Goldmythos?

Gold ist kein guter Inflationsschutz? Neue Studie widerspricht gängiger Anlegerweisheit


Gold ist kein guter Inflationsschutz? Neue Studie widerspricht gängiger Anlegerweisheit

Viele Anleger vertrauen Gold blind als Schutz vor Inflation, doch eine neue Studie liefert eine Zahl, die diese Überzeugung ins Wanken bringt.

  • Studie im Journal of Investing hält Gold für einen schwachen Inflationsschutz
  • Korrelation zwischen Goldpreis und Inflation liegt nahe null
  • Autoren erklären den Glauben mit Herdentrieb und Bestätigungsfehler
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Eine neue Studie im Fachjournal Journal of Investing stellt eine der bekanntesten Faustregeln der Geldanlage infrage. Wie Barron's berichtet, untersuchen die Autoren Rob Brown und Bo Wang von Julex Capital Management, ob Gold Anleger tatsächlich vor Inflation schützt, und kommen zu einem klaren Urteil: Gold sei demnach ein miserabler Inflationsschutz, und zwar unabhängig davon, wie groß die Allokation ausfällt, ab welchem Inflationsniveau Anleger zugreifen oder wie treffsicher ihre Inflationsprognose am Ende ist. Für alle, die Gold seit Jahrzehnten als eine Art Versicherung gegen steigende Preise kaufen, ist das eine unbequeme Botschaft.

Gold versagt als Inflationsschutz?

Den Kern ihrer Kritik liefern Brown und Wang mit einer einzigen Zahl: Die Korrelation zwischen Gold und Inflation liegt, wie Barron's berichtet, bei gerade einmal 0,07, also praktisch bei null. Hinzu kommt ein zweiter Befund, der noch schwerer wiegt. Wird einem Portfolio aus Aktien und Anleihen zusätzlich Gold beigemischt, hilft das den Autoren zufolge nicht dabei, die Kaufkraft gegen Inflation abzusichern. Barron's weist zugleich darauf hin, dass Brown und Wang für einen Vermögensverwalter arbeiten, dessen Fonds explizit darauf ausgelegt sind, Inflation zu übertreffen, und damit selbst kein neutrales Interesse an dem Ergebnis haben. Die vorgelegten Belege bezeichnet Barron's dennoch als überzeugend.

Ein Fed-Chef sagte es schon vor über zehn Jahren

Neu ist die These damit nicht. Wie Barron's in Erinnerung ruft, machte der frühere Fed-Chef Ben Bernanke bereits 2013 vor einem Senatsausschuss ein ganz ähnliches Argument. Die Bewegungen des Goldpreises würden Inflation nur schlecht vorhersagen, sagte Bernanke damals, und fügte hinzu, dass eigentlich niemand die Goldpreise wirklich verstehe, er selbst eingeschlossen. Dass ausgerechnet der oberste Währungshüter der USA öffentlich einräumte, den Goldmarkt nicht zu durchschauen, unterstreicht aus heutiger Sicht, wie wenig belastbar die vermeintliche Gesetzmäßigkeit zwischen Gold und Inflation tatsächlich ist.

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Herdentrieb, Ankereffekt und Bestätigungsfehler

Wenn die Daten so eindeutig gegen Gold als Inflationsschutz sprechen, bleibt die Frage, warum sich der Glaube daran so hartnäckig hält. Brown und Wang liefern laut Barron's eine ganze Reihe verhaltensökonomischer Erklärungen, darunter Herdentrieb, Ankereffekte und Bestätigungsfehler. Anleger seien überzeugt, dass Gold ein Inflationsschutz sei, erinnerten sich deshalb selektiv an Phasen, in denen das scheinbar funktionierte, und blendeten widersprechende Daten einfach aus. Der Anlage-Berater Larry Swedroe wird von Barron's mit der Einschätzung zitiert, die Studie sei eine nützliche Erinnerung daran, dass eine populäre Erzählung jahrzehntelang überleben kann, selbst wenn die Datenlage sie nicht stützt.

Ob die neue Studie an der Kaufentscheidung vieler Goldanleger tatsächlich etwas ändert, bleibt offen. Wie Barron's abschließend anmerkt, könnte die psychologische Anziehungskraft von Gold am Ende genau der Grund sein, warum Anleger dem Edelmetall weiter fast schon magische Kräfte zuschreiben, ganz unabhängig davon, was die Statistik dazu sagt. Ein erster Beobachtungspunkt dürfte sich schon bei der nächsten Runde US-Inflationsdaten zeigen, wenn sich erneut die Frage stellt, wie der Goldpreis darauf reagiert.

Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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