bis auf kleine Abstriche gleich geblieben. Der Beitrag ist um 0,2 Prozentpunkte gestiegen. Auch wenn Gutverdiener mit mehr als 4125 Euro Monatsbrutto nun fast 100 Euro mehr im Jahr zahlen müssen, hat die Securvita kaum Kunden verloren. Für Branchenkenner Adolph ein Zeichen, dass sich das Feld aufteilt. "Auf der einen Seite wird es Kassen mit viel Leistung und etwas höheren Beiträgen geben, auf der anderen Anbieter mit niedrigeren Beiträgen, aber oft auch weniger Leistung."

Bald wird’s teurer. Der härtere Wettbewerb trifft die Kassen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Statt der ursprünglich veranschlagten 14 Milliarden flossen 2014 nur 10,5 Milliarden Euro vom Bund in den Gesundheitsfonds, aus dem die Krankenkassen wiederum ihr Geld bekommen. Viele Kassen müssen in diesem Jahr sparen und rufen nach mehr Geld und werden es wohl auch bekommen.

Laut Prognosen des Bundesgesundheitsministeriums wird der Krankenkassenbeitrag bis 2019 von derzeit durchschnittlich rund 15,5 Prozent auf mindestens 16 Prozent steigen. Auch wenn ei­nige SPD-Politiker dagegen wettern, die höheren Beiträge werden vermutlich ausschließlich bei den Arbeitnehmern hängen bleiben. Der Arbeitgeberanteil wird bis auf Weiteres fix bei 7,3 Prozent bleiben. In den nächsten Wochen wird der Schätzerkreis der gesetzlichen Krankenversicherung Klarheit schaffen und die Höhe der Beitragssteigerungen festlegen.

Aber selbst wenn die Kasse, in der man Mitglied ist, teurer wird, besteht kein Grund zur Panik. Mit dem Sonderkündigungsrecht bei Beitragssteigerungen ist man schnell aus der zu teuren Kasse raus, und anders als bei der privaten Krankenversicherung dürfen Krankenkassen keinen Wechsler ablehnen oder mehr von ihm verlangen, weil er bereits eine dicke Krankenakte hat. Bei so viel Flexibilität hat der Wettbewerb um Mitglieder bei Beiträgen und Leistungen nur Vorteile für die Kunden.

So wurde gewertet

Rund 96 Prozent des gesamten Leistungskatalogs der Krankenkassen ist gesetzlich vorgegeben. Über den Rest können sie selbst bestimmen. Doch bei diesen vier Prozent gibt es enorme Unterschiede. Um Ihnen die Wahl der Krankenkasse möglichst leicht zu machen, hat €uro die besten Krankenkassen für vier verschiedene Kundengruppen zusammengestellt

1. Krankenkassen mit Sinn für die Familie Wer bereits Kinder hat oder kurz vor der Geburt steht, hat ganz besondere Wünsche an die Leistungen einer Krankenkasse. Denn schließlich soll der Nachwuchs so gut wie möglich versorgt sein. Somit sind kinder- und familienbezogene Mehrleistungen dieser Kundengruppe ganz besonders bedeutsam.

2. Kassen mit dem größten Sparpotenzial Das sind die richtigen Krankenkassen für alle, denen die Pflichtleistungen vollkommen ausreichen und die dafür finanzielle Vorteile nutzen möchten. Da es seit Jahresbeginn wieder kassenindividuelle Beitragssätze gibt, wurde diese Kundengruppe neu konzipiert und auch die Bewertung verändert. Hintergrund: Wer sparen will, schaut nicht nur auf den Beitragssatz, sondern auch auf weitere Einsparmöglichkeiten.

Hierbei sind folgende Parameter zu beachten:

- Die Ersparnis beim Beitragssatz hängt vom Einkommen ab. Bis zu 1,3 Prozentpunkte sind zumindest theoretisch möglich. Bei 2000 Euro Brutto-Monatseinkommen sind das 312 Euro Ersparnis im Jahr; bei 4000 Euro sind es 624 Euro Vorteil, für den man nichts tun muss, außer die richtige Kasse zu wählen (dieser Punkt zählte 30 Prozent in der Wertung).

- Bei der Beitragsrückerstattung bei Leistungsfreiheit sind bis zu 600 Euro pro Jahr möglich, wenn man im Kalenderjahr nicht zum Arzt geht (30 Prozent).

- Bei Bonusprogrammen sind realistischerweise um die 200 Euro jährlich an Ersparnis drin. Um in den Genuss dieses Betrags zu kommen, muss man aber in der Regel fünf bis sieben Voraussetzungen erfüllen (20 Prozent).

- Mit einer kostenfreien Professionellen Zahnreinigung (PZR) etwa 75 bis 100 Euro sparen (10 Prozent).

- Den finanziellen Nutzen von Vorteilsprogrammen zu beziffern ist pauschal kaum möglich. Für gesunde Menschen ist die Bedeutung eher gering, außer bei Zahnersatz (10 Prozent).

Allerdings kann keine Krankenkasse alles bieten. Gäbe es eine Kasse mit dem niedrigsten Beitragssatz und der höchsten Beitragsrückerstattung plus der höchsten Ausschüttung aus dem Bonusprogramm, würde die Aufsicht nicht mitspielen. Daher steht im €uro-Vergleich die Kasse ganz oben, deren Mitglieder im Durchschnitt am meisten sparen können.

3. Kassen mit einem starken Angebot bei alternativer und sanfter Medizin Immer mehr Menschen suchen Behandlungsmöglichkeiten abseits der oft als hart und nicht bedarfsgerecht empfundenen Schulmedizin. Das Motto "gesund leben" steht hier im Vordergrund, und es besteht der Wunsch nach alternativen, von der Kasse auch bezahlten Behandlungsmethoden.

4. Kassen mit guter Versorgung Erst wenn man krank ist, merkt man, wie gut die eigene Krankenkasse eigentlich ist. Gerade für Chroniker und schwer erkrankte Personen ist eine verbesserte Versorgung existenziell wichtig. Hier handelt es sich um die eigentliche "Königsklasse" der Krankenkassen, also solche, die ihren Versorgungsauftrag ganz besonders ernst nehmen und sich beispielsweise speziell Gedanken über verbesserte und strukturiert gestaltete Versorgung, die sogenannte Integrierte Versorgung, machen.

Die Basis der Auswertung sind alle allgemein geöffneten Krankenkassen (also keine ausschließlich betriebsbezogenen Kassen), die jeder gesetzlich Versicherte wählen kann. Der Wechsel von einer gesetzlichen Krankenkasse zu einer anderen kann mit einer Kündigungsfrist von zwei vollen Monaten problemlos erfolgen - Gesundheitsfragen oder andere Einschränkungen gibt es nicht. Und nach dem Wechsel sind Versicherte maximal 18 Monate an diese neue Krankenkasse gebunden. Somit können sie Krankenkassen auch "ausprobieren" - ein Plus gerade für bereits kranke Menschen. Damit Sie schnell und einfach die richtige Krankenkasse aus den aktuell 92 allgemein geöffneten Kassen (Stand September 2015) finden, haben wir diese in drei Gruppen eingeteilt:

Bundesweit aktive Kassen Das sind Krankenkassen, die auf Geschäftsstellen vor Ort setzen und in ganz Deutschland geöffnet sind.

Bundesweit tätige Direktkassen Krankenkassen mit maximal einer Geschäftsstelle, die sich auf die Betreuung ihrer Mitglieder per Telefon und Internet spezialisiert haben, aber nicht persönlich vor Ort vertreten sind. Auch sie sind aber in ganz Deutschland geöffnet.

Regionale Kassen Diese haben bisweilen nur in einem einzigen, manche in vielen Bundesländern geöffnet, aber eben nicht bundesweit. Typisch für diese Kassen ist häufig ein sehr hoher regionaler Bezug mit starker Verwurzelung vor Ort.

Nachdem jede Gruppe andere Schwerpunkte setzt, haben wir diese getrennt bewertet.
Die Bewertung fußt auf Daten unseres Partners gesetzlicheKrankenkassen.de zum Stichtag 27. August 2015. Danach erfolgte Leistungsmeldungen konnten nicht mehr berücksichtigt werden. Dabei haben wir in jedem Bereich die maximal erreichbare Punktzahl als 100 Prozent gewertet und im Anschluss daran hieraus errechnet, wie viel Prozent dieser möglichen Gesamtleistung die jeweilige Kasse erreicht hat (außer bei den Kassen mit dem größten Sparpotenzial). Je nach Höhe des erzielten Werts hat €uro dann eine €uro-Note für den jeweiligen Leistungsbereich vergeben.

100 %-91,66 % 1,0 (exzellent)
91,65 %-83,34 % 1,1-1,5 (sehr gut)
83,33 %-66,66 % 1,6-2,5 (gut)
66,65 %-50 % 2,6-3,5 (befriedigend)
49,99 %-33,33 % 3,6-4,5 (ausreichend)
33,32 %-16,66 % 4,6-5,5 (mangelhaft)
16,65 %-0 % 5,6-6,0 (ungenügend)

Aus Platzgründen wurden jeweils nur die besten Anbieter dargestellt.

Unter: kassensuche.de finden Sie die passende
Kasse nach Ihren Vorgaben.

Die Ergebnisse

Typ 1: (PDF)

Typ 2: (PDF)

Typ 3: (PDF)

Typ 4: (PDF)

Bildquellen: Lucky Business / Shutterstock.com, 360b / Shutterstock.com