Neue Garantiepolicen im großen Test: Durchblick im Datenwust
Wer eine Rentenversicherung sucht, steht vor einer Fülle neuer Angebote. Sie versprechen mehr Rendite bei moderatem Risiko. Zu Recht? €uro hat die Newcomer getestet.
von Martin Reim, €uro Magazin
Autohersteller greifen gern zum Turbolader, wenn ein Motor leistungsschwach ist. Er verhilft zu mehr PS, ohne dass die gesamte Konstruktion geändert werden muss. Denn das eingebaute Teil wird von den Abgasen des Motors angetrieben und sorgt so für zusätzliche Power.
Die Assekuranzbranche verfolgt derzeit dasselbe Prinzip. Eine wachsende Zahl von Anbietern baut quasi einen Turbo in die klassischen Lebensversicherungen ein. Denn deren Renditen schrumpfen. Hauptgrund der Schwäche: Das Geld der Kunden muss überwiegend in Staatsanleihen investiert sein, um in jedem Fall die garantierte Verzinsung zu erwirtschaften - doch Euro-Staatsanleihen werfen derzeit kaum noch etwas ab.
Lösung: Der Kunde kann die Überschussbeteiligung nutzen, um auf Umwegen die Chance auf mehr Rendite zu bekommen. Hierfür haben die Versicherer in den vergangenen Jahren eine Fülle von neuen Produkten auf den Markt gebracht, die sich unter dem Begriff "Neue Garantiepolicen" zusammenfassen lassen. Ihre Gemeinsamkeiten: Es existieren zwar Garantien auf das eingezahlte Kapital, doch liegen diese unterhalb des gesetzlichen Garantiezinses von 0,9 Prozent pro Jahr. Und der Versicherer legt das Kundengeld zumindest teilweise in Eigenregie an; die Mittel fließen also - anders als bei Fondspolicen - nicht komplett in externe Fonds.
Von diesen Neuen Garantiepolicen gibt es - grob gesagt - zwei Spielarten. Eine sind die sogenannten Indexpolicen. Hier können sich Kunden an der Wertentwicklung eines Index beteiligen, zumeist am Aktienmarkt. Das soll zusätzliches Geld bringen. Die Chancen und die Risiken sind dabei limitiert. Der Kunde nimmt nur innerhalb bestimmter Limits an den Gewinnen teil, andererseits kann im schlimmsten Fall maximal die eingesetzte Rendite des Vorjahres verloren gehen.
Die zweite Spielart wird "Moderne Klassik" genannt. Es existiert ein Sammelsurium an Konstruktionen, von denen die meisten recht nah an klassischen Policen mit gesetzlichem Garantiezins sind. So ist der Anlagemix bei der Neuen und der Alten Klassik oft der gleiche, denn das Investment erfolgt in beiden Fällen im sogenannten Sicherungsvermögen des Anbieters. Die höhere Rendite soll allein dadurch erzielt werden, dass der Versicherer durch die gekürzten Garantien weniger Kapital beiseitelegen muss. Entsprechend wird eine höhere Überschussbeteiligung in Aussicht gestellt. All diesen Angeboten ist gemeinsam, dass es keine Orientierung an einem Index gibt.
Gewaltige Unterschiede. Die Neuen Garantieprodukte verkaufen sich wie geschnitten Brot. Nach Angaben des Versichererverbands GDV hatten sie 2017 einen Anteil von 50 Prozent am gesamten Absatz von Lebensversicherungen. Grund genug, die Angebote auf Herz und Nieren zu prüfen. €uro hat in Zusammenarbeit mit der Ratingagentur Morgen & Morgen den bislang umfangreichsten Test am Markt durchgeführt (Ergebnisse siehe unten). Und siehe da: Die Unterschiede sind gewaltig.
Beispiel Indexpolicen: Beim Tarif "Klassik modern" des Volkswohl Bundes ist unter bestimmten Rahmenbedingungen und bei zwölf Jahren Laufzeit knapp ein Drittel mehr zu erwarten als bei der "DAX-Rente" der Nürnberger. Bei 30 Jahren Laufzeit beträgt das Plus sogar fast 100 Prozent. Das bedeutet: Eine gute Police kann zu Vertragsende annähernd das Doppelte einbringen wie eine schlechte. Die Kategorie "Performance", also alles rund um die Wertentwicklung, floss denn auch mit einem Gewicht von 50 Prozent in die Endnote ein.
Doch nicht nur die Auszahlungen zählen. Ist ein Vertrag unflexibel, wird er seinem Besitzer möglicherweise wenig Freude bereiten, selbst wenn er renditeträchtig ist. Beispiele: enge Grenzen für Zuzahlungen während der Vertragslaufzeit oder keine Erhöhung der Rente, wenn die versicherte Person pflegebedürftig werden sollte.
Andererseits sollte dem Kunden ein Höchstmaß an Kalkulierbarkeit geboten werden. Etwa: Welche Regeln gelten, wenn man mit den Einzahlungen eine Zeitlang aussetzen will. Oder nach welchem Rechenmodus das angesammelte Kapital bei Vertragsende in eine Rente umgewandelt wird.
Diese Umwandlung kann durchaus unangenehme Folgen haben. Manche Versicherer wollen sich bei Vertragsabschluss nur beim sogenannten garantierten Kapital festlegen. Was aufgelaufene Überschüsse betrifft, behalten sich einige Anbieter die Entscheidung vor, wie sie später einmal die Rentenhöhe berechnen - ein Vabanquespiel für den Kunden. Solche Aspekte flossen in die Kategorie "Kundenfreundlichkeit" ein, die bei Indexpolicen 40 Prozent des Endergebnisses ausmachen (bei der Modernen Klassik 50 Prozent).
Bei Indexpolicen ist die Nachvollziehbarkeit der Indizes ebenfalls wichtig. Ist diese gegeben, können Versicherte die Zusammensetzung und Wertentwicklung gut verfolgen und anhand dessen ihre Dispositionen treffen. Leider verwendet nur etwa die Hälfte der Anbieter transparente Börsenbarometer, die anderen greifen zu selbst gebauten Produkten (siehe Kasten unten). Die Kategorie "Transparenz" machte im Test zehn Prozent der Gesamtwertung aus (sie entfällt bei der Modernen Klassik).
Doch selbst wenn ein Index transparent ist, sagt das noch nichts darüber aus, wie gut oder schlecht er sich entwickeln wird. Möglicherweise setzen die Experten der Versicherer bei ihren Selfmade-Prozessen genau aufs richtige Pferd. Doch konnten wir bei diesem Test nicht die künftigen oder historischen Wertentwicklungen der Indizes kalkulieren, weil in vielen Fällen die nötigen Informationen nicht vorlagen.
Noch ein weiteres Phänomen machte solche Berechnungen unmöglich: Viele Versicherer legen jedes Jahr neu fest, in welchem Umfang sie mögliche Gewinne der Kunden limitieren. Daher sind Vorausberechnungen der Limits reine Spekulation, und für Rückberechnungen fehlen angesichts der kurzen Historie vieler Indexpolicen schlicht die Daten.
Dabei gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Verfahren der Limitierung. Die meisten Anbieter greifen zu einem Cap (beispielsweise 2,5 Prozent). Heißt: Von Kursgewinnen, die über dieser Grenze liegen, profitiert der Kunde nicht. Wenige andere definieren eine Partizipationsquote - einen Prozentsatz, zu dem der Kunde an den Gewinnen beteiligt wird (beispielsweise 60 Prozent).
Vor allem der Cap ist von der Zinsentwicklung an den Weltbörsen abhängig. Denn je niedriger die Überschüsse des Vorjahres sind, desto weniger können die Kunden im Folgejahr in die Indexbeteiligung stecken. Diese Beteiligung findet nämlich nicht direkt statt, sondern - zumindest bei den transparenten Indizes - über eine Option. Diese kauft der Versicherer bei einem unabhängigen Dritten, meist einer Bank. Und wenn er weniger Kundengeld in der Hand hat, bekommt er schlechtere Konditionen - und muss den Cap niedriger setzen, um selbst noch genug zu verdienen.
Traditionelle Policen hinten. Ist bei den Neuen Garantiepolicen tatsächlich ein Mehrertrag zu erwarten? Kurze Antwort: ja. Das zeigt sich anhand von Prognoserechnungen auf der Basis von 10 000 Kapitalmarktszenarien, die Morgen & Morgen bei den Policen der R + V, des Versicherers der Volks- und Raiffeisenbanken, durchgespielt hat. Bei zwölf Jahren Laufzeit bringen traditionelle Verträge pro eingezahltem Euro, also inklusive Kosten, derzeit eine durchschnittliche Rendite von 0,8 Prozent. Bei der Modernen Klassik sind es 1,8 Prozent und bei Indexpolicen 2,6 Prozent. Bei 30 Jahren Laufzeit beträgt der Wert bei traditionellen Verträgen 2,7 Prozent, bei der Modernen Klassik 3,0 Prozent und bei Indexpolicen 4,1 Prozent.
Langfristig könnte der Aktien-Turbolader also tatsächlich für mehr Leistung sorgen.
Die Indizes der Versicherer
Vom DAX bis zur Black Box
Standardindizes: Klassische Aktienindizes sind komplett transparent, weshalb wir sie für die sinnvollste Grundlage für Indexpolicen halten. So berechnen Nürnberger und Volkswohl Bund ihre Renditen anhand des Leitindex DAX der Deutschen Börse, der deutschen Anlegern bestens bekannt ist. Dort sind die 30 größten deutschen Aktiengesellschaften versammelt, darunter SAP, Siemens, Allianz und VW. Noch üblicher in der Branche ist der Index Euro Stoxx 50, auf den Allianz, Condor, Generali, LV 1871, R + V, Volkswohl Bund und SV SparkassenVersicherung bauen. Er bildet die Kurse von 50 wichtigen Aktiengesellschaften der Eurozone ab und gilt als Standardbarometer für europäische Aktien. Neben deutschen Papieren sind dort Titel aus anderen Euroländern versammelt - zum Beispiel Unilever aus den Niederlanden, LVMH aus Frankreich und AB Inbev aus Belgien. Wertentwicklung und Zusammensetzung sind bei diesen Standardindizes jederzeit auf allen einschlägigen Börsenseiten einsehbar.
Indizes Marke Eigenbau: Selbst gebastelte Indizes bieten zwar eine noch breitere Streuung, indem sie das Kapital neben Aktien teilweise auch auf Anlageklassen wie Anleihen, Immobilien und Rohstoffe verteilen. Doch ist meist nur schwer nachvollziehbar, wie das Geld im Detail investiert wird. Beim "MultiSelekt Konzept" des HDI, der aus Aktienindizes und einer kleinen Rohstoffbeimischung besteht, wird der Indexaufbau noch relativ detailliert auf der Website des HDI aufgeschlüsselt. Bei Indizes wie dem von AXA und Deutscher Ärzteversicherung verwendeten "Multi Asset" ist der Prozentanteil der einzelnen Anlageklassen hingegen kaum zu ermitteln. Und bei wieder anderen wie dem "M-A-X Multi-Asset" der Stuttgarter verändert sich die prozentuale Aufteilung ohnehin ständig, da die Investitionsquoten dort über ein kompliziertes computergesteuertes Trendfolgesystem geregelt werden. Anleger investieren also in eine Black Box, die am Ende vielleicht einen Mehrwert generiert - vielleicht aber auch nicht. Weiterer Nachteil: Die Wertentwicklung ist oft nur auf der Seite der Anbieter abrufbar, sie wird also nicht unabhängig ermittelt. (von Andreas Höß, €uro am Sonntag)
So lesen Sie die Tabellen
Getestet wurden aktuell für Neukunden erhältliche Indexpolicen und Tarife der Modernen Klassik. Die Ergebnisse der Untersuchung stammen vom unabhängigen Analysehaus Morgen & Morgen, die Bewertungen von €uro.
Die übliche Funktionsweise der Indexpolicen wird am Beispiel der "IndexInvest" der R + V, des Versicherers der Volks- und Raiffeisenbanken, erklärt: Basisinvestment ist das sogenannte Sicherungsvermögen, also dasselbe Portfolio wie bei klassischen Policen.
Der Kunde kann jährlich wählen, ob er eine Orientierung an der Wertentwicklung des Index Euro Stoxx 50 bis zur Höhe des Cap wünscht oder für ein Jahr eine sichere Verzinsung erhalten möchte. Die sichere Verzinsung ist die Überschussbeteiligung, analog zu klassischen Policen. Wählt der Kunde die Orientierung am Index, werden die positiven monatlichen Wertentwicklungen des Euro Stoxx 50 bis zu einer Obergrenze, dem Cap, und die negativen monatlichen Wertentwicklungen addiert. Ist die Summe der zwölf Werte positiv, ist sie die Jahresrendite, mit der sich der Vertragswert erhöht. Ist die Summe negativ, dann ändert sich der Vertragswert nicht, der Kunde macht also keinen Verlust. Der Vertragswert ergibt sich aus den Einzahlungen abzüglich der Kosten und zuzüglich der jährlichen Rendite.
Der Cap wird jährlich neu festgelegt. Seit März 2018 beträgt er bei "IndexInvest" 2,6 Prozent (pro Monat). Die Zahl bezieht sich allerdings nur auf den Sparbeitrag, also Einzahlungen minus Kosten. Die zugewiesene Rendite erhöht das Sicherungsvermögen, sodass in der nächsten Periode ein höheres Ausgangsguthaben besteht.
Bei der Modernen Klassik mussten die Tarife folgende Aufnahmevoraussetzungen erfüllen: mindestens eine Garantie der Sparbeiträge (also Einzahlungen minus Kosten) zu Beginn der Rentenphase; Garantiezins unterhalb des gesetzlichen Werts; garantierte lebenslange Mindestrente; garantierte Rückkaufswerte.
Die Funktionsweise vieler Policen der Modernen Klassik sei anhand des Tarifs "PerformanceRente" der R + V erklärt. In der Einzahlungsphase wird zugesagt, dass zu Rentenbeginn das eingezahlte Kapital vorhanden ist. Außerdem wird bei Vertragsbeginn eine garantierte Mindestrente festgelegt. In der Rentenphase greifen die dann gültigen Rechnungsgrundlagen (Garantiezins und Sterbetafel). Der Anlagemix ist der gleiche wie bei klassischen Policen, das Investment erfolgt ebenfalls im sogenannten Sicherungsvermögen. Als Ausgleich für das niedrigere Garantieniveau im Vergleich zu klassischen Produkten wird eine höhere Überschussbeteiligung in Aussicht gestellt. Für Verträge, die 2018 geschlossen werden, sind für dieses Jahr 0,1 Prozentpunkte mehr als bei klassischen Verträgen fest zugesagt, außerdem weitere 0,2 Prozentpunkte höhere schlussfällige Überschüsse, die aber jederzeit widerrufbar sind.
Im Test untersucht wurden Angebote in allen drei Schichten, wie sie im Alterseinkünftegesetz des Jahres 2005 festgelegt sind - also erstens Rürup-Policen, zweitens Riester-Renten und betriebliche Altersversorgung, drittens Privatrenten. In diesen Kategorien wurden - soweit beide Varianten rechtlich möglich sind - sowohl Policen mit laufender Beitragszahlung als auch gegen Einmalbeitrag untersucht. Bei Versicherungen gegen laufenden Beitrag zahlt der Kunde regelmäßig Prämien und kann zum Ende der Einzahlungsphase wählen, ob das Guthaben verrentet oder auf einen Schlag ausbezahlt wird. Bei Einmalzahlungen zahlt der Kunde eine größere Summe auf einen Schlag, worauf die Rentenzahlung unmittelbar (Sofortrente) oder einige Zeit später (aufgeschobene Renten) startet. Im Test wurden ausschließlich aufgeschobene Renten betrachtet.
Um in den Test zu kommen, mussten die Policen folgende Vorgaben erfüllen: Todesfallschutz in der Aufschubphase: Guthaben oder Beitragsrückgewähr; Todesfallschutz bei Rentenbezug: zehn Jahre Rentengarantiezeit; Rentenbezugsform: dynamische oder teildynamische Rente. Diese Punkte werden auf den folgenden Seiten erklärt.
Privatrenten: In die Wertung kamen insgesamt 39 Tarife. Der Musterkunde zahlt 100 Euro im Monat bzw. 20 000 Euro Einmalbeitrag. Betriebliche Altersversorgung: In die Wertung kamen 24 Tarife sogenannter betrieblicher Direktversicherungen. Der Musterkunde zahlt 100 Euro im Monat.
Riester-Renten: In die Wertung kamen neun Indexpolicen (bei Tarifen der Modernen Klassik war die Grundgesamtheit für einen seriösen Vergleich zu klein). Der Musterkunde hat ein Bruttovorjahreseinkommen von 29 950 Euro und zahlt 87 Euro im Monat ein, um die volle Grundzulage von 154 Euro pro Jahr zu erhalten. Diese Zulagen sind in die in den Tabellen genannten Auszahlungen eingerechnet.
Rürup-Renten: Diese Policen werden auch als Basisrenten bezeichnet. In die Wertung kamen 13 Indexpolicen (bei Tarifen der Modernen Klassik war die Grundgesamtheit für einen seriösen Vergleich zu klein). Der Musterkunde zahlt 100 Euro im Monat bzw. 20 000 Euro Einmalbeitrag ein.
Folgende Versicherer konnten wegen fehlender Informationen nicht berücksichtigt werden: Bayern Versicherung, Ideal, Itzehoer, LVM, Öffentliche Leben Berlin Brandenburg, Öffentliche Leben Oldenburg, Öffentliche Leben Sachsen-Anhalt, Saarland, Sparkassen-Versicherung Sachsen.
Kundenfreundlichkeit
Hier wurde untersucht, wie kundenfreundlich die Allgemeinen Versicherungsbedingungen - auch als "Kleingedrucktes" bezeichnet - sind. Die Punktebewertungen zu den einzelnen Kriterien wurden jeweils auf Werte zwischen 100 und null indexiert.
Rechnungsgrundlagen der Zuzahlung: Zuzahlungen sind Zahlungen über die vereinbarten Prämien hinaus. Sie können anderen Rechnungsgrundlagen unterliegen als die normale Beitragszahlung, etwa was Rechnungszins und Sterbetabellen betrifft.
Rechnungsgrundlagen der Beitragsdynamik: Beitragsdynamiken, also planmäßige Beitragssteigerungen, können anderen Rechnungsgrundlagen unterliegen als die normale Beitragszahlung, etwa was Rechnungszins und Sterbetabellen betrifft. Dies ist wichtig, da das zufließende Kapital dann möglicherweise geringer gewichtet wird als ursprünglich bei Vertragsschluss gedacht. Das Kriterium ist nur bei laufendem Beitrag relevant, da es bei Einmalbeiträgen keine Beitragsdynamik gibt.
Garantierter Rentenfaktor mit Günstigerprüfung: Bei Vertragsabschluss wird dem Versicherten eine garantierte Rente festgeschrieben bzw. ein Rentenfaktor garantiert, mit dem das Vertragsguthaben bei Renteneintritt verrentet wird. Der Versicherte soll einerseits sehen, wie viel Rente er bei einem bestimmten Kapital erhält. Da hier häufig ein Abschlag vorgenommen wird, soll nach Renteneintritt erneut berechnet werden, wie hoch nach den aktuellen Rechnungsgrundlagen die Rente (ohne Abschläge) ausfällt. Zudem sollten Vorkehrungen getroffen werden, falls in einigen Jahren der Rechnungszins wieder steigen sollte. Der Versicherer sollte zum Renteneintritt idealerweise prüfen, ob das Vertragsguthaben nach den dann aktuellen Rechnungsgrundlagen eine höhere Rente ergibt als anfänglich garantiert.
Kostenfreie Beitragsfreistellung mit Wiederinkraftsetzungsmöglichkeit: Kann der Vertrag ohne zusätzliche Kosten von der Zahlungspflicht befreit werden, und kann irgendwann später die Beitragszahlung wieder starten? Wenn der Beitrag ausgesetzt werden muss, hat der Versicherte meist ein finanzielles Problem. Er soll daher nicht auch noch extra Gebühren zahlen müssen. Zudem soll er die Möglichkeit bekommen, die Beitragszahlung wieder aufzunehmen. Das Kriterium ist nur bei laufendem Beitrag relevant, weil es bei Einmalbeiträgen keine Beitragsfreistellung gibt.
Todesfallleistung im Rentenbezug: Die Todesfallleistung im Rentenbezug sieht unterschiedliche Formen der Auszahlung vor. Dabei kann es sich um die Weiterzahlung der Renten bis zum Ende der vereinbarten Rentengarantiezeit oder Auszahlung des verbliebenen Vertragsguthabens nach Abzug der bereits gezahlten Renten handeln. Bei der Bewertung gilt: je mehr Optionen, desto besser. Wenn keine Todesfallleistung im Rentenbezug erfolgt, gab es null Punkte. Riester: Wird die Leistung an die Hinterbliebenen ausgezahlt, müssen alle Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden, da die Leistung förderschädlich verwendet wird. Um eine förderschädliche Verwendung der Leistungen zu vermeiden, gibt es mehrere Möglichkeiten. Der Auszahlungsbetrag wird in einen förderfähigen Vertrag mit sofort beginnender Rente oder eine beitragsfreie förderfähige Rentenversicherung umgewandelt, bei der der Ehegatte versicherte Person ist. Ferner kann eine Übertragung des Auszahlungsbetrags auf einen bereits bestehenden förderfähigen Vertrag des Ehegatten erfolgen.
Mehrleistung bei Pflegebedürftigkeit: Mancher Versicherer gewährt bei Pflegebedürftigkeit eine erhöhte Rente. Damit gibt der Anbieter einen Teil seiner Ersparnis zurück, da für Pflegebedürftige die voraussichtliche Rentenzahlungsdauer (auf Grundlage statistischer Auswertungen) kürzer ist als für nicht Pflegebedürftige.
Skalierbarkeit der Indexbeteiligung: Besteht die Möglichkeit, eine anteilige sichere Verzinsung zu wählen (etwa Mischformen, bei der Sie die sichere Verzinsung zu 25 %, 50 % oder 75 % wählen)? Einige Versicherer bieten nur das Alles-oder-nichts-Prinzip, das heißt: Der Kunde muss sich jährlich für oder gegen den Index entscheiden. Einige Versicherer bieten aber auch die Option, hier eine Mischung vorzunehmen. Standardmäßig gibt es diese Mischungsverhältnisse in 25-%-Schritten, d. h. 0 %, 25 %, 50 %, 75 % oder 100 % in den Index bzw. in die sichere Anlage.
Punkte: Der Tarif mit der besten Wertung bekommt 100 Punkte, jener mit der niedrigsten null Punkte. Alle anderen Tarife bekommen Punkte gemäß dem gewichteten Abstand zur höchsten Wertung. Die Wertung besteht aus den bisher aufgezählten Kriterien plus einer Reihe zusätzlicher Kriterien, die nicht in den Tabellen ausgewiesen sind. Beispiele: jährliche Zuzahlungsmöglichkeiten, minimale und maximale Zuzahlung, wählbare Rentenformen (dynamisch/teildynamisch/flexibel), Kapitalentnahme in der Ansparphase, Kapitalentnahme in der Rentenphase.
Jährliche Zuzahlungsmöglichkeiten: Um flexibel zu sein, sollten neben den festgelegten Beitragszahlungen zusätzliche Sonderzahlungen möglich sein.
Kapitalentnahme in Ansparphase: Kann ein Teil des Vertragsguthabens während der Ansparphase entnommen werden? Das Kriterium ist jedoch nur für ungeförderte Renten, die privat abgeschlossen wurden, relevant, da es bei allen geförderten Formen gesetzlich ausgeschlossen ist.
Kapitalentnahme in der Rentenphase: Kann während der Rentenphase aus dem Deckungsstock Kapital entnommen werden? Dies bedeutet immer auch eine gleichzeitige Senkung der zukünftigen Rentenzahlung. Das Kriterium ist nur für ungeförderte Renten relevant. Wichtig: Bei Riester-Renten dürfen zu Rentenbeginn maximal 30 Prozent der Summe auf einen Schlag entnommen werden.
Performance
Aufschubphase: In dieser Zeit werden die Beiträge eingezahlt. Sie beginnt mit dem Tag, an dem der Vertrag abgeschlossen wird, und endet mit Beginn der Rentenphase. Die Aufschubphase dient dazu, das für die Rentenzahlung oder eine Kapitalabfindung nötige Guthaben anzusparen.
Gesamtkostenquote: Die Auswirkungen der Kosten auf die Wertentwicklung der Altersvorsorge werden mithilfe der Gesamtkostenquote dargestellt. Sie gibt an, um wie viel sich die jährliche Wertentwicklung nach Abzug von Abschluss- und Vertriebskosten sowie der übrigen Kosten in der Aufschubzeit reduziert. Das bedeutet beispielsweise: Bei einer vorgegebenen Performance von sechs Prozent und einer tatsächlichen Rendite von vier Prozent sind die restlichen zwei Prozentpunkte die Kostenquote. Bei Privatrenten wurden die Kostenquoten des Basisinformationsblattes und des Produktinformationsblattes betrachtet. Bei geförderten Verträgen wurden die sogenannten Effektivkosten genannt, die seit 2017 in den Produktinformationsblättern enthalten sein müssen. Diese gehen von einem Maximalkostenprinzip aus, weshalb hier höhere Kostenquoten ausgewiesen werden als in den anderen Tarifarten. Prinzipiell gilt: je niedriger die Kostenquote, desto besser. Aber natürlich ist für den Kunden am Ende am wichtigsten, wie viel er als Rente ausgezahlt bekommt. Deshalb sollte man diese Quote allein nicht überbewerten, sondern immer in Kombination mit den anderen Zahlen betrachten.
Laufende Verzinsung: Summe aus Garantiezins und zusätzlichem Zinsüberschuss, wird auch - fachlich ungenau - als Überschussbeteiligung bezeichnet. Die Zahlen sind für 2018 deklariert, können aber jährlich neu festgelegt werden. Da standardmäßig die Zinsüberschüsse für die Größe der Indexbeteiligung am wichtigsten sind, ist diese Größe auch bei Indexpolicen bedeutsam. Man geht davon aus, dass die relative Größe zum Markt in den nächsten Jahren ebenso Bestand hat. Wer also heute eine gute laufende Verzinsung hat, sollte sie in einigen Jahren auch haben. Eine Garantie dafür kann aber keiner geben.
Beitragsgarantie: Wie viel Prozent der eingezahlten Beiträge der Versicherer in jedem Fall überweist, wenn der Kunde bei Rentenbeginn eine Auszahlung auf einen Schlag wünscht. Eine solche Auszahlung ist bei Riester-Policen nur bis zu 30 Prozent des Kapitals erlaubt, bei Rürup ist diese Möglichkeit gänzlich ausgeschlossen. Die garantierte Ablaufleistung spielt bei der Bestimmung der garantierten Rente eine große Rolle, da sich die garantierte Rente aus dem Produkt des garantierten Kapitals und dem garantierten Rentenfaktor auf das Garantiekapital ergibt. Bei Riester ist die Beitragsgarantie gesetzlich festgelegt.
Mögliche Ablaufleistungen: Das, was der Versicherer bei Rentenbeginn auf einen Schlag auszahlen würde, wenn die aktuelle Überschussdeklaration und Performance in jedem Jahr ab Vertragsbeginn gelten würde. Diese Kalkulationen sind Beispielrechnungen, die nicht den tatsächlichen Ergebnissen entsprechen werden, da in der Realität beispielsweise der Index nicht über mehrere Jahre eine konstante Performance erwirtschaften wird. Die Hochrechnungen dienen als Anhaltspunkte und sind geeignet, um Vergleiche der verschiedenen Tarife zu erstellen. Die Zahlen sind wichtig, da sie die Güte der Kapitalanlage und Höhe der Kosten widerspiegeln. Bei den Hochrechnungen der Ablaufleistungen wird immer das Endalter 67 Jahre zugrunde gelegt.
Rentenphase: Die Phase, in der bis ans Lebensende monatliche Rente fließt, falls der Versicherte keine Auszahlung auf einen Schlag wünscht oder dies - wie bei Riester und Rürup - gesetzlich nicht erlaubt ist. In der Rentenphase fällt die Möglichkeit einer Indexpartizipation weg; Überschüsse stammen - wie bei einer klassischen Police - ausschließlich aus dem Deckungsstock. Nur bei der AXA und der Deutschen Ärzteversicherung besteht die Möglichkeit, in der Rentenphase die Option "Performance Flex" zu wählen. Dann wird weiter in den Index und einen freien Fonds investiert.
Mögliche Rentensteigerung: Die erwirtschafteten Überschüsse werden auch nach Beginn der Rentenzahlung an die Kunden weitergegeben. Bei Wahl der dynamischen Rentenbezugsform erhält der Kunde für Verträge, die 2018 schon in der Rentenphase sind, die in der Spalte ausgewiesene Rentensteigerung. Da die Rentenphase erst in mehreren Jahren beginnt, wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit dieser Wert bis dahin ändern. Er gibt aber eine Indikation, wie leistungsfähig der Versicherer ist, wenn man davon ausgeht, dass die relative Größe zum Markt bestehen bleibt. Grundsätzlich gilt: je höher der Wert, desto besser für den Versicherten.
Garantierte Rentenfaktoren: Bei den Rentenfaktoren wird immer eine Aufschubzeit von 30 Jahren zugrunde gelegt. Garantierter Rentenfaktor auf das Garantiekapital: Der garantierte monatliche Rentenfaktor pro 10 000 Euro Kapital, der auf das Garantieguthaben angewendet wird. Er ist Grundlage für die Berechnung der garantierten Rente.
Garantierter Rentenfaktor auf das Gesamtkapital: Der garantierte monatlichen Rentenfaktor pro 10 000 Euro Kapital, der auf das Gesamtkapital (gegebenenfalls nicht vollständig) angewendet wird. In vielen Fällen legen die Versicherer hier jedoch noch keine Werte fest, da die statistische Lebenserwartung in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen ist und eine Garantie gewissermaßen eine Wette mit der Laufzeit der Rente ist.
Punkte: Der Tarif mit der besten Wertung bekommt 100 Punkte, jener mit der schlechtesten null Punkte. Alle anderen Tarife bekommen Punkte gemäß dem gewichteten Abstand zur höchsten Wertung. In die Berechnung gehen die bislang geschilderten Kriterien ein. Außerdem wurden beispielsweise für die Aufschubphase die Werte für 20 Jahre Laufzeit errechnet.
Transparenz
Transparenz des Index: Als transparent gilt ein Index, wenn seine Zusammensetzung und Gewichtung jederzeit anhand neutraler Quellen nachvollziehbar ist (siehe Kasten auf Seite 106). Es wurden entweder 100 Punkte ("transparent") oder null Punkte ("intransparent") vergeben. Ausnahme ist die SV SparkassenVersicherung, die drei Indizes zur Wahl stellt (davon einer transparent). Hier gab es 33 Punkte. Die Punktezahlen haben keine Aussagekraft für mögliche Wertentwicklungen der Indizes.
Anbieter und Indizes in alphabetischer Reihenfolge (in Klammern: Art der Beteiligung; Erläuterung siehe Seite 106):
Allianz (IndexSelect): Euro Stoxx 50 (Kombination aus Cap und Quote); Allianz (IndexSelect Plus): Euro Stoxx 50, S & P 500 (Kombin. aus Cap und Quote); AXA: Global Multi Asset Index (Cap); Barmenia: BarmeniaIndex D/EU (Cap); Condor: Euro Stoxx 50 (Cap); Deutsche Ärzteversicherung: Global Multi Asset Index (Cap); Ergo Vorsorge: Munich Re World Wide Trend Index (Quote) HDI : MultiSelekt Konzept (Cap); LV 1871: Euro Stoxx 50 (Cap); Nürnberger: DAX/DAX Risk Control 20 RV (Cap); R + V: Euro Stoxx 50 (Cap); Stuttgarter: Stuttgarter M-A-X Multi-Asset Index (Quote); SV SparkassenVersicherung: TrendPortfolio Index, Euro Stoxx 50, VolaIndexPerform (Cap); Targo: DAX (Quote) VGH: VGH Sachwerteindex (Cap); Volkswohl Bund: DAX/Euro Stoxx 50 (Quote); Württembergische: Multi-Asset-Strategie (Quote).
Gesamtwertung
Punkte: Bei Indexpolicen gehen in die Bewertung ein: Kundenfreundlichkeit (40 Prozent), Performance (50 Prozent), Index-Transparenz (10 Prozent). Bei Modernen-Klassik-Policen Kundenfreundlichkeit (50 Prozent), Performance (50 Prozent).
Note: Mindestens 85 % der Punkte des besten Tarifs in jeder einzelnen Kategorie: sehr gut; mindestens 70% der Punkte des besten Tarifs: gut; mindestens 55% der Punkte des besten Tarifs: befriedigend; mindestens 40% der Punkte des besten Tarifs: ausreichend; unter 40% der Punkte des besten Tarifs: mangelhaft;
Anmerkung der Redaktion: In der Heftversion ist die Berechnung der Notenschnitte falsch angegeben.
Zudem sind wegen eines Übertragungsfehlers beim Datenlieferanten Morgen & Morgen in der Heftversion einige Fehler in den Tabellen enthalten. Im Folgenden finden Sie die korrekten Tabellen. An den Benotungen hat sich gegenüber der Heftversion folgendes geändert:
Indexpolicen/Riester-Renten: Barmenia: "befriedigend" statt "ausreichend"
Moderne Klassik/ Privatrente/laufender Beitrag: Alte Leipziger (AL-RENTE-KlassikPur): "gut" statt "sehr gut"; Alte Leipziger (AL_RENTE-Flex): "gut" statt "sehr gut; Debeka: "sehr gut" statt "gut"; Provinzial Rheinland: "befriedigend" statt "gut"; Targo: "gut" statt "befriedigend"; Inter "ausreichend" statt "befriedigend"
Moderne Klassik/Privatrente/Einmalbeitrag: Provinzial Rheinland: "befriedigend" statt "gut"; Provinzial Nordwest: "befriedigend" statt "gut"; Inter "befriedigend" statt "gut"
Wir bedauern die Unkorrektheiten.
Zu den Ergebnissen des Tests "Neue Garantiepolicen"
Gesamtwertung: (PDF)
Die Ergebnisse in den einzelnen Kategorien
Indexpolicen:
(PDF)
(PDF)
(PDF)
Moderne Klassik-Policen:
(PDF)
(PDF)
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